Eindringlinge

24. März 2011 16:54; Akt: 24.03.2011 17:09 Print

Massiver Hacker-Angriff auf die EU

Kurz vor einem wichtigen Gipfeltreffen in Brüssel informiert die EU über eine «ernste» Bedrohung aus dem Internet. Hatten allzu neugierige Beamte ungewollt ein Hintertürchen geöffnet?

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Die Europäische Union sieht sich zurzeit nicht nur durch die Proteste auf den Strassen Brüssels herausgefordert. Auch im Internet hat ein massiver Angriff stattgefunden. (Bild: Keystone)

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In Brüssel beraten ab heute die Staats- und Regierungschefs ein umstrittenes Paket gegen die Schuldenkrise. Derweil protestieren Tausende auf den Strassen und es laufen gewalttätige Ausschreitungen. Ebenfalls heute wurde eine Attacke aus dem Internet bekannt. Demnach sind die Mitarbeiter der Europäischen Union und der diplomatische Dienst der EU gezielt von Hackern angegriffen worden. Es seien bislang beispiellose Sicherheitsmassnahmen ergriffen worden, erklärte EU-Sprecher Antony Gravili. Man nehme den Angriff sehr ernst.

Laut einem Bericht von The Register sind Microsoft Exchange Server und andere Systeme betroffen. The Register will im Besitz von internen E-Mails sein, die nichts Gutes bedeuten. Demnach ist der Angriff zwar erst kürzlich entdeckt worden, tatsächlich sollen die Computer-Systeme aber bereits seit längerer Zeit kompromitiert sein. Möglicherweise sei es den Angreifern bereits vor Monaten gelungen, ins geschützte EU-interne Netzwerk einzudringen.

Der Angriff sei am Dienstag bemerkt worden und sehr zielgerichtet gewesen, sagte der EU-Sprecher. Einzelheiten nannte er nicht. Wegen des Angriffs seien aber einige Passwörter geändert und von aussen kommende E-Mails seien umgeleitet worden. Zugriffe auf das EU-Intranet von aussen seien eingeschränkt worden. Wegen der Art des Angriffs seien dieses Mal besondere Massnahmen ergriffen worden, sagte der EU-Sprecher.

Infizierte Bild-Dateien

The Register will erfahren haben, dass der Hacker-Angriff über einen Trojaner stattfand. Ein solches Schadprogramm könnte sich heimlich installiert haben, als ahnungslose Mitarbeiter infizierte Bild-Dateien auf ihren Computern öffneten. Laut Bericht soll inzwischen eine gross angelegte interne Untersuchung laufen, um die Ursache zu klären und den angerichteten Schaden zu bestimmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die EU Ziel eines Hacker-Angriffs wurde. In den vergangenen Monaten wurde etwa die französische Regierung angegriffen, in Zusammenhang mit dem G20-Gipfel in Paris. Spekulationen drehen sich erneut um einen von Chinas Staatsmacht gesteuerten Hacker-Angriff. Beweise für diese Theorie gibt es hingegen nicht.

(dsc/ap)