Prävention

08. Februar 2011 08:00; Akt: 08.02.2011 10:29 Print

Internetjunkies und Offliner sind gefährdet

Jugendliche, die täglich über zwei Stunden im Netz surfen, haben ein deutlich erhöhtes Depressionsrisiko. Problematisch sind aber auch junge Leute ohne Internetzugang.

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Gelegentliches Surfen im Internet wird von den Wissenschaftler empfohlen.

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Die Wissenschaftler am Institut für Sozial- und Präventivmedizin des Lausanner Unispitals benutzten für ihre Studie Daten der SMASH-Umfrage aus dem Jahr 2002. Diese untersuchte die Gesundheit von 7211 Jugendlichen zwischen 16 und 20 Jahren, 3305 Mädchen und 3906 Knaben.

Die Jugendlichen wurden in vier Internetnutzer-Gruppen eingeteilt: Vielsurfer (mehr als zwei Stunden pro Tag), regelmässige Surfer (an mehreren Tagen pro Woche und weniger als zwei Stunden täglich), gelegentliche Surfer (weniger als eine Stunde pro Woche) und Nichtsurfer (keine Internetnutzung während des letzten Monats).

Ohne Internet vereinsamt?

Bei den Knaben surften 7 Prozent häufig. 45 Prozent surften regelmässig, 31 Prozent gelegentlich und 16 Prozent nie. Bei den Mädchen gab es mit 2 Prozent weniger Vielsurfer als bei den Knaben. 41 Prozent der Mädchen nutzten das Internet regelmässig, 40 Prozent gelegentlich und 16 Prozent nie.

Es zeigte sich, dass die Vielnutzer beider Geschlechter häufiger auch depressive Symptome aufwiesen. Das Risiko gegenüber den regelmässigen Surfern war bei den Knaben um 36 Prozent erhöht, bei den Mädchen um 86 Prozent. Zudem hatten die häufig im Internet surfenden Knaben häufiger Übergewicht, die Mädchen dagegen zu wenig Schlaf.

Zur Überraschung der Forscher hatten aber auch Jugendliche, die nie im Internet surfen, ein erhöhtes Depressionsrisiko (Knaben 31%, Mädchen 46%). Wie Studienleiter Pierre-André Michaud auf Anfrage sagte, könnte dies daran liegen, dass Jugendliche ohne Internet faktisch vom kulturellen Umfeld ihrer Kollegen abgeschnitten sind.

Zu spät ins Bett

Dass die Jugendlichen das Internet nicht nützen, liegt wohl nicht daran, dass ihre Familie keinen Computer besitzt - laut der Studie sind Nichtnutzer-Familien nicht ärmer als andere. Es handle sich eher um sozial isolierte Jugendliche. «Das heisst aber nicht, dass ein Jugendlicher, der das Internet nicht braucht, unglücklich sein muss», sagte Michaud.

Mädchen nutzten das Internet vornehmlich für soziale Zwecke. Das führe wohl dazu, dass sie spät ins Bett gingen und sich so ein Schlafmanko einhandelten, spekulieren die Forscher. Die Knaben stehen eher auf Computerspiele, einige um sich einen Adrenalinkick zu geben, wie Michaud sagte. Das führe anscheinend nicht zu weniger Schlaf.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass die Internet-Nutzungszeit seit 2002 weiter angestiegen ist - unter anderem dank des erleichterten Zugangs via Mobiltelefone. Die in der vorliegenden Studie gefundenen Zusammenhänge ändere dies wahrscheinlich nicht.

Kinder im Auge behalten

Michaud und seine Kollegen empfehlen Eltern, darauf zu achten, dass ihre Kinder nicht zu viel Zeit mit Surfen im Internet verbringen. Jugendliche sollten aber auch nicht ganz vom Computer ferngehalten werden. Mehrmals pro Woche ins Internet zu gehen, bis zu zwei Stunden pro Tag, könne als normales Verhalten beurteilt werden.

«Eine gelegentliche Nutzung des Internets in der Freizeit gehört zu unserem Gesellschaftsverhalten», sagte Michaud. Die im Internet verbrachte Zeit sei aber nur ein Aspekt, warnte er. Eltern sollten auch ein Auge darauf haben, was genau ihre Schützlinge im Internet suchten und machten.

(sda)