Wegen Anti-Minarett-Initiative

30. November 2009 14:34; Akt: 30.11.2009 16:39 Print

Minarett-Hacker kapern 300 Webseiten

von Manuel Bühlmann - «In the name of Allah»: Cyberkriminelle sind in Schweizer Webseiten eingedrungen, um ihren Unmut über die Abstimmungsresultate auszudrücken. Die Betreiber haben Strafanzeige eingereicht.

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«No need to ban Mosque minarets and be pretty sure that islam will grow up all over the world!», schreiben die Hacker.

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Hacker konnten sich auf einen Firmenserver des in Spiez ansässigen Providers Bürki-Hosting Zugriff verschaffen. Über den Server werden rund 300 Websites betrieben, die alle von der Attacke betroffen sind. «Ich hoste diverse Webseiten, darunter befinden sich auch solche von politischen Parteien. Es handelt sich dabei um die Internet-Auftritte von Ortssektionen aus allen politischen Lagern, nicht nur von der SVP», erklärt Inhaber Olivier Bürki gegenüber 20 Minuten Online.

«In the name of Allah, the Most Gracious, the Most Mereiful»

Beim Öffnen der Seiten erschien anstelle des herkömmlichen Inhaltes eine Meldung der Hacker, die mit folgendem Satz endete: «Es gibt keinen Grund Minarette zu verbieten.» Das Ganze wurde gezeichnet durch «H4ck3d By r0ver for Wizardz». Zuvor wurde aus einer Passage des Korans zitiert, in der es um das Thema Toleranz geht.

«Momentan versuche ich herauszufinden, wie sie an die Zugangsdaten gelangen konnten. Es ist gut möglich, dass sie sich einer so genannten «Brute-Force-Attacke» bedient haben. Hier werden von Rechnern unzählige Zeichenkombinationen ausprobiert, bis das Passwort herausgefunden ist. Wenn dabei mehrere Hundert Computer involviert sind, dauert es nicht lange. Wie sie es schlussendlich genau bewerkstelligen konnten, ist mir bis zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht klar.»

KOBIK hat Ermittlungen eingeleitet

Wieso gerade einer seiner Server gehackt wurde, kann sich Bürki nicht erklären, zumal er politisch nicht engagiert ist. «Ich habe Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht und das KOBIK (Schweizerische Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität) hat bereits damit begonnen, die Log-Dateien zu untersuchen», sagt er. Zurzeit ist Bürki damit beschäftigt, das Backup auf die Server zu überspielen. Ob und wie lange er damit online bleiben kann, wird sich zeigen.