Plagiat

08. März 2011 16:59; Akt: 08.03.2011 17:03 Print

Kaum Kontrollen bei Doktorarbeiten

von Oliver Wietlisbach - Guttenbergs Plagiat war «2006 mit technischen Mitteln kaum erkennbar», sagt sein Professor. Schweizer Wissenschaftler bezweifeln dies.

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Mit Plagiats-Software können Copy-Paste Wissenschaftler überführt werden. An Schweizer Unis werden Doktorbeiten aber kaum geprüft. (Bild: Michael Sohn)

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Karl Theodor zu Guttenbergs Professoren sind in den letzten Tagen zusehends unter Druck geraten. Auf rund zwei Drittel aller Seiten seiner Doktorarbeit soll Guttenberg seine Quellen nicht ausgewiesen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, den Doktor-Titel hat ihm die Universität Bayreuth bereits abgesprochen - wie aber konnten die verantwortlichen Professoren seitenlanges Abschreiben übersehen?

Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle und Zweitgutachter Rudolf Streinz wehren sich in einer Stellungnahme gegen die Vorwürfe, sie hätten die Dissertation zu wenig geprüft. «Man sollte sich stets vor Augen halten, dass die Überprüfung von Dissertationen mit technischen Mitteln 2006 nicht üblich war und bis heute verbreitet (noch) nicht üblich ist. Zudem war die Erkennung von Plagiaten 2006 mit den seinerzeit vorhandenen technischen Mitteln kaum möglich.»

Plagiat-Software gibt es seit Jahren

Christian Sengstag von der Universität Basel kann die Rechtfertigung der Guttenberg-Professoren nur teilweise nachvollziehen. «Dass es 2006 keine Plagiats-Software gab, stimmt natürlich nicht. Ich war damals noch an der ETH Zürich und dort wurde über den Einsatz solcher Software diskutiert.» Es könne sein, dass die Programme damals noch nicht so ausgereift waren, aber selbst mit Google hätte man die kopierten Textstellen vermutlich gefunden. Unverständlich ist für Sengstag, dass den beiden Gutachtern die Stilbrüche nicht aufgefallen sind. «Guttenberg zitierte verschiedene Autoren ohne Quellenangabe. Da hätte man skeptisch werden müssen und ein paar Sätze mit einer Plagiats-Software oder Google überprüfen müssen.»

Ziemlich perplex reagierten denn auch Plagiatsjäger wie Debora Weber-Wulff, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin, als sie von der Professoren-Erklärung erfuhr: «Bei dem Ausmass des Plagiats hätte man beliebige Seiten aus der Dissertation Guttenbergs nehmen können und hätte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit etwas gefunden», sagte sie dem «Spiegel».

Sie testet seit fast zehn Jahren Plagiatssoftware und kommt immer wieder zu dem Ergebnis: Googeln bringt mehr. Bereits im Jahr 2003 schrieb sie in der Professoren-Zeitschrift «Forschung und Lehre» über die Jagd auf Plagiatoren: «Es ist keine besondere Software dafür notwendig, eine gute Suchmaschine wie www.google.de reicht, und etwas Geschick bei der Eingabe von Suchbegriffen.»

Doktorierende haben wenig zu befürchten

Dass es auf Stufe einer Doktorarbeit keine Plagiats-Kontrolle gab, scheint unverständlich, da sogar an manchen Schulen seit Jahren die Arbeiten der Schüler mit Programmen wie "Docoloc" geprüft werden. Es scheint, Schüler stehen unter Generalverdacht, während Doktorierende oft ein Vertrauensverhältnis zu ihrem Doktorvater haben und deshalb nicht so genau hingeschaut wird. «Es mag stimmen, dass Doktorarbeiten nicht systematisch mit Software überprüft wurden. Vor einigen Jahren wurde dies nicht als dringend erachtet», so Sengstag. Die Universität Basel setze beispielsweise am Englischen Seminar seit Jahren die webbasierte Plagiats-Software «Turnitin» ein, Doktorarbeiten seien aber bislang nur auf Verdacht hin kontrolliert worden. Würden Studenten beim Schummeln erwischt, führe dies je nach Schwere des Vergehens und abhängig von der Fakultät zur Ablehnung der Arbeit bis zum Verweis von der Uni.

