Roaming-Gebühren

03. Mai 2012 18:29; Akt: 04.05.2012 13:49 Print

Musterknabe Swisscom erhält Prügel

Wenn Swisscom-Kunden in der EU zum Handy greifen, müssen sie ab Juli weniger bezahlen. Doch die Ankündigung des grössten Schweizer Mobilfunk-Anbieters stösst nicht auf grosse Begeisterung.

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Ob in Spanien oder an einem anderen europäischen Strand: Die Roaming-Gebühren sind seit Jahren eine Ferienfalle. (Bild: Keystone/Archivbild)

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Die Swisscom senkt per 1. Juli die Gebühren für die mobile Datenübertragung in EU-Ländern. Davon profitieren nicht nur die Abonnenten, sondern auch die Prepaid-Kunden. Neu steht ein Wochenpaket mit 50 Megabytes (MB) zur Verfügung. Aus Sicht der Konsumenten sei dieser Schritt zwar zu begrüssen, schreibt der Internet-Vergleichsdienst Comparis in einer Mitteilung. «Dennoch sind die Roaming-Gebühren weiterhin stark überteuert, wie die weitaus günstigeren Tarife von Anbietern im Ausland zeigen.»

Der grösste Mobilfunk-Anbieter der Schweiz verabschiede sich endlich von einem Datenpaket, das klar am Bedürfnis der meisten Smartphone-Kunden vorbeiziele, schreibt Comparis: Für 24 Franken konnten auch schon bisher 50 MB Daten heruntergeladen werden - aber bloss während 24 Stunden. Neu kann die gleiche Datenmenge während einer ganzen Woche heruntergeladen werden. Zum gleichen Preis. «Damit dürfte das Datenpaket der Swisscom für viele Kunden der interessanteste Tarif fürs Surfen in EU-Ländern sein.»

Das Swisscom-Angebot ist laut Comparis besonders für Leute interessant, die eine Woche in die Ferien fahren und in dieser Zeit nicht auf das mobile Internet verzichten möchten. Sie können ihr Smartphone viel flexibler nutzen als bisher, weil sich das Datenpaket auf die ganze Woche aufteilen lässt.

Vergleich mit der Deutschen Telekom

In ihrer eigenen Medienmitteilung findet die Swisscom lobende Worte. Als einzige Schweizer Anbieterin habe Swisscom seit 2006 die Roaming-Preise regelmässig gesenkt – um bis zu 80 Prozent. Das vermag den Telekom-Experten von Comparis, Ralf Beyeler, nicht zu überzeugen. «Die Swisscom könnte durchaus einen Schritt weiter gehen», hält er fest. Denn die Roaming-Gebühren für den Datentransfer seien weiterhin stark überteuert.

Der Vergleich mit Anbietern in anderen Ländern zeige, dass mehr möglich sei. Die Deutsche Telekom zum Beispiel biete ihren Kunden fürs Surfen im europäischen Ausland ein Paket an, bei dem für umgerechnet rund 18 Franken während einer Woche 100 MB Daten heruntergeladen werden können. Ist diese Menge aufgebraucht, verlangsamt sich einfach die Surfgeschwindigkeit, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Ein solches Angebot habe Swisscom noch immer nicht.

Alternative: Lokale SIM-Karte oder Tagespaket

Das Fazit von Comparis fällt ernüchternd aus: Trotz des neuen Tarifs dürfte es Swisscom-Kunden in vielen Fällen günstiger zu stehen kommen, in den Ferien eine Prepaid-Karte eines lokalen Anbieters zu kaufen und diese ins Handy einzusetzen. Wer sich diese Mühe nicht machen wolle, für den empfehle sich, mit dem Smartphone oder Tablet keine Dienste zu nutzen, die viele Daten übertragen. «Videos, Musik und Multimedia sollten tabu sein, wenn man sein Ferienbudget nicht überstrapazieren möchte - oder man nutzt das WLAN des Hotels.» Und wer bloss ein paar Tage verreise, fahre mit einem Tagespaket der Swisscom unter Umständen günstiger.

«Ein Riesenärgernis»

Für Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) sind die Schweizer Roaming-Gebühren «ein Riesenärgernis». Ein Abkommen mit der EU müsse so schnell wie möglich ausgehandelt werden, auch wenn das sicher nicht einfach sei. Im grenzübergreifenden Telefonverkehr müsse die Schweiz mit den umliegenden Ländern gleichgestellt werden. «Wir werden weiter Druck machen», sagte die SKS-Geschäftsleiterin gegenüber 20 Minuten Online. Insbesondere Marktführerin Swisscom habe es wohl alles andere als eilig, sich einer gesetzlichen Regelung zu beugen. Es gehe dem Unternehmen vielmehr darum, seine starke Position zu zementieren, vermutet die Konsumentenschützerin.

