Verärgerte Hosting-Provider

03. Juni 2011 09:18; Akt: 03.06.2011 11:20 Print

Internet-Provider beissen bei Switch auf Granit

von Oliver Wietlisbach - Der staatliche Internet-Verwalter wirbt trotz Bakom-Verfügung weiter für seine private Tochterfirma Switchplus. Switch missbrauche ihre Marktmacht, beklagen die Hosting-Anbieter.

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Eigentlich hätte Switch den Werbebanner für seine Tochterfirma letzte Woche entfernen müssen. (Bild: Switch)

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Das Gezänk zwischen den privaten Hosting-Providern und der halbstaatlichen Domain-Registrierungsstelle Switch geht in eine neue Runde. Die Provider werfen Switch «diskriminierendes und marktverzerrendes» Verhalten vor. Stein des Anstosses: Switch verlinkt auf seiner Website prominent auf die Hosting-Angebote der Tochtergesellschaft Switchplus (siehe obiges Bild). Demgegenüber seien die Angebote der privaten Provider kaum sichtbar, moniert eine Allianz der grössten Webhosting-Dienstleister (20 Minuten Online berichtete).

Bund verhängte Werbeverbot

Am 11. April 2011 gab die Aufsichtsbehörde Bakom den privaten Providern recht. In der Verfügung wird Switch unter anderem dazu aufgefordert, die «irreführende Werbung» zu entfernen. Konkret heisst es im Bakom-Entscheid: «Switch hat sicherzustellen, dass Switchplus AG innert 30 Tagen seit Eröffnung dieser Verfügung von keinen werbewirksamen Leistungen von Switch profitiert, die anderen Wholesale-Partnerinnen (Anmerkung der Redaktion: private Webhosting-Provider) nicht zur Verfügung stehen.» Zentral ist der folgende Satz: «Diese Verpflichtung bezieht sich namentlich auch auf den Webauftritt.» Das Bakom hat zudem verfügt, dass einer Beschwerde von Switch die aufschiebende Wirkung entzogen wird.

Switch will weiterhin werben

Die vom Bakom gesetzte Frist ist letzte Woche verstrichen. Switch zeigt sich davon unbeeindruckt. Die Werbung für die Tochterfirma prangt wie gewohnt auf der Startseite. «Switch hat am Freitag vergangener Woche beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Bakom-Verfügung Beschwerde eingereicht», sagt Unternehmenssprecher Marco D’Alessandro auf Anfrage. Switch habe beim Gericht beantragt, dass die aufschiebende Wirkung wieder eingeführt werde. Dies würde bedeuten, dass Switch nicht umgehend reagieren müsse, so D’Alessandro weiter. Die Frage, ob Switch die Werbung für die Tochterfirma Switchplus entferne, verneint der Mediensprecher: «Bis das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat, ändern wir nichts.»

Kein Verständnis für diese Haltung zeigt Claudius Röllin, Mitgründer und Chief Marketing Officer von Hostpoint, dem grössten Hosting-Provider der Schweiz. Switch fahre eine sehr risikoreiche Strategie, glaubt er. «Der Entscheid des Bakom belegt eindeutig, dass Switch ihre Stellung missbraucht.»

Gerichte müssen entscheiden

Das Bundesverwaltungsgericht bestätigt die Beschwerde von Switch gegen den Bakom-Entscheid. Bis am 8. Juni laufe die Vernehmlassung über die Frage der aufschiebenden Wirkung, teilt Gerichtssprecher Andrea Arcidiacono mit. Zirka Mitte nächster Woche werde das Bundesverwaltungsgericht entscheiden, ob es dem Antrag von Switch auf Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung stattgeben werde. Bis dieser Zwischenentscheid gefällt ist, sei die Werbung für die Tochterfirma rechtens. «Wenn die aufschiebende Wirkung aberkannt wird, muss Switch reagieren», bestätigt Arcidiacono. Allerdings könne Switch den Fall immer noch ans Bundesgericht weiterziehen. Dieses müsste dann ein endgültiges Urteil in der Angelegenheit Switch gegen Webhosting-Provider fällen.