An Schweizer Unis haben Doktoranden auch nach Guttenberg nicht allzu viel zu befürchten: «Nur an der Universität St. Gallen werden alle Arbeiten geprüft», sagt Urs Dahinden von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur. Das Prüfen sei zeitintensiv und die Professoren wollten wohl auch das Vertrauensverhältnis zu ihren Doktoranden nicht gefährden. Für Dahinden wäre es daher am sinnvollsten, konsequent alle Arbeiten zu prüfen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freaky am 08.03.2011 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Prüfung

    Bei uns wurden sogar alle SVA's in der Berufsschule mit Plagiatssoftware geprüft. und das wegen Logistikern ohne doktortitel....

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  • Peschä am 08.03.2011 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Professoren unter die Lupe nehmen

    Ich möchte ja zu gerne wissen, ob Guttenbergs Doktorvater wirklich nichts geahnt hat, oder jetzt bloss einen auf unschuldig macht. Abgesehen davon sollten Unis Software zur Prüfung am besten auch gleich den Studenten zur Verfügung stellen, damit diese selber vor der Abgabe prüfen können, ob sie ein Zitat vergessen haben.

  • Michi am 08.03.2011 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es müssen nicht alle geprüft werden.

    "Es wäre am sinnvolsten, konsequent alle Arbeiten zu prüfen." Ich finde diese Aussage nicht unbedingt zutreffend, denn es gibt genügent Fachgebiete in denen dies absolut unnötig ist. So ist eine Diss in einem naturwissenschaftlichen Fach oft eine Forschungsarbeit über etwas völlig neues, was zuvor noch nie jemand gemacht hat, und kann daher auch nicht wie das Guttenberg-Patchwork zusammenkopiert sein. Das "alle" sollte man also nur auf gewisse Fachrichtungen anwenden, in denen zusammenkopieren tatsächlich möglich ist. Dort dafür auf jeden Fall.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Student am 13.03.2011 07:17 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt jammer, wie die Politik..

    Müssen sich die deitschen Professoeren nun hinter einer Geschichte 'man konnte nicht...' verstecken um die eigene Unzulänglichkeit zu vertuschen? Wenn, dann hat das Ganze noch einen positiven Aspekt: es wissen heute Alle wie man zu Titeln kommt weil die Prüfung nicht stattfinden kann. Wie viele 'falsche' Professoren gibt es denn?

  • Logisch am 13.03.2011 07:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nachher sind alle Gescheiter...

    Komisch, Jetzt schreien alle wegen KT zu G. wieso? sind die gescheiten Herren Profs nicht in der Lage einen Diss-Schreiber zu beurteilen was und wie er es tut? Dann liegt der Fehler z.T. eben da. Und die Frage sei erlaubt: gibt es noch Themen in der Juristerei die nicht schon abgehandelt wurden ohne dass Schnittmengen entstehen? Im Nachhinein jammern ist immer gut, zeugt aber nicht von 'intellektuellem Vorgehen'.

  • Tobias Baumann am 08.03.2011 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Was zählt ist die Leistung

    und nicht das Diplom. Das ist doch eh nur ein Stück Papier, zwar mit Emotionen und Erinnerungen verbunden, aber eben doch nur ein Stück Papier. Klar ist es nicht in Ordnung Dinge einfach zu kopieren, aber was im Berufsleben schlussendlich zählt ist und bleibt die Leistung und nicht das Stück Papier.