(dsc / pd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger am 03.05.2012 19:02 Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl / Abriss auf der ganzen Linie

    Abriss auf der ganzen Linie! Schaut mal die Preise im Ausland an. All-Flatrate für sFr. 15.--.... Bei uns mindestens das 8-fache!

  • moep am 03.05.2012 21:14 Report Diesen Beitrag melden

    Swisscom auch so noch zu teuer

    Verglichen mit den Kosten der Provider sind die Kosten für die Konsumenten um mind. Faktor 10 zu hoch. Diejenigen die behaupten die Löhne müssten mit den Preisen sinken haben entweder keine Ahnung oder besitzen Telekom Aktien. Ein SMS kostet seit 15Jahren 20Rp... das sollte eher mal ein Denkanstoss sein. Die Mobilfunk Infrastruktur ist nicht wesentlich teurer als die Hausanschlüsse. Bei letzteren gibt es aber schon seit Jahren unlimitierte Abos für einen Bruchteil des Preises

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  • Handyman am 04.05.2012 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Kostenfalle

    Die eigentliche Kostenfalle ist doch das die Geschwindigkeit danach nicht gedrosselt wird. Das darf einfach nicht sein. Ob Inland oder Ausland. Die Roaminggebühren sind dennoch zu hoch. Der hiesige Anbieter müssen ja nur die Beträge verbuchen. Investitionskosten haben sie ja keine in der ausländischen Infrastruktur. Von daher sind die Argumente guter Service etc. völlig aus der Luft gegriffen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • nicht Nutzer im Ausland am 04.05.2012 21:17 Report Diesen Beitrag melden

    Immer nur am motzen

    Senkt jemand die Preise wird gemotzt, erhöht jemand die Preise wird noch viel mehr gemotzt. Lasst doch das Telefon daheim wenn es euch zu teuer ist. Schon mal drüber nachgedacht, dass wir in der Schweiz mehr für die Miete, für Lebensmittel, für jegliche Artikel zahlen wie unsere EU Nachbarländer... Manche Menschen kann man nie zufriedenstellen, würde Swisscom oder Orange oder Sunrise sagen das neu das Roaming gratis ist, würd es auch wieder welche geben die motzen blablabla

  • David am 04.05.2012 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt wend er en Pokal?

    Jaja die Swisscom. Solche Meldungen können Sie sich sparen, solange wir noch immer völlig überrissene Preise zahlen... Liebe Swisscom was wollt ihr nun von euren Kunden hören? Juhui ich bin endlich nur noch beim zweitteuersten Mobilfunkanbieter der Welt unter Vertrag! Danke liebe Swisscom, dass ihr auf 5 Millionen eurer 3-stelligen Millionengewinne verzichtet! Ihr seid zu gütig! :)

  • Sandro am 04.05.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich...

    Endlich ist Swisscom in einer Sparte günstiger als die Konkurenz. Doch eigentlich sollte doch der Grösste auch mit den kleinsten Preisen werben. Schon mal davon gehört "wir machens mit der Masse"? Swisscom hätte eigentlich die Masse! Soll uns dass jetzt glücklich machen? Ich bin ja nicht 365 Tage im Ausland. Die Roaming-Gebühren könnte Swisscom von mir aus 3x so teuer machen wie die Konkurenz. Aber die CH-Gebühren sollten endlich mal unter die Konkurenz sinken. Da lässt sich wahres Geld sparen. Erst dann kriegt Swisscom eine Lob von mir. Also mich haben sie immernoch nicht als Kunde gewonnen

    • mr.dbase am 04.05.2012 21:10 Report Diesen Beitrag melden

      5000 min Gratis

      Ich telefoniere 5000 min. Gratis in jedes Netz mit Swisscom Fixnet und vom Mobile telefoniere ich für 50 Rp. /Std. in alle Swisscom Handy und im eigenen Verbund Gratis. Ist doch was, oder nicht, oder wohl, oder doch? Für das Internet unterwegs habe ich ein Prepaid von Sunrise Fr. 7.50/Monat inkl. 250 MB. ohne Grundgebühr. (Ipad)

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  • Tigger am 04.05.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Krass finde ich, dass...

    ...man in der Schweiz maximal einen Radius von 150km hat, wo man den normalen Tarif hat und ausserhalb wird es unglaublich teuer. Vergleicht man mit Deutschland, da hat man viel mehr Auslauf zum normalen Tarif!

  • Alberto am 04.05.2012 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht noch günstiger -> Vodafone

    Es geht noch günstiger--> Vodafone Ich nutze als Grenzgänger Vodafone und zahle für 50MB/Woche 5 Euro. Ich finde das fair.