Beim Bakom, das die Switch beaufsichtigt und die Entfernung der Werbung verfügt hat, gibt man sich zuversichtlich. Wenn das Bundesverwaltungsgericht die aufschiebende Wirkung nicht gewähre, dann erhalte Switch eine Nachfrist. «Werden die entsprechenden Punkte dann nicht angepasst, müssten wir weitere Massnahmen einleiten.» Aufgrund der bisherigen Zusammenarbeit geht man beim Bakom allerdings davon aus, dass Switch - unter diesen Umständen - die angeordneten Massnahmen umsetzen würde.

Weit weniger überzeugt von einem «Happy End» ist Röllin von Hostpoint: «Mit ihrem Verhalten riskiert Switch am Ende auch eine Busse der Wettbewerbskommission. Aber Geld zum Prozessieren scheint bei Switch unlimitiert vorhanden zu sein.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • f.Müller am 03.06.2011 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Eh egal

    Wer hostet schon bei Switch ;)

  • Naim Addad am 03.06.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    SWITCH sperrt schon Domains

    Der viel grössere Skandal ist, dass SWITCH Domains mit "Malware" sperrt. Einfach so. Kein Gerichtsbeschluss, kein Richter. Nur eine 5-tägige Frist, sämtliche Malware zu entfernen. Danach "Kinderpornoseiten" und danach politisch unliebsame? Warum geht hier nirgends ein Aufschrei herum? Der normale Prozess wäre eine Anzeige mit einem Richterbeschluss. Nicht einfach eine allmächtige Behörde, die nach eigenem Gutdünken Domains sperrt. Auf Wiedersehen Eigentumsrecht und freie Meinungsäusserung. Es war eine schöne Zeit!

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  • Anonymous am 03.06.2011 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zensur

    Das Chaos mit Switchplus ist perfekt. @Naim Addad: Ja die Firma Switch und auch andere grosse Provider sind ein beliebter Tummelplatz von selbst ernannten Polizisten. Da wird zensiert was den Providern nicht in den kram passt. Dass war aber schon vor Jahren so... Musst mal ein brasilianischen Proxy benutzen, dann gehen plötzlich alle "bösen" Seiten wieder ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S.W. am 04.06.2011 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Switch ist Top

    Es gibt wenige gute Provider, switch macht seine Aufgabe tiptop, das ist ein grosses Problem für alle anderen möchtegern Provider. Sorry, wegen diesem Knopf geht die Welt nicht unter....die anderen Provider sollten Ihr angebot mal überdenken.

  • Matthias Hertzog am 03.06.2011 14:09 Report Diesen Beitrag melden

    Partnerschaft sieht anders aus.

    Es ist traurig, dass Switch seine Partner (und das sind einige Provider) nicht ernst nimmt und seit Anbeginn der Debatte konsequent alle gemeinsam erarbeiteten Vorschläge ignoriert. Das ist keine Partnerschaft sondern eher die Auslagerung der Arbeit bei gleichzeitigem Festhalten an der Monopolstellung. Ich bin (als Partner von Switch) einmal mehr enttäuscht.

  • Gianin May am 03.06.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    SWITCH

    Ich kann nur hoffen, dass das alles für SWITCH so richtig teuer wird.

    • uncharted lands am 03.06.2011 18:00 Report Diesen Beitrag melden

      Switch am längeren Hebel

      Die Kosten werden dann wohl auf die Domainhalter abgewälzt! Sollte es für SWITCH teuer werden, werden halt die Domains teurer. So oder so: SWITCH ist einer Machtposition, die sie gnadenlos ausnutzt.

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  • Eron am 03.06.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Preis/Leistung sind für Kunden super...

