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19. September 2019 16:06; Akt: 19.09.2019 16:06 Print

Huawei enthüllt sein Top-Handy ohne Google-Apps

Der chinesische Hersteller Huawei hat am Donnerstag sein neues Topmodell gezeigt. Doch beim Mate 30 Pro gibt es einen Haken.

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Extrem chic! Hersteller Huawei hat am 19. September in München das Mate 30 Pro vorgestellt. Bei der Präsentation teilte der CEO der Consumer-Sparte, Richard Yu, fleissig Seitenhiebe gegen die Konkurrenz aus. Im Mate 30 Pro steckt ein riesiger Akku und ein grosses Display, das auf den Seiten keinen Rahmen mehr hat. Neu ist auch der sogenannte Notch. Im Sensorbalken stecken zusätzliche 3-D-Sensoren für die Gesichtserkennung. Im Kameramodul auf der Rückseite stecken vier Linsen: Superweitwinkel, Weitwinkel, Zoomlinse und ein 3-D-Tiefensensor. Mit dem Nachtmodus sollen deutlich bessere Fotos möglich sein als bisher. 4K-Videos sind mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde möglich. Zeitlupenaufnahmen können bei einer 720p-Auflösung mit bis zu 7680 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet werden. 2019 ist kein einfaches Jahr für den chinesischen Konzern. Schuld daran sind die USA. Sie haben Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. Für bestehende Geräte hatte dies geringe Auswirkungen. Anders sieht es nun beim neuen Mate 30 Pro aus. Dieses muss ohne vorinstallierte Google-Apps auskommen. In China ist das nicht so schlimm, da dort sowieso keine Google-Apps laufen. Wie das genau aussehen wird, wird sich zeigen. Huawei hat aber einen eigenen App-Store, wo Programme installiert werden können. Und hier denkt der Konzern über neue Geräte nach: Im Süden von China in der Stadt Dongguan befindet sich der neue Firmencampus von Huawei. Auf einer Fläche von etwa 1,4 Millionen Quadratmetern wurde hier innert vier Jahren ein neues Zuhause für die Mitarbeiter des Konzerns geschaffen. 20 Minuten hat ihn 2019 besucht. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen in der Branche wurde jedoch kein futuristisches Mega-Gebäude erstellt. Eher erinnert die Architektur und die Gestaltung der Anlagen an Europa. Und dies ist kein Zufall. Die insgesamt 108 Gebäude auf dem Campus sind verschiedenen Städten und Regionen der alten Welt nachempfunden. Zwölf verschiedene Bereiche umfasst der Campus insgesamt. Dazu gehört das Burgund, die französische Weinbau-Region. Ein weiterer Bereich ist von der italienischen Stadt Verona inspiriert, wo unter anderem die Geschichte von Romeo und Julia spielt. Dieser Bereich erinnert an die Altstadt im tschechischen Cesky Krumlov, die 1992 zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt wurde. Auch Deutschland ist mit der Universitätsstadt Heidelberg vertreten. Und der chinesische Nachbau ist teilweise sogar besser als das Original. So steht auf dem Campus ein Nachbau vom Heidelberger Schloss. Das Original in Deutschland ist jedoch eine Ruine. Zu den weiteren Vorbildern zählen auch das italienische Bologna, das englische Windermere, Luxemburg, ... ... das belgische Brügge, die Universitätsstadt Oxford, das spanische Granada und Paris. Wenn man nicht überall chinesische Schriftzeichen sehen würde, ... ... könnte man für einen Moment tatsächlich meinen, man befände sich nicht in China, sondern in Europa. Und auch die Schweiz ist vertreten. Da die Mitarbeiter auf dem Campus nicht mit dem Auto herumfahren dürfen, gibt es einen Zug um von A nach B zu gelangen. Und diese erinnert nicht nur an die Jungfraubahn, die elektrische Zahnradbahn im Berner Oberland, sondern ist praktisch identisch. Der Zug wurde vom Schweizer Zughersteller Stadler Rail gebaut. Und einer der zwölf Bereiche des Huawei-Campus ist sogar von der Schweiz inspiriert. Genauer gesagt von der Stadt Freiburg in der Westschweiz. Wobei etwas künstlerische Freiheit wohl erlaubt war, denn dieser Turm erinnert an die Zytglogge in der Bundeshauptstadt Bern. Natürlich hat auch Freiburg einen eigenen Bahnhof, an dem der Zug regelmässig Halt macht. Das Zugsystem auf dem Campus erstreckt sich über eine Distanz von 7,8 Kilometern. Das Transportsystem mit dem Zug ist nicht nur praktisch, es stösst auch wesentlich weniger CO2 aus, als wenn alle Mitarbeiter mit Bussen herumfahren würden. Wenn man gerade nicht arbeiten muss, lädt hier ein kleiner Garten zum Verweilen ein. Auch für Verpflegung ist gesorgt. Im Innern dieses Gebäudes können die Mitarbeiter beispielsweise Zmittag essen. Ein grosses Buffet bietet praktisch alles, was das Herz begehrt. Und neben chinesischen Gerichten oder internationalen Speisen wie Sushi gibt es auch westliches Essen. Und für kleine Einkäufe müssen die Huawei-Angestellten den Campus nicht verlassen. So gibt es im Bereich Freiburg einen 7-Eleven, in dem man sich mit dem Wichtigsten eindecken kann. Auf dem Campus in Dongguan sollen insgesamt 25'000 Mitarbeiter Platz finden. Für einen attraktiven Arbeitsplatz hat der Konzern auf jeden Fall gesorgt.

