Filesharing im Visier

23. Dezember 2011 10:55; Akt: 23.12.2011 13:59 Print

Härtere Gangart gegen Internet-Piraten gefordert

Die Unterhaltungsindustrie fährt schweres Geschütz auf. Eine neu gebildete Allianz wirft dem Bundesrat vor, nichts gegen die «Internet-Piraterie» zu tun und den Jugendschutz zu missachten.

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Die Forderungen der Allianz zielen laut Stellungnahme nicht auf die Endkonsumenten. Vielmehr solle kriminellen Plattform-Betreibern das Handwerk gelegt werden. (Bild: Colourbox)

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Schweizer Organisationen aus der Film-, Musik-, Buch- und Medienwelt haben sich zu einer Allianz gegen «Internet-Piraterie» zusammengeschlossen. Gemeinsam fordern sie vom Bundesrat eine härtere Gangart gegen die aus ihrer Sicht unerlaubte Nutzung von Werken über das Internet.

«Die Internet-Piraterie dürfte in der Schweiz bei den Urhebern, der Kreativindustrie und den Steuerzahlenden einen jährlichen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursachen», teilte die Allianz am Freitag mit. Sie wirft dem Bundesrat vor, bis anhin zu wenig unternommen zu haben, um diesen Schaden einzudämmen.

Insbesondere kritisiert die Allianz den Bericht zur unerlaubten Werknutzung über das Internet, der in Erfüllung eines Postulats von Ständerätin Géraldine Savary (SP/VD) erarbeitet worden war (20 Minuten Online berichtete).

Unvollständige Angaben

«Die Folgerungen sind inakzeptabel, weil jeder Handlungsbedarf verneint wird. Der Bericht kommt einer Kapitulationserklärung vor dem illegalen Anbieten von Medieninhalten über das Internet gleich», schreibt die Allianz.

Im Bericht fehlten beispielsweise Angaben über die Einnahmeausfälle der Rechteinhaber, wird kritisiert. Weiter halte der Bundesrat die als illegal anerkannte Upload-Praktik und Filesharing durch Internet-Kriminelle für tolerierbar. «Das Urheberrecht wird so schleichend ad absurdum geführt und mittelfristig sinnentleert.»

Gewaltverherrlichung und Pornos

Zudem bezeichnet die Allianz es als rechtspolitisch bedenklich, dass der Bundesrat künftig auf die Verfolgung von klaren Rechtsverstössen gegen die Eigentumsrechte der Kreativen verzichten wolle. Und nicht zuletzt missachte der Bundesrat den Jugendschutz, weil auf den illegalen Quellen gewaltverherrlichende und pornographische Inhalte direkt sichtbar seien.

Die Folge sei, dass sich die Schweiz international ins Abseits manövriere. Unterzeichnerstaaten der Verträge der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) bekämpften die unhaltbare Situation auf ihrem Territorium tatkräftig, weil sie Kultur und Arbeitsplätze retten wollten. Zudem verstosse die Haltung gegen unterzeichnete WTO-Verträge.

Bericht zurückweisen

Die Allianz, die gemäss eigenen Angaben mehrere zehntausend Arbeitsplätze in der Schweiz vertritt, fordert deshalb eine umfassende Auslegeordnung, einen «Masterplan gegen Internet-Piraterie». Darin sollen unter anderem Schweizer Daten enthalten sein, Instrumente zur Bekämpfung dargelegt und Präventionsmassnahmen aufgelistet werden.

In einem ersten Schritt jedoch solle das Schweizer Parlament den Bericht des Bundesrates zurückweisen und vom Bundesrat konkrete Massnahmen fordern. Mitglied der Allianz sind unter anderen die Autorinnen und Autoren der Schweiz, Cinésuisse, die Gewerkschaft Impressum, ProLitteris, die Suisa, der Schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband, der Verband Schweizer Medien und Suissimage.

90 Prozent sind fürs Downloaden

Ende November hat der Bundesrat den umstrittenen Bericht veröffentlicht. Darin kommt die Schweizer Regierung zum Schluss, dass das Urheberrecht nicht angepasst werden müsse. Sprich: Das blosse Downloaden von Musik, Büchern und Filmen für den Privatgebrauch soll legal bleiben. Davon ausgenommen sind Computer-Programme und Games.

Das Internet habe die Nutzung von Medieninhalten zwar fundamental verändert, heisst es im Bericht. Auf das kulturelle Schaffen in der Schweiz wirke sich dies jedoch nicht nachteilig aus. Denn das Geld, das die Internetnutzer beim kostenlosen Herunterladen sparten, gäben sie weiterhin für den Konsum im Unterhaltungsbereich aus.

Eine von 20 Minuten Online durchgeführte Online-Umfrage ergab ein deutliches Resultat. Über 90 Prozent der 4002 Teilnehmer der nicht repräsentativen Umfrage wollen, dass das Downloaden urheberrechtlich geschützter Musik, Filme oder Bücher legal bleibt. Bei den unter 30-Jährigen ist Gratis-Herunterladen eine Selbstverständlichkeit – nur sechs Prozent stören sich an dieser Praxis.

