Verdacht

14. Februar 2011 11:00; Akt: 14.02.2011 13:42 Print

Ist der türkische Präsident ein Filmpirat?

Über Twitter verbreitete Abdullah Gül die Nachricht, dass er gemütlich zuhause «The King’s Speech» gesehen habe. Dumm nur, dass der Film auf legalen Wegen noch gar nicht erhältlich ist.

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Der türkische Präsident weilte letzten November in der Schweiz und wurde von Bundespräsidentin Doris Leuthard empfangen. Nun muss sich Abdullah Gül in seiner Heimat unbequemen Fragen stellen. (Bild: Keystone)

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Landauf, landab entdecken Politiker die Vorzüge moderner Kommunikationsmittel wie Twitter. Mehr als 180 000 Follower hat der türkische Staatspräsident Abdullah Gül. Über seinen Twitter-Account lässt er die Welt an seinen Gedanken zur Politik teilhaben, gibt aber auch hin und wieder Persönliches preis. Wie zum Beispiel am vergangenen Samstag, als er einen – auf den ersten Blick – belanglosen Tweet über sein Privatleben ins Internet schickte. Er habe kürzlich «The King’s Speech» zuhause mit seiner Frau angeschaut. Und weiter: «Wirklich ein wunderschöner Film», übersetzt Google Translate das auf Türkisch gehaltene Statement.

Die grosse Frage lautet allerdings: Wie konnte der Staatspräsident zuhause The King's Speech anschauen, ohne die Urheberrechtsgesetze zu verletzen? In den türkischen Kinos ist der mehrfach Oscar-nominierte Film nämlich noch nicht angelaufen, und natürlich gibt es den Streifen auch nicht legal auf DVD zu kaufen. Dafür soll eine «gute Kopie» im Internet erhältlich sein, wie der Blog Torrentfreak.com mit nicht zu überhörender Schadenfreude berichtet. Der Film könne über das Usenet, BitTorrent oder andere File-Sharing-Dienste heruntergeladen werden – und er soll auch bereits als Schwarzkopie in den Strassen Istanbuls erhältlich sein.

Ist der türkische Staatspräsident folglich ein Filmpirat? Diese unbequeme Frage ist Abdullah Gül inzwischen von unzähligen Twitter-Nutzern gestellt worden. Sie haben auf seinen Tweet geantwortet und möchten Näheres über seinen bevorzugten File-Sharing-Dienst erfahren.

Zunächst blieb der Politiker eine Antwort schuldig. Inzwischen hat er Stellung genommen. «Ein illegaler Film wäre mir nicht ausgehändigt worden», soll er gemäss Torrentfreak.com gesagt haben. Und ketzerisch wird gleich die nächste Vermutung angestellt: Ist es dem Stab des Staatspräsidenten demnach gelungen, einen superexklusiven Deal auszuhandeln, um den begehrten Film in einer Privat-Vorstellung zu sehen?

(dsc)