Online-Überwachung

15. Juli 2014 21:33; Akt: 16.07.2014 11:09 Print

London arbeitet auf die totale Web-Kontrolle hin

Ob Abstimmungen oder Videos: Der britische Geheimdienst verfügt über mächtige Tools, um Online-Inhalte zu manipulieren. Das zeigen Dokumente aus dem Fundus von Edward Snowden.

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Der SItz des Geheimdienstes GCHQ in Cheltenham. (Bild: Keystone/Gchq / British Ministry of Defence / Handout)

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Der britische Geheimdienst GCHQ hat Programme entwickelt, um das Internet mit falschen Informationen zu überfluten. So besitze die Organisation etwa die Fähigkeiten, Online-Abstimmungen und Klickzahlen zu manipulieren, das Netz mit Propaganda zu schwemmen sowie Inhalte auf Videoplattformen zu zensieren. Das berichtet der US-Journalist Glenn Greenwald auf seiner Plattform The Intercept unter Berufung auf Unterlagen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden.

Die Programme sind demnach von einer Abteilung des GCHQ entwickelt worden und sollen überraschend gut funktionieren. Greenwald beschreibt die Tools als «einige der erstaunlichsten Methoden von Propaganda und Täuschung im Internet», die im Snowden-Archiv enthalten seien. Der Intercept-Bericht enthält eine detaillierte Auflistung der Programme.

NGO protestieren gegen Online-Überwachung

In den Unterlagen von Whistleblower Snowden sollen sich auch Details zur Operation Tempora finden. Mit Tempora fischen britische Geheimdienste demnach Kommunikationsdaten von Unterseekabeln ab. Von den britischen Behörden wurde die Existenz des Programms bislang nicht bestätigt.

Gegen diese Programme protestieren Menschenrechtsgruppen. Sie wollen in Grossbritannien die Online-Überwachung durch die Geheimdienste einschränken. Seit Montag überprüft das Sondergericht für Ermittlungsbefugnisse in London eine Klage von Organisationen wie Amnesty International, Liberty und der American Civil Liberties Union. Diese monieren, dass die Geheimdienste durch das Sammeln der Telekommunikationsdaten das Recht auf Privatsphäre und Meinungsfreiheit verletzten.

Cameron pocht auf Datenspeicherung

Noch in dieser Woche soll das Parlament über ein Notgesetz zur Speicherung von Telefon- und Internetdaten debattieren. Die Regierung von Premierminister David Cameron hatte das Gesetz letzte Woche eingebracht – als Reaktion auf eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshof vom April, wonach die bisherige Speicherung solcher Daten über zwei Jahre zu lang ist.

Cameron will nun eine Speicherung über ein Jahr erreichen. Andernfalls werden die Unternehmen in Kürze mit der Löschung von Daten beginnen, was die Verfolgung von Straftätern erschweren würde, wie er erklärte.

Die bisherigen Überwachungsprogramme sollten nicht ausgebaut werden, versprach Cameron. Kritiker werfen ihm dagegen vor, er versuche Aktivitäten zu legalisieren, die der Europäische Gerichtshof als illegal ansieht.

(ale/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michael Klein am 16.07.2014 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kann manipuliert werden

    Letztenende kann man nur noch dem vertrauen, was man selber und ohne einen Zwischenschritt gesehen oder gehört hat. Alles andere kann mitlerweilen manipuliert werden - Radiosendungen, Fernsehberichte, Printmedien und vor allem die Infos aus dem Internet. Darüber muss man sich im klaren sein. Und über die Beschwichtigung des Herrn Cameron kann man eigentlich nur lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

  • b.sp. am 16.07.2014 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wieso angst vor uns

    wieso hat der staat angst vor uns und will alles überwachen? was muss er vor uns verbergen, das wir nicht erkennen sollen? es heisst doch, das volk sei der souverän. stimmt das vielleicht ganz und gar nicht?

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  • skeptiker am 15.07.2014 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja natürlich nur in England...

    mich würde interessieren welche Länder das sonst noch machen, England wird wohl kaum das einzige sein...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • G. Orwell am 18.07.2014 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im falschen Film

    George Orwell würde sich im Grab umdrehn... Und das auch noch in seinem Heimatland! Die damalige Generation hätte das nie und nimmer erlaubt! Aber wahrscheinlich regen sich die Briten nur deshalb nicht auf, weil sie bereits vom Geheimdienst während der letzten paar Jahre auf die Überwachung hinmanipuliert wurden...

  • SAO am 17.07.2014 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Technik

    Ach wie schön dass uns die Technik so viel weiterbringt. Man kann sogar jemanden ( Standort ) dank seines iPhone orten. Etc etc etc. Komisch nur ein verschollenes Flugzeug mit hunderten Passagieren DASS kann man dann nicht finden! Hat sich wohl in Luft aufgelöst.

  • mannomann am 16.07.2014 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    NEMP

    Gab es da nicht mal einen Film in welchem schlussendlich ein NEMP, ein gigantischer Elektromagnetischer Puls, alles wieder auf den Stand der Dampfmaschine zurücksetzte. Mittlerweile kann man solche EMP mit herkömmlichen Sprengstoffen und Spulen erzeugen. Dann haben die alten Schellackplatten wieder Hochsaison, Man lernt wieder Briefe schreiben, und Freunde treffen sich am Waldrand zum Reden und Spielen. Strom was ist das? Man lebt wieder miteinander und nicht als vernetzter einsamer Internet Freak. Oder ist das nur ein Traum?

    • rene am 21.07.2014 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      atomstrom

      ein traum , leider .

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  • DirektorSkinner am 16.07.2014 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Fall für..

    ...Special Agent Fox Mulder und Diana Sculy.

  • Christian am 16.07.2014 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Fichen war gestern...

    "Die bisherigen Überwachungsprogramme sollten nicht ausgebaut werden, versprach Cameron." Heisst: ...aber neue Programme verwenden! Und noch das: Wie war das mit dem Fichenskamdal in der Schweiz? Zum Zwecke des Staatsschutzes! Lest einmal nach, wie "feindgesteuert" der schweizer Bürger damal war und wahrscheinlich noch ist! Deshalb muss der Staat immer auf der Hut sein. Nicht, dass sich noch Wahrheiten verbreiten und alle glauben die noch!