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Richard Yu, der Chef der Consumer-Sparte von Huawei, begann seine Präsentation mit der Aussage, dass es das wohl schwierigste Jahr für Huawei sei. Damit bezog er sich auf den politischen Druck aus den USA und ein Dekret des US-Präsidenten, der die Firma auf eine schwarze Liste gesetzt hatte. Dennoch könne das Unternehmen steigende Verkäufe verzeichnen.

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Danach ging es gleich zur Sache, und zwar zum neuen Mate 30 Pro. Dieses verfügt über ein neuartiges, 6,53 Zoll grosses Display. Der verbaute Akku fällt mit einer Kapazität von 4500 mAh, wie vom Hersteller gewohnt, grosszügig aus. Im Vergleich dazu hat das neue iPhone 11 Pro Max etwas weniger als 4000 mAh.


Die neue Kamera

Der Smartphone-Hersteller ist nicht nur dank der Partnerschaft mit Leica für seine hochwertigen Kameras bekannt. Die bisherigen Modelle waren der Konkurrenz technisch voraus. Und dies ändert sich auch beim Mate 30 Pro nicht. Dieses verfügt über eine Dreifachkamera mit einem Ultraweitwinkel-, einem Weitwinkel- und einem Teleobjektiv. Zusätzlich ist auf der Rückseite auch ein Tiefensensor angebracht.

Bei Weitwinkelaufnahmen sollte das Handy über einen deutlich besseren Nachtmodus verfügen. Vor allem hat Huawei aber auch die Fähigkeiten zur Videoaufnahme deutlich verbessert. So sind nun unter anderem Slow-Motion-Aufnahmen mit 7680 Bildern pro Sekunde möglich. Und der von Fotos bekannte Unschärfe-Effekt funktioniert nun auch bei Videoaufnahmen.


Ein Werbetrailer zur neuen Slow-Motion-Videofunktion. (Video: Huawei)

Weitere technische Daten

Im Innern des neuen Flaggschiff-Handys sorgt der brandneue, von Huawei selbst entwickelte Prozessor Kirin 990 für hohe Leistung. Geladen wird das Mate 30 Pro entweder per Kabel mit 40 Watt oder kabellos mit 27 Watt. Das ist deutlich mehr als beim iPhone, das erst seit den neuen iPhone-11-Modellen mit 18 Watt geladen werden kann.

Vom Smartphone wird es auch eine Version mit 5G geben. Dieses Gerät hat insgesamt 21 Antennen eingebaut und deren 14 sind allein für die Verbindungen über den 5G-Mobilfunkstandard da. Dies soll gemäss Richard Yu deutlich schnellere Verbindungen über den Mobilfunk erlauben als bei den Smartphones der Konkurrenz.

Was ist mit Google-Apps?

Auf dem Mate 30 Pro wird die neue Emui-10-Benutzeroberfläche laufen, die das Unternehmen an der Entwicklerkonferenz im August erstmals gezeigt hat. Unter anderem wird es einen neuen, systemweiten Dark Mode geben, mit welchem der Akku stark geschont werden soll.

Doch im Vorfeld der Präsentation war die grosse Frage, ob auf dem Topmodell wegen Restriktionen der US-Regierung überhaupt noch Android als Betriebssystem und die verschiedenen Google-Dienste genutzt werden dürfen. Nun ist klar, das Flaggschiff wird in der Schweiz noch in diesem Jahr mit einem Open-Source-Android erscheinen.

Das bedeutet, dass das Handy zwar grundsätzlich mit sämtlichen Android-Apps, die es gibt, kompatibel ist. Die Google-Play-Dienste und der Play Store sind jedoch nicht vorinstalliert. Dies dürfte jene Nutzer freuen, die keine Fans des amerikanischen Konzerns sind. Was es für jene Nutzer bedeutet, welche gar nicht auf Google-Apps verzichten möchten, ist jedoch noch nicht klar.

Das Mate 30 Pro mit 8 GB RAM und 256 GB Speicher soll für 1099 Euro verkauft werden. Die 5G-Version soll 1199 Euro kosten. Die Schweizer Preise und ein genaues Erscheinungsdatum sind noch nicht bekannt.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolfswiss am 19.09.2019 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trump wird es bereuen

    Habe mir letztes Jahr ein Huawei von China gekauft, weil mein iPhone den Geist aufgab. Ich finde das Huawei um Welten besser und werde wieder eines kaufen. Toll gemacht von den Chinesen! Sie zeigen der Welt was sie können.

  • Antigoogler am 19.09.2019 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    Muss ich haben. Ein Traum.

  • marco r am 19.09.2019 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    i love Huawai

    Ja Boykott USA Google und co. In 10 Jahren werden Sie sowiso die rechnung von Trumps ''Politik" erhalten. Und China wird viel voraus sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Linux Mensch am 19.09.2019 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich ein Smartphone ohne Google. Besser gehts nur mit einem "echten" Linux Betriebssystem ohne Java wrapper, dafür C/C++ worauf man wohl noch ein paar Jahre warten muss.

  • Roland am 19.09.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gläubige

    Huawei ist eine durch und durch Kommunistische Firma die nicht gerade Freundlich mit den Arbeitern umgeht und in der 5 G Technik sind sie führend und dadurch ist die Gefahr der Spionasche Weltweit gross

  • AndiG1 am 19.09.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Apple gibts einen Ticker...

    ...hier nur eine Meldung. Logisch, interessiert niemanden.

  • Markus am 19.09.2019 18:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein problem

    Wer es immer noch nicht begriffen hat: man kann alles installieren. Es ist einfach nicht schon alles vorinstalliert.

  • Tomi am 19.09.2019 18:16 Report Diesen Beitrag melden

    Preis sehr hoch

    Technisch ja aber wenn sie so weitermachen ist Huawei bald teurer als Apple.