    Switch macht das sehr professionell. Der Service stimmt und das dürfte die Konkurrenz verärgern, sie machen es zu einem sehr guten Preis bei hervorragender Leistung. Alles ist unkompliziert & es sind wirklich Profis am Werk. Diesen Service vermisse ich bei vielen anderen...oder haben sie schon mal versucht mit Bluewin Kontakt aufzunehmen...da wird man als Kunde schon mal kalt gestellt und muss warten, warten, warten...Das Problem ist doch, dass andere viel verdienen wollen und nichts leisten, denn Fakt ist dass Swisscom & Co ein quasi Monopol besitzen und den Preis bestimmen wollen!

    • Darko am 03.06.2011 12:22 Report Diesen Beitrag melden

      Switch=zentrale Registrierungsstelle

      Wenn Du schon von Monopol bei Swisscom&Co sprichst hast Du anscheinend keine Ahnung das Switch die einzige Registrierungsstelle für .ch/.li Domains ist, was soviel heisst wenn Du über Hostingprovider XY eine Domain registrierst ist dieser nur ein Wiederverkäufer (Reseller) von Switch und eben auch abhängig von Switch.

    • Matthias Hertzog am 03.06.2011 14:05 Report Diesen Beitrag melden

      Es gibt noch mehr...

      Es gibt noch viele andere Provider ausser Swisscom/Bluewin. Und die machen mehrheitlich einen guten Job. Zudem ist gerade Swisscom/Bluewin nicht dabei, gegen diese Ungleichbehandlung anzugehen, was bedauerlich ist.

    • Jan Binzegger am 04.06.2011 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      Preis/Leistung für Kunden wirklich super

      Eigentlich ja schon schade, wie einige Personen im Bild sind. Zitat der Website Switch.ch "Die Geschäftszeiten sind von Montag bis Freitag, 9 - 12 Uhr und 14 - 17 Uhr (UTC+1, Sommer UTC+2).". Das sind doch mal Supportzeiten. Es ist ja nicht so , dass die Hauptwebbenutzung während des Wochenendes und am Abend stattfinden und dann auch die Konflickte entstehen. Wenn man das gutes Preis / Leistungsverhältniss nennt? Ganz nebenbei erhält man in Nachbarländern Landesdomains für 6 Euro (Preis von Domain.de für .de Domains) was bei 1.25 der Euro 7.5 Fr entspricht (wir zahlen 17 Fr).

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  • Anonymous am 03.06.2011 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zensur

    Das Chaos mit Switchplus ist perfekt. @Naim Addad: Ja die Firma Switch und auch andere grosse Provider sind ein beliebter Tummelplatz von selbst ernannten Polizisten. Da wird zensiert was den Providern nicht in den kram passt. Dass war aber schon vor Jahren so... Musst mal ein brasilianischen Proxy benutzen, dann gehen plötzlich alle "bösen" Seiten wieder ;-)

    • Naim Addad am 03.06.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

      Staatliche Zensur

      Nein, die Domain wird von SWITCH gesperrt. Da hilft kein Proxy o.ä., spätestens wenn der TTL vom DNS-Cache abgeloffen ist, ist das Licht aus. Ausserdem ist SWITCH eine Tochterfirma der BAKOM und somit staatlich. Na? Schon die Magnitude erfasst? Es ist staatliche Zensur.

    • Matthias Hertzog am 03.06.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

      Denkfehler.

      Die Sache hat nichts mit Zensur zu tun sondern damit, dass mit staatlichen Mitteln die Privatwirtschaft unlauter konkurrenziert wird. Jeder Umsatzfranken, der direkt an den Staat fliesst kostet Arbeitsplätze und senkt das Steuersubstrat.

    • Naim Addad am 03.06.2011 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Bin selber Unternehmer

      Dagegen habe ich gar nichts einzuwenden? Trotzdem ist es brandgefährlich wenn eine staatlich zentrale Stelle Domains einfach sperren kann ohne richterlichen Beschluss.

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