Gesundheitsschädlich

18. Juli 2019 13:01; Akt: 18.07.2019 13:01 Print

Influencerin springt in Giftsee – «das wars wert!»

Um ein schönes Bild auf Instagram zu teilen, gehen einige sehr weit. In Spanien springen sie sogar in einen toxischen See.

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Zugegeben, das Instagram-Foto sieht gar nicht so schlecht aus. Doch die Influencerin, die in diesem spanischen See badete, hatte nach der Aufnahme zwei Wochen mit einer allergischen Reaktion zu kämpfen. Auch andere Personen setzen für gute Bilder ihre Gesundheit oder gar ihr Leben aufs Spiel, wie die folgenden Bilder zeigen. So stürzten im Juni 2018 zwei Australier in den Tod. Das Paar liess im portugiesischen Badeort Ericeira das Smartphone fallen. Wohl beim Versuch, es festzuhalten, stürzten die beiden eine fast 40 Meter hohe Mauer hinunter. Beim Fotografieren am Wasserfall Nevada Fall ist ein 18-jähriger Israeli ausgerutscht und abgestürzt. Er habe vermutlich ein Selfie machen wollen, hiess es. Alexander Chechik aus dem russischen Labinsk zog den Stift einer Handgranate – und bezahlte sein gefährliches Selfie, das er an mehrere Freunde schickte, mit dem Leben. Das letzte Foto von Colleen Burns am Grand Canyon: Nur Minuten später stürzte sie 122 Meter tief in die Schlucht, weil sie einem Mann Platz machte, der ein Selfie schiessen wollte. Wegen solcher Erinnerungsfotos kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Am 29. Juni 2016 kletterte ein deutscher Tourist über eine Sicherheitsabsperrung, um ein Selfie vor den Inka-Ruinen in Machu Picchu zu machen. Dann bat er andere, ein Foto von ihm zu schiessen, während er hochsprang. Dabei verlor der Mann das Gleichgewicht und stürzte einen hundert Meter tiefen Hang hinab. Ende Mai 2016 kletterte ein Chinese für ein Foto mit einem Walross ins Tiergehege des Yeshanko Wildlife Zoo in der südchinesischen Stadt Weihai. Kurz darauf war er tot. Im April 2016 wurde eine 19-jährige Chinesin in der Stadt Liantang von einem Güterzug erfasst, als sie sich gerade selbst fotografierte. Im August 2014 wollte ein polnisches Ehepaar in Cabo de Roca in Portugal, am westlichsten Punkt Europas, ein Selfie schiessen. Für ein besseres Bild stieg es über die Sicherheitsabsperrung – und stürzte in die Tiefe. Diese Aufnahme ging glimpflich aus, zumindest für die Frau im Bild. Weil die Bären-Selfies überhandnahmen, schloss der Waterton Canyon Park in Colorado im September 2015 seine Pforten. Bereits 2014 gab der WWF auch für die Schweiz die Warnung heraus, man solle keine Selfies mit Bären machen.

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Der Monte Neme in der spanischen Provinz Galicien ist zu einem Hotspot für Instagrammer geworden. Ein kleiner See lockt Besucher mit seinem türkisfarbenen Wasser. Doch die Farbe ist nicht auf natürliche Weise entstanden, sondern weil es direkt daneben eine alte Wolfram-Mine gibt.

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Dies verschafft den Instagrammern zwar Likes, doch ein Sprung ins Wasser ist eindeutig gesundheitsgefährdend. So mussten bereits mehrere Personen wegen Hautirritationen und auch Problemen mit der Verdauung ins Krankenhaus eingeliefert werden, nachdem sie Wasser geschluckt hatten, so Publico.es.

Gesundheitliche Konsequenzen

So hatte die Influencerin Uxía aus Compostela zwei Wochen lang mit einer allergischen Reaktion zu kämpfen. Dennoch sagte sie zum spanischen Radiosender Cadena Cope: «Mir war ein wenig schlecht, ja, aber das Foto hat sich gelohnt.»

Ein anderer Instagrammer erklärte, dass er im See badete, weil es «sehr schön war» und es keine Anzeichen dafür gegeben habe, dass das Baden verboten sei. Das Ergebnis: Übelkeit und Hautausschlag. Trotz eines Besuchs beim Arzt ging es zwei Wochen, bis wieder alles gut war. Ein Kommentar unter dem Bild lautete: «Gratuliere zum Bad in den hochgiftigen Abfällen der Wolframmine. Darwin wäre sicherlich stolz auf dich.»

Russisches Pendant

Auch in Russland gibt es einen giftigen See, der Instagrammer anlockt. Auf den ersten Blick sieht der kleine See in Nowosibirsk im Süden Russlands wunderschön aus. Umgeben von Grün schimmert das Wasser türkis. Der Ort hat deshalb auch den Namen «Malediven von Nowosibirsk» erhalten – und ist bei Instagram-Nutzern beliebt.

Hunderte haben den See in den letzten Wochen besucht, um dort Fotos zu machen. Einige von ihnen paddelten gar übers Wasser. Doch das sollte man besser bleiben lassen. Denn für die Farbe sorgen nicht wie in den Malediven weisser Sand und Plankton, sondern «giftige Nebenprodukte» eines Kohlekraftwerks, schreibt «The Guardian».

(swe)