«Bing»

28. Mai 2009 18:16; Akt: 29.05.2009 10:23 Print

Microsoft will Google angreifen

von Henning Steier - Am nächsten Mittwoch wird die neue Suchmaschine der Redmonder an den Start gehen. Dies gab das Unternehmen heute auf dem Branchentreff «All Things Digital» im kalifornischen Carlsbad bekannt.

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Schon lange war darüber spekuliert worden, nun hat der IT-Konzern sie präsentiert: Die Seite «Bing» soll laut Microsoft eine «Entscheidungsmaschine» sein. Neben der klassischen Suchfunktion soll sie dem Nutzer bei Einkäufen und der Reiseplanung helfen. Ausserdem soll sie über Gesundheitsthemen informieren und Kunden örtliche Firmen präsentieren. In den nächsten Tagen soll nur noch marginales Feintuning vorgenommen werden. Die Bilder aus der obigen Galerie zeigen also höchstwahrscheinlich schon die finale Version, welche am 3. Juni allerdings nur in den USA verfügbar sein soll. Wann die endgültige Variante hierzulande nutzbar sein wird, dazu machte der Konzern bislang keine Angaben. Bekannt ist aber, dass Microsoft bis zu 100 Millionen Dollar in die begleitende Werbekampagne stecken soll. Das Unternehmen hat diese Zahl bislang zumindest nicht dementiert.

Weniger unbeantwortete Fragen

Laut der Mitteilung von Microsoft sollen drei Viertel der Suchanfragen nicht die Treffer liefern, welche die Nutzer brauchen. Mit Bing soll sich das ändern. Denn es soll mitunter nur noch ein Treffer angezeigt werden, der die Anfrage optimal beantworten soll. Microsoft nennt diesen «Best Match». Zudem soll eine «Quick Preview» genannte Funktion eine Vorschau der Treffer liefern, in der im Idealfall schon die benötigte Information enthalten ist, wie im Video zu sehen ist.

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Ermöglichen soll die neuen Features Technologie des US-Unternehmens Powerset, dessen Übernahmen Microsoft im Juli 2008 bekannt gegeben hatte. Die Firma ist auf semantische Suchtechnologien spezialisiert. Grob verkürzt verstehen Rechner die Bedeutung eines Satzes, den man eingibt.

Microsoft kündigte überdies an, aus «Bing» eine Marke zu machen, die weit mehr als das neue Suchportal umfassen wird. So wird beispielsweise der Kartendienst «Virtual Earth» in Zukunft «Bing Maps for Enterprise» heissen, aus «Live Search Maps» wird «Bing Maps». Auf die Frage, warum Microsoft sich für «Bing» entschieden habe, sagte Firmenboss Steve Ballmer, man habe nach einem Namen gesucht, der in keinem Land eine negative oder verwechselbare Bedeutung habe.

Google liegt weit vorn

Microsofts aktuelles Angebot «Live Search» war bislang nicht erfolgreich und wird daher durch Bing vollständig ersetzt werden. Laut den Marktforschern von comScore lag der globale Marktanteil Googles von März 2008 bis 2009 bei 62 Prozent. Yahoo kam auf 10,1 Prozent, der chinesische Anbieter Baidu.com verzeichnete 8,2 Prozent aller Suchanfragen. Microsoft belegte mit 2,8 Prozent den vierten Platz.

Neue Übernahmegerüchte

Ob mit der Vorstellung von «Bing» der Kauf von Yahoo endgültig aufgegeben wird, ist unklar. Im vergangenen Jahr hatte Microsoft 44,6 Milliarden US-Dollar für das Unternehmen geboten. Der Portalanbieter hatte die Offerte jedoch als zu niedrig abgewiesen. Auf der von der Zeitung Wall Street Journal veranstalteten Konferenz «All Things Digital» sagte Yahoo-Chefin Carol Bartz allerdings heute, die Übernahme sei keineswegs unmöglich. Microsoft müsse aber «wirklich grosse Bootsladungen Geld» mitbringen. Zudem sei es eine Frage der Technologie. Gespräche gebe es aber weiterhin.