    • Salvador Qulai am 09.03.2011 07:18 Report Diesen Beitrag melden

      Leistung / Qualtät / Konstanz / Innovation n. mess

      Schwachsinn...erklären sie das dem Interviewer beim Bewerbungsgespräch! Diplome und Zertifikate sind das Eintrittsticket. Leistung? Die Betriebe wissen heute noch nicht wie sie Leistung messen sollen, die Beurteilungen sind persönlicher Natur, das ist Fakt und Realität.

    • Rolf M. am 09.03.2011 08:44 Report Diesen Beitrag melden

      Von wegen "nur ein Stück Papier"

      Ich glaube, du hast keine Ahnung, was eine Dissertation ist. Da stecken die (ehrlichen) Doktoranden über eine lange Zeit verdammt viel Elan in eine Arbeit, dabei ist das Papier nur Zeuge von einer intensiven und langwierigen Beschäftigung mit einem Thema. Und wenn dann einfach Leute mit einem minimen Aufwand die Arbeit (ab)schreiben, mit Summa cum Laude und einem Regierungsposten belohnt werden, das ist mehr als beleidigend für jeden Doktoranden.

    • h huber am 10.03.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

      vergessen

      schon, aber nicht vergessen, dass man oft im Beruf die Leistung nur erbringen darf wenn man ein solches Papier hat. Ist also Betrug und dadurch wird es zu einer ungerechtfertigten Bereicherung.

    • Felix am 13.03.2011 07:08 Report Diesen Beitrag melden

      papier ist für den Einstieg nötig...

      solange die Witschaft sich selber auf 'Papierträger' abstützt kann jemand die Leisutng nicht zeigen solange er nicht dabei ist. Und die 'Leistung' die sich die Herren bezahlen lassen beruht nicht auf 'Papier' sondern auf Arroganz. Ergo: Papier und Vitamin B öffnet Türen, Leistung nicht.

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  • Michael Palomino (*1964) am 08.03.2011 20:51 Report Diesen Beitrag melden

    Gaukler und Kopierer

    Wenn alle Doktorarbeiten überprüft werden, dann wird sich in der hohen Politik und Wirtschaft noch so einiges bewegen. Und dann wissen wir, dass die Welt von Gauklern und Kopierern regiert wird.

    • bescheidener am 08.03.2011 22:16 Report Diesen Beitrag melden

      zivilcourage gegen blender zeigen

      ist leider so. ist woll auch weil die wirklich guten leute meist nicht so stark geltungssüchtig sind. um an die "spitze" zu kommen brauchts abnorme persönnlichkeiten. ist eigentlich erstaundlich das das akzeptiert wird. sollche die im rampenlicht sich sonnen wollen und das geniesen. chef sein wollen viele weil sie macht lieben und sich stark und gut fühlen, nicht wegen dem fachinteresse.

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  • Freaky am 08.03.2011 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Prüfung

    Bei uns wurden sogar alle SVA's in der Berufsschule mit Plagiatssoftware geprüft. und das wegen Logistikern ohne doktortitel....

    • Aaron Stahl am 09.03.2011 07:24 Report Diesen Beitrag melden

      Titel ohne substantielles Wissen bzw. Anwenden

      Kenne drei Kaderleute, einer zeigte mir sein Diplomarbeit zum dipl. Logistikleiter. Ich sollte sie gegenlesen. Staunend über den Inhalt, ein Thema das ich dem Verfasser nicht zugetraut hatte, gratulierte ihm, worauf er erwiderte dass er die Thematik aus dem Internet kopiert hatte und sie redaktionell etwas anpasste. Darauf hin sagten mir die beiden anderen es geht ja nur darum das Papier zu haben um Geld zu verdienen und Karriere zu machen.

    • Student am 13.03.2011 07:21 Report Diesen Beitrag melden

      ..und die Wirtschaft?

      .. ihr seid auch nicht Doktoranden in Deutschland - dafür haben die den Freipass für die lukrativen Managerjobs in der Schweiz! Tolle Wirtschaft hier... lieber 'Top Manager' als ausgebildete Leute'

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