Am Telefon

09. Juli 2019 15:27; Akt: 09.07.2019 15:48 Print

Betrüger gibt sich als Chef aus und klaut Millionen

Betrüger fälschen Stimmen und machen so hohe Beute. Sie geben sich am Telefon als CEO aus und lassen Millionen transferieren.

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Es ist eine fiese Betrugsmasche, die Unternehmen teuer zu stehen kommt. Cyberkriminelle fälschen mit spezieller Technologie die Stimmen von CEOs. Dann rufen sie die Finanzkontrolleure an und bringen sie dazu, hohe Summen zu überweisen.

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Die Sicherheitsfirma Symantec hat laut der BBC Kenntnis von drei solchen Fällen. Der Trick werde genutzt, um Millionen Franken zu entwenden, heisst es. Firmennamen werden in dem Bericht keine genannt.

Mit Daten füttern

Zum Einsatz kommen sogenannte Deepfakes. Das System, um die Stimmen der CEOs zu kopieren, wird erst mit massenweise Daten gefüttert. Das Material stamme meist von den Firmen selbst, sagt Symantec. Dies können Videos, Präsentationen oder Anrufe sein, wo der CEO zu hören ist, die auf deren Websites verfügbar sind.

All dies könne für die Betrüger nützlich sein, um eine Stimme zu fälschen, erklärt Chief Technology Officer Hugh Thompson von Symantec gegenüber der BBC. Das Ergebnis sei fast perfekt, sagt er. Und: Wenn es Silben gebe, die nicht überzeugen, würden diese mit Hintergrundgeräuschen am Telefon maskiert.

Teures Training

Im Gegensatz zu Video-Deepfakes ist es verhältnismässig einfach, Audio-Fakes zu erstellen. Es sei aber dennoch eine beträchtliche Investition an Zeit und Geld vonnöten, um gute Audio-Fakes zu produzieren, erklärt Alexander Adam, Datenwissenschaftler bei der Londoner Firma Faculty, der BBC. Das Unternehmen hat sich auf künstliche Intelligenz spezialisiert.

Ein solcher Audio-Fake kann umgerechnet Tausende von Franken kosten. «Das liegt daran, dass man viel Rechenleistung benötigt, um die Stimme wirklich realistisch klingen zu lassen. Unser Ohr hört feine Fehler nämlich sehr schnell», erklärt Adam. Laut dem Experten sind mehrere Stunden Ausgangsmaterial notwendig, um Rhythmus, Intonation und Sprachmuster einer Stimme zu faken.

Photoshop für die Stimme

Der Software-Entwickler Adobe hat 2016 ein Tool präsentiert, das den aufwendigen Prozess vereinfachen soll. Das Programm Voco ist eine Art Photoshop für Stimmen. Auf der Bühne wurde gezeigt, wie gesprochene Sprache einfach per Texteditor geändert werden kann. Als Grundlage wird nur 20 Minuten Audiomaterial benötigt. Schon damals warnten Experten vom Missbrauchspotenzial eines solchen Tools. Veröffentlicht wurde die Software bis heute nicht.


(Video: Youtube/Adobe Creative Cloud)

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ben am 09.07.2019 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Welt

    Naja, was für ein Finance Chef überweist uh Summen an Geld, ohne dies zu hinterfragen, besonders noch am Telefon. Bei uns in der Firma wollen die alles schriftlich, nur zum sich abzusichern!

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  • Olie P. am 09.07.2019 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klar ist ..

    wer nur per Telefon hihe Summen überweist ist selber Schuld (oder mit von der Partie).

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  • Geldgeier am 09.07.2019 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdig und eingeweiht

    Also dieser Finance Chef ist doch eingeweiht. Ich habe mich gerade gestern für 1.40 Fr. für Samples eine halbe Stunde rechtfertigen und die Versuchsergebnisse davon vorlegen müssen. Da scheint es mir sehr unwahrscheinlich, dass telefonisch so viel Kohle verschoben wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Facepalm am 10.07.2019 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymus? :o

    Wenn man das Im Robin Hood Stil durchziehen würde wäre das ja mal richtig geil.

  • Karl Ranseyer am 10.07.2019 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Auch dieses Beispiel

    gehört zum "social engineering" und trifft vor allem die, die "nichts zu verbergen haben". Leider immer noch ein sträflich vernachlässigtes Thema im "Neuland".

  • Päde am 09.07.2019 21:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr seltsam

    CEO ruft Finanzkontrolleure an? Was bitte schön sind Finanzkontrolleure Leute? Es gibt einen CEO oder CFO in einer Firma. Finanzkontrolleure gibt es wohl beim Staat, die von der Finanzkontrolle. Zudem sind Überweisungen in Millionenhöhe sicher mit mehreren Unterschriften zu bestätigen und zudem haben auch Firmen eine Abzugslimite bei der Bank, die nicht so ohne weiteres überschritten werden kann. Da braucht es eine Kündigungsfrist.

  • Dr. Diego Sindona am 09.07.2019 19:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fake News

    Wieder mal eine gefälschte Meldung. Hohe Summen werden NIE ohne schriftlichen Auftrag ausgeführt, niergends. Ausser der Chef mit Einzelunterschrift. In dem Fall; Betrug.

  • Rozi am 09.07.2019 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Düsentrieb

    Genau deshalb finde ich diese Digitale Welt nur traurig. Immer mehrBetrüger nisten sich im Netz ein. Jetzt trifft es die Firmen ja vielleicht merkt dann doch Jemand das man sich immer noch zuerst in die Augen sehen sollte bevor mann Geld aus der Hand gibt. Um was dreht es sich in unserem Alltag nur noch um Geld und Digitaler Welt. Handschläge vermeiden lieber hinter der Mailwand sitzen . Klar gab es und wird es immer Gauner und Betrüger geben das ist der Menschheit in die Wiege gelegt worden. Aber die neue Schnelligkeit mit Digitalem Antrieb macht Angst.