Velostadt

22. Januar 2019 11:35; Akt: 22.01.2019 11:35 Print

Bikesharing-Daten können Städte sicherer machen

In den USA hilft Limebike Städten, die Veloinfrastruktur zu verbessern. Hierzulande dagegen setzt man bisher auf eigene Erhebungsmethoden.

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Die Heat-Map des Bikesharing-Unternehmens Limebike zeigt, wo ihre Velos unterwegs sind. Strassen in kräftigem Rot sind besonders oft befahren. Je blässer eine Strasse, desto weniger wird sie von Limebike-Kunden genutzt. Im Gegensatz dazu sind die Velozählstellen der Stadt Zürich an fixen Orten platziert und registrieren die Anzahl Velofahrten mittels im Boden eingelassener Induktionsschlaufen. Die Daten werden täglich per Funkverbindung an einen Server geschickt. Publibike dagegen kann keine Daten darüber liefern, welche Wege von den Velos der eigenen Flotte besonders oft genutzt werden. Da es ein stationäres System ist, existieren lediglich Angaben über Anfangsstation und Endstation, nicht aber über den zurückgelegten Weg. Um auch die Strecke zwischen Start- und Zielpunkt aufzeigen zu können, braucht es ein Ortungssystem wie GPS. GPS steht für Global Positioning System und ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung. Entwickelt wurde es in den 1970er-Jahren vom US-Verteidigungsministerium (im Bild). 1995 wurde GPS für die Öffentlichkeit freigegeben und ist seither auch im zivilen Bereich nutzbar. Heute sind GPS-Empfänger in nahezu jedem Smartphone verbaut. Das GPS-System besteht aus drei Hauptkomponenten: Satelliten im Weltraum, Bodenstationen als Kontrollsegment und GPS-Empfängern (wie sie zum Beispiel in Navigationssysteme eingebaut sind). Das Ortungsprinzip geht so: Satelliten senden ihre Position und Uhrzeit laufend zur Erde. Der Empfänger berechnet die Entfernung zu allen Satelliten, deren Signale er empfängt, und ermittelt daraus seine Position auf der Erde. Die Standortbestimmung ist umso genauer, je mehr Signale von Satelliten empfangen werden können. Eine eindeutige Standortbestimmung benötigt mindestens vier Satellitensignale. Durch diesen ständigen Abgleich mit der Position zu den Satelliten ist es möglich, die zurückgelegten Routen der Velofahrten aufzuzeichnen und so beliebte und weniger genutzte Strassen zu erkennen, wie es Limebike macht. Was aber nicht mit GPS-Messungen aufgedeckt werden kann, sind Unfälle, brenzlige Situationen, Gefahrenherde und Orte mit unklaren Velowegen. Deshalb hat die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich zusammen mit der ETH im Rahmen einer studentischen Masterarbeit Daten zu Velounfällen, Beinahe-Unfällen sowie deren Einflussfaktoren in der Stadt Zürich erhoben. «Daraus können dann allenfalls Unfallverhütungsmassnahmen abgeleitet sowie Örtlichkeiten mit mangelhaften Verkehrssicherheitsverhältnisse eruiert werden», sagt Heiko Ciceri, Kommunikationsverantwortlicher der Dienstabteilung Verkehr. Dieser Aufgabe geht auch Bikeable.ch nach. Die Plattform möchte die Infrastruktur fürs Velofahren sicherer und attraktiver gestalten. Gemäss Stadt Zürich werde zurzeit abgeklärt, inwiefern solche GPS-Daten von Veloverleihern wie Limebike oder Publibike in die Stadtplanung miteinbezogen werden können.

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Viele Bikesharing-Unternehmen sammeln mithilfe von Ortungsdiensten Streckendaten. Das kommt nicht bei allen gut an. Das Ganze hat aber auch eine positive Seite: Diese Daten könnten Städte dazu verwenden, um ihre Strassen, deren Sicherheit sowie ihre Infrastruktur zu verbessern.

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Ein erfolgreiches Beispiel ist die Stadt South Bend im US-Bundesstaat Indiana. Die Stadtplanung benutzt solche Bikesharing-Daten, um zu erkennen, wo sie bestehende Velowege besser schützen und wo sie neue bauen lassen soll. Im Fall von South Bend stammen die Daten von Limebike, einem Start-up aus dem Silicon Valley.

Mit GPS-Daten zu besserer Infrastruktur und Sicherheit

Seit Dezember 2017 ist Limebike auch in Zürich aktiv. Das Bikesharing-System, das seit Juni 2018 auch Elektro-Trottinetts anbietet, funktioniert ohne fixe Station. Mithilfe einer App können Nutzer sehen, wo sich freie Velos befinden, sie ausleihen und wieder abstellen, wo sie wollen. Möglich macht dies die Standortbestimmung mittels GPS. Aufgezeichnet werden neben den Standorten auch Daten zur zurückgelegten Strecke.

Diese Daten hat Limebike der Stadtplanung der Stadt Zürich im Januar 2018 angeboten, mit dem Ziel, die städtische Fahrradinfrastruktur und Verkehrssicherheit zu erhöhen. «Bislang haben wir aber noch keine Antwort von der Stadt erhalten», sagt Estuardo Escobar, Schweiz-Chef von Limebike.

