23. Mai 2007 11:14; Akt: 23.05.2007 16:58 Print

Iraker abschiessen per Internet

Mit einem webgesteuerten Paintball-Gewehr können Internet-User einen irakischen Künstler zu jeder Tages- und Nachtzeit in seiner Zelle beschiessen. Ziel des Action-Artists: Die Darstellung des irakischen Lebensgefühls.

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Der gebürtige Iraker Wafaa Bilal lebt zurzeit in einer kleinen, karg ausgestatteten Zelle in der Galerie Flatfile in Chicago. 24 Stunden am Tag ist ein Paintball-Gewehr auf ihn gerichtet. Die Besucher seiner Website können die Richtung des Laufes steuern und auf ihn im Dreiminuten-Takt Paintball-Kugeln abfeuern. In einer Art «Green Zone» ist Bilal vor Treffern geschützt. Dazu gehört auch sein Bett, dass sich unterhalb der Schusslinie befindet.

«Jagdfieber»
Sobald er aber die Gefahrenzone betritt, wird auf ihn losgefeuert. «Einige sind im Jagdfieber, sie warten nur darauf, dass ich einen Fehler mache», berichtet der Iraker in einer seiner täglichen Videobotschaften. Zu seinem eigenen Schutz trägt der Aktionskünstler eine Schutzbrille und lange Bekleidung. Die Qualität der Webcam ist mangelhaft. Erst bei der Betrachtung der Video-Tagebücher ist zu erkennen, wie die Wände unter dem ständigen Beschuss in Mitleidenschaft gezogen wurden.

«Shoot an Iraqi»
Wafaa Bilal ist eigentlich als Kunstlehrer in Chicago tätig. Mit der Kunstaktion «Domestic Tensions» will er auf die latente Bedrohung der Irakischen Bevölkerung aufmerksam machen. Ursprünglich sollte das Experiment «Shoot an Iraqi» heissen, doch das war dem Galleristen, der Bilal in seinem Anliegen unterstützt, dann doch zu provokativ.

Manuel Bühlmann, 20minuten.ch

Videobotschaft Tag 13

(Quelle: youtube.com)