Formel gegen Trolle

20. April 2015 14:57; Akt: 20.04.2015 15:19 Print

Nach fünf Posts ist der Internet-Pöbler enttarnt

Forscher haben einen neuen Algorithmus entwickelt, der Trolle bereits nach fünf Wortmeldungen erkennt. Die Luft für Provokateure wird dünn.

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US-Forscher haben einen neuen Algorithmus entwickelt, mit dessen Hilfe effektiv gegen Online-Provokateure vorgegangen werden kann. (Bild: 20 Minuten)

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Wissenschaftler der Universitäten von Cornell (New York) und Stanford (Kalifornien) haben während anderthalb Jahren 35 Millionen Online-Posts von insgesamt zwei Millionen Nutzern in verschiedenen Foren untersucht. Dabei stellten sie fest, dass sich Trolle, also Nutzer, die nur darauf aus sind, andere zu beleidigen oder zu diskreditieren, ganz anders verhalten als normale Foren-User.

So verwende ein Troll in einem Kommentar viel seltener Wörter, die auf einen positiven Gemütszustand deuten würden, wie die Wissenschaftler um Justin Cheng (Stanford University) und Cristian Danescu-Niculescu-Mizil (Cornell University) in den Forschungsergebnissen schreiben.

«Trolle nicht füttern» bringt nichts

Weiter berichten die Forscher, dass Trolle auf ihre Kommentare nachweislich mehr Antworten erhalten würden als gewöhnliche Kommentarschreiber. Womit nachgewiesen zu sein scheint, dass die gängige Experten-Aufforderung, auf Online-Belästigungen nicht zu reagieren («Trolle nicht füttern»), bei den Nutzern nicht angekommen ist oder nicht befolgt wird.

Ausserdem kommen die Wissenschaftler zum Schluss, dass sich ein Troll um einiges länger in einem Beitragsstrang (Thread) aufhält als ein gewöhnlicher Nutzer.

Nach fünf Posts entlarvt

Der nun von den Forschern aufgrund dieser Erkenntnisse entwickelte Algorithmus macht die meisten Trolle schon nach fünf Wortmeldungen erkennbar, wobei die Genauigkeit bei 80 Prozent liegt. Nach zehn Postings erhöht sich die Präzision des Algorithmus um weitere zwei Prozentpunkte. Genug, damit Foren-Betreiber künftig technische Hürden gegen Online- Pöbler einbauen könnten.

Allerdings warnen die Forscher vor zu viel Aktionismus im Umgang mit dem neuen Algorithmus seitens der Foren-Moderation. Wer zu restriktiv gegen Trolle vorgehe, ziehe die Online-Provokateure umso stärker an.

Dennoch könnte der neue Algorithmus zur wirksamen Waffe im Kampf gegen Hasstiraden und Provokationen im Internet werden – unabhängig davon, ob der Troll als Privatperson agiert oder als Teil einer staatlichen Trollfabrik, wie sie beispielsweise der Kreml unterhält.

(pst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MB 420 am 20.04.2015 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzen

    Ob das was bringt ist fragwürdig. Denn es wird immer eine Lösung geben, Algorithmen zu umgehen. Ebenfalls ist das Internet frei für alle Meinungen. Beschränkungen dadurch bringen wenig.

    einklappen einklappen
  • Frank B. am 21.04.2015 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ursache WiFi?

    Das liegt sicherlich nur an diesen Internet-Handys und WiFis! Früher hatten diese Trolle unter ihren Brücken gar keinen Zugang zum Internet.

  • Rafael am 20.04.2015 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Was ist denn Trolling genau? Ich (30 Jahre), fühle mich immer extrem stark getrollt, wenn irgendjemand wieder so ein peinliches My-Little-Pony Smiley/Bild einfügen muss. Ist es auch Trolling wenn etwas gefragt wird, was man in der Suchfunktion bereits 8593 mal finden würde? Oder ist das dann einfach nur Spam? Und wann war man nochmals ein Flamer? Und weshalb findet man ein Video-Bombing von David Beckham gut und amüsant den Troll aber als Plage? Mhmh

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 21.04.2015 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nur so geht es

    Es gibt nur ein Mittel um Trollen effektiv zu unterbinden: Anonymität im Internet muss in gewissen Foren komplett verschwinden. Account wird mittels ID (Kreditkarte oder anderes) überprüft. Erst dann hat man ein freies Forum von Trollen. Die Trolle sind ja bekannter weise nur mutig, solange sie sich anonym fühlen. Danach gezielte Strafverfolgung bei Drohungen. Kommt gerade in Spielen nicht selten vor.

  • Frank B. am 21.04.2015 06:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ursache WiFi?

    Das liegt sicherlich nur an diesen Internet-Handys und WiFis! Früher hatten diese Trolle unter ihren Brücken gar keinen Zugang zum Internet.

  • Hans Knecht am 20.04.2015 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Fraglicher Nutzen

    Die Idee klingt gut, nur wird dann mit der Zeit wohl das selbe passieren wie bei den Vorstellungsgesprächen oder der Psychoanalyse; die betreffende Person passt ihr Verhalten an die Algorithmen an so dass sie nicht als Narizist oder ungeeigneter