Angst vor Unruhen

06. Dezember 2011 13:51; Akt: 06.12.2011 14:31 Print

Indien will Facebook und Google zensieren

Der politische Druck auf die US-Internetgiganten wächst. Um religiöse Konflikte zu vermeiden, sollen sie «bedenkliche» Inhalte von ihren indischen Webseiten löschen.

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Blick in ein indisches Internet-Café. Der indische Staat will amerikanische Internet-Konzerne stärker in die Pflicht nehmen. (Bild: Keystone/AP/Anupam Nath)

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Die indische Regierung will anstössige Inhalte auf Internetseiten wie Google und Facebook entfernen. Nachdem die Unternehmen entsprechende Forderungen ignoriert hätten, werde die Regierung nun selbst die Initiative ergreifen, sagte Telekommunikationsminister Kapil Sibal am Dienstag: «Dies ist eine äusserst wichtige Angelegenheit für uns. Wir müssen auf die Empfindungen unseres Volkes Rücksicht nehmen.»

In einer Sitzung am Montag mit führenden Internetunternehmen hätten diese mitgeteilt, es gebe nichts, was sie tun könnten. Nun werde sich die Regierung eine eigene Richtlinie überlegen, sagte der Minister.

Persönlichkeiten beleidigt

Indischen Medienberichten zufolge hat der Telekommunikationsminister in den Gesprächen am Montag Vertretern von Google, Yahoo, Microsoft und Facebook von Interneteinträgen berichtet, die den indischen Ministerpräsidenten Manmohan Singh, die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, und führende religiöse Persönlichkeiten beleidigen würden.

Die Sprecher von Google und Microsoft lehnten es ab, die Sitzung zu kommentieren. Eine Gewährsperson sagte, dass die Diskussion wegen einer Facebook-Seite über Sonia Gandhi ausgelöst worden sei. Bei Facebook sind mehrere Seiten registriert, die bekunden, die indische Politikerin zu hassen. Derzeit sind in Indien mehr als 25 Millionen Facebook-Nutzer registriert.

Schweine in Mekka

Vor der Pressekonferenz am Dienstag zeigte Sibal beispielhaft Darstellungen aus dem Internet, die unter anderem Schweine zeigten, die durch Mekka, die heiligste Stadt der Muslime, laufen. Internetunternehmen hätten ihm gesagt, sie würden US-amerikanische Standards für ihre Seiten anwenden, sagte Sibal. Die Unternehmen müssten jedoch sensibler für indische Empfindsamkeiten sein.

Allein in diesem Jahr hat Indien Google zufolge 68 Anfragen an den Suchmaschinenbetreiber gestellt, um Inhalte entfernen zu lassen.

Vor wenigen Tagen hat die pakistanische Schauspielerin Veena Malik mit nackten Tatsachen für Aufsehen gesorgt. Ein vorab im Internet veröffentlichtes Bild zeigte sie auf dem Cover des indischen Männermagazins «FHM India» und löste Empörung in ihrer Heimat aus. Mit dem Foto habe man sich über die Angst der Inder vor pakistanischen Spionen lustig machen wollen, hiess es.

(ap)