Keine «Schulhof-Kriminalisierung»

Gegenüber 20 Minuten Online stellt ein Sprecher der Allianz klar, dass es nicht darum gehe, die heute erlaubten Downloads zu verbieten. Hingegen solle das bestehende Verbot von Upload und Filesharing «endlich durchgesetzt werden». In anderen Ländern nehme man dieses Problem ernster und habe mit Gegenmassnahmen auch Erfolge erzielt. Die Allianz wolle aber keine «Schulhof-Kriminalisierung», wird betont.

(dsc/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • gegen-verbote am 23.12.2011 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    zwar ein bisschen allgemein, aber...

    hört doch mal auf mit all diesen verboten! wenn das so weiter geht können wir gar nichts mehr alleine entscheiden. alles wird per gesetz vorgegeben sein! ich glaube nicht das wir uns ins abseits befördern. ich bin froh haben wir noch einige freiheiten. macht doch ein verbot gegen weitere verbote!

  • Sandro am 23.12.2011 14:39 Report Diesen Beitrag melden

    MTV Cribs

    Also wenn ich mir mal wieder MTV Cribs ansehe, ist das schlechte Gewissen wegen allfälligen illegalen Downloads schnell weg! Und die Künstler, welche auf das Geld angewiesen wären, stellen oftmals viel Material legal zum Download bereit, und wenn man das dann gut findet, kauft man oftmals auch noch was von ihnen!

  • Johannes M. Dr.iur. am 23.12.2011 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz bis zum Ende

    Was soll denn das schon wieder.?! Wörter wie "Piraterie", "Kriminalität" oder "Diebstahl" sind hier völlig deplatziert. Weil: 1. Diebstahl das unerlaubte Aneignen fremden Gutes ist. Was hier aber nicht der Fall ist, da das "Gut" nachher immer noch vorhanden ist. 2. Ein regelrechter unterschied zwischen Diebstahl und Kopie besteht. 3. Sowieso schon pauschal abkassiert wird, mit jedem iPod/iPhone/PC/Datenträger-Gigabyte. 4. Die Leute, vor allem Jugendliche (mind. 95% aller "Täter"), die solche Medien "rauben", sich dieselben bei einem DL-Verbot bestimmt nicht kaufen würden/könnten. Soviel dazu

Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Langhart am 26.12.2011 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer beklaut da wenn

    Mit Blick auf die Bezüge aus dem von den Steuerzahler gefüllten Kulturtöpfe oder bei den erfolgreichen Künstler die unheimlichen Millioneneinkommen, stellt sich für mich die Frage, Wer beklaut da wenn?

  • Marco am 25.12.2011 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollen wir uns das bieten lassen?

    Wir sollen unsere Steuergelder für die Einschränkung unserer Freiheit ausgeben. Für internationale Konzerne welche kaum Stellen in unserem Land schaffen und schon bei jeden verkauften mp3 Player, jedem gespielten Lied abkassieren! Solche Forderungen machen mich "feruckt"...

  • Theo am 24.12.2011 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wechsel der Zeit

    Im Prinzip wollen die einfach Zensur durchsetzen und gewisse Sites sperren lassen. Aber dass es technisch machbar ist, nicht verfolgt werden zu können, schnallen sie nicht, aufs Ausland haben sie keinen Einfluss. Und dass ich gerade 50 Filme von der HD meines Kollegen kopiert habe, können sie erst recht nicht verhindern. Fazit: Tretet ab, alte Männer, eure Zeit ist vorbei!

  • V.Weber am 24.12.2011 16:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preise = reale Piraterie

    Was diese ach so am Hungertuch nagende Musikindustrie "Internet-Piraterie" nennt, nenne ich deren Preise reale Piraterie (25fr. pro CD, früher sogar 35). Und die Rechnung mit dem Riesenverlust kann auch nicht so recht aufgehen, ich z.B. würde mir nicht mal im Ansatz so viel kaufen wie ich herunterlade (evt. 3-5%). Der Künstler selbst sieht dann eh keinen roten Heller mehr, sondern nur die millionenschweren Bonzen Manager. Da besuche ich lieber ein Konzert, da hat der Künstler wenigstens was davon, und ich ebenfalls!

  • Jais am 24.12.2011 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald

    Naja irgendwann bald, wird es sowieso so sein dass man sich nur mittels elektronischer ausweis einloggen kann.... Den rest könnt ihr euch ja denken

    • Tim am 26.12.2011 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...Tja spätestens dann..

      ... wirds Zeit, das Internet zu verlassen, oder ??? Nein, das wird ganz bestimmt nicht passieren, dazu sind die Möglichkeiten des Internets schon zu vielfältig... In diesem Fall wird es unüberwachte Subnets von speziellen inoffiziellen Anbietern geben... und dann geht aber die illegale Post ab, das ist sicher... beängstigendes Szenario finde ich!!

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