Schweiz vs. Swiss

13. Juni 2012 15:54; Akt: 13.06.2012 17:20 Print

Kampf um die Internet-Domain .swiss

Die Eidgenossenschaft bewirbt sich für die neue Internet-Domain .swiss. Doch die will sich auch die gleichnamige Fluggesellschaft unter den Nagel reissen.

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ICANN-CEO Rod Beckstrom (links) informierte am 13. Juni 2012 in London, dass insgsamt 1930 Bewerbungen für Top Level Domains eingegangen sind. (Bild: Keystone/Tim Hales)

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Es ist ein historischer Schritt für das Internet: Die Netz-Verwaltung ICANN will künftig neue Endungen für Internet-Adressen zulassen. Neben .com und .ch könnten künftig Top Level Domains wie .reise oder .bern treten. Die Umsetzung wird aber noch Monate dauern.

1930 Bewerbungen für Top Level Domains (TLD) seien eingegangen, sagte ICANN-Chef Rod Beckstrom am Mittwoch in London - diese würden nun geprüft. Innerhalb eines Jahres könnten bis zu 1000 neue Endungen online verfügbar sein, sagte Beckstrom. Es sei ein «historischer Tag»: «Das Internet wird sich für immer verändern.»

.zuerich und .cartier

Auch einige Schweizer Unternehmen wollen sich ihren eigenen Platz im Netz sichern, darunter ABB, Pictet, Swatch und die UBS. Dies geht aus der publizierten Bewerberliste hervor.

Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont hat laut der Liste gleich mehrere Endungen wie .cartier, .montblanc oder .jewelry und .watches beantragt. Um die Endung .swiss bemühen sich sowohl die Eidgenossenschaft als auch die gleichnamige Fluggesellschaft. Der Kanton Zürich will sich die Endung .zuerich sichern.

Unter den Bewerbern sind zahlreiche internationale Unternehmen wie Apple, Microsoft, Fiat, Samsung und Zara. Eine eigene TLD wollen zudem Amsterdam, Paris und Tokio. Auch einige kuriose Endungen stehen in der Liste: Etwa das englische Wort «sucks» und die Abkürzung «lol», die Google haben möchte.

Nicht billig

Grundsätzlich kann jede Firma oder Institution eine Adressendung beantragen. Allerdings beträgt allein die Bewerbungsgebühr 185 000 Dollar, der Betrieb verschlingt noch höhere Summen.

Nach jahrelanger Diskussion setzt die ICANN damit die bislang grösste Ausweitung des Adressraums in der Geschichte des Internets um. Die nicht-kommerzielle Organisation beschloss 2011, nahezu beliebige Wörter als Top Level Domains (TLD) zuzulassen, neben Städte- und Firmennamen auch generische Begriffe wie .auto oder .reise (gTLD).

Im Januar begann die Bewerbungsphase. Derzeit gibt es neben den mehr als 200 länderspezifischen Endungen wie .ch für die Schweiz oder .us für die USA nur rund zwei Dutzend generische TLD, darunter .com, .info oder .edu.

Willkommene Erweiterung

Für viele Nutzer sind die Möglichkeiten für eine gute Präsenz im Netz inzwischen knapp geworden. Die Ausweitung auf TLDs wie .(markenname), .reise, .hotel oder .zuerich soll den Gestaltungsrahmen deutlich erweitern.

Ab Juli prüft die ICANN die ersten Anträge. Die Bewerber müssen verschiedene Bedingungen erfüllen. So dürfen sie keine Markenrechte verletzten und müssen bestimmte technische Anforderungen erfüllen. Ab Dezember will die Organisation erste Ergebnisse veröffentlichen. Da sich mehrere Bewerber um Endungen wie .baby, .hotel und .tennis bemühen, dürfte sich das Verfahren in diesen Fällen weiter hinziehen.

Die Ausweitung des Internet-Adressraums ist allerdings umstritten. Nach Ansicht der Internet-Expertin Jeanette Hofmann stehen mittlerweile aber kommerzielle Interessen im Vordergrund. «Anfangs ging es um mehr Vielfalt im Namensraum», sagte die Direktorin des Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin der Deutschen Presse-Agentur.

Einige Bewerber hätten jedoch hunderte Adressen beantragt. «Da stellt sich eine neue Industrie auf», bedauerte die Politikwissenschaftlerin. Vor allem den Inhabern von Markenrechten könnte die neue Vielfalt Probleme bereiten. Der Aufwand dürfte mit der Zulassung hunderter neuer Top Level Domains jedoch deutlich höher sein als im Moment.

(sda)