«Die Bedeutung von räumlichen Daten wird zunehmen»

Bei der Stadt Zürich heisst es, das Angebot von Limebike sei zur Kenntnis genommen, aber nicht vertieft worden. Evelyne Richiger, Leiterin Kommunikation des Tiefbauamts, sagt: «Wie zurzeit auch mit anderen Veloverleih-Anbietern müssen wir mit Limebike konkretisieren, um welche Daten es sich handelt und wie wir diese nutzen könnten.» Zurzeit setze man auf die Daten aus der automatischen Velozählung. Dieses städtische System zählt an 24 fixen Standorten die vorbeifahrenden Velos. So werden an der Langstrasse pro Tag durchschnittlich 8000 Velofahrten aufgezeichnet.

Diese Daten würden dem Controlling von Stadtverkehr 2025 und dem Masterplan Velo dienen. Aber «die Bedeutung von räumlichen Daten und gesamtverkehrlichen Erhebungen in der Verkehrsplanung wird weiter zunehmen», sagt Richiger. Mit räumlichen Daten sind beispielsweise Start- und Zielorte sowie gewählte Routen gemeint. Also genau solche Daten, die Limebike sammelt.

Publibike will umrüsten

Neben Limebike gibt es noch ein weiteres Bikesharing-Unternehmen in der Stadt Zürich: Publibike. Im Gegensatz zum amerikanischen Start-up sammelt das Schweizer Unternehmen aber keine Daten via GPS. «Man kann nur erfassen, wer wo ein Velo ausgeliehen und zurückgegeben hat; die Fahrt kann man nicht aufzeichnen», erklärt Katharina Merkle von der Medienstelle Postauto/Publibike.

Da die Leihvelos nur an Stationen ausgeliehen und abgestellt werden können, sei das Tracking der Flotte nicht prioritär gewesen. Eine Ortungsfunktion für sämtliche Velos befinde sich gemäss Merkle aber im Moment in Entwicklung. Darüber ist auch die Stadt Zürich informiert. «Das Trackingsystem wird Publibike und dem Partner vor Ort einzig dazu dienen, die Velos aufzufinden, die nicht ausgeliehen sind und nicht in einer Station stehen», erklärt Richiger. Publibike wird der Stadt Zürich ebenfalls anonymisierte Daten aus den Ausleihen zur Verfügung stellen. Welche das genau sein werden, klären die Stadt und Publibike zurzeit noch ab.

(vhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jayjay am 22.01.2019 12:16 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Naja diese Daten wiederspiegeln hauptsächlich das Verhalten von Touristen und nicht von ZürcherInnen welche täglich mit dem eigenen Fahrrad unterwegs sind. Deshalb macht es möglicherweise Sinn diese Daten ergänzend zu verwenden, jedoch nicht als Hauptquelle da sie nicht das "altägliche" Verhalten wiederspiegeln.

  • Daisydream am 22.01.2019 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    S Füfi und s Weggli

    Wo sind denn nun die lauten Stimmen, die immer vor einem Überwachungsstaat warnen. Dieser Veloverleih sammelt Daten von Nutzern: wo man das Bike abgeholt hat, zu welcher Uhrzeit, wo man durchgefahren ist, wann und wo man es wieder abgestellt hat. Kameras will man nicht, aber dieses Datensammeln und auch noch verkaufen ist egal?

  • Tim am 22.01.2019 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fakt

    Bei uns brauchts das nicht, fahren sowieso alle Velos dort wo man nicht darf.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • P. Roth am 23.01.2019 23:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrsregeln beachten

    Es würde viel mehr bringen wenn die Velofahrer endlich die Verkehrsregeln einhalten. Man sieht immer wieder Fahrer die über rot fahren sowie Füssgänger gefährden indem sie auf dem Trottoir fahren. Hinterher wird dann auch noch rumgemotzt dass man ihnen zu wenig Platz auf der Strasse lässt. Es braucht endlich härtere Strafen für Velofahrer und konsequentere Kontrollen.

  • SchLime am 22.01.2019 23:18 Report Diesen Beitrag melden

    Alles SchLime

    Bisher machen die schlechten Fahrer dieser Limevelos und -trottis die Stadt eher weniger sicher. Zudem ist es unehrlich, wenn eine gewinnorientierte amerikanische Firma davon spricht, "den Staedten zu helfen."

  • oh yeah am 22.01.2019 21:42 Report Diesen Beitrag melden

    Tempolimit kontrollieren und büssen

    Tempolimit der Velofahrer kontrollieren und die Raser büssen

    • CaptainLonestarr am 23.01.2019 05:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @oh yeah

      Ist wohl das kleinste Problem mit Velofahrern. Geradeaus schaffen die wenigsten über 30 kmh, abwärts sind sie manchmal schneller. Rotlichter sind da eine ganz andere Sache. Sage ich als Gümeler

    einklappen einklappen
  • Linus am 22.01.2019 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich super

    Alle Velos sollten GPS-Tracking haben. So kann man den Velorowdies gleich mal eine Rechnung oder Strafverfahren schicken. Licht in die Grauzone, weg mit der Veloanonymität, vorwärts so!

    • Panta Rhei am 22.01.2019 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Linus

      Gerne - wenn das für alle Strassenbenutzer gilt!

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  • popi am 22.01.2019 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Infrastruktur verbessern, na klar

    Die Glorreiche überbezahlte Erkenntnis aus der Studie, die folgen wird heisst: Legt ein paar Strassen für die Velofahrer still. Das sird dann auch durchgeboxt, weil grün... und Autofahrer ja immer die Leidtragenden sind... Dumm ist nur, dass dann einige Geschäfte halt auch weniger Kunden haben werden, aber das wird nicht Teil der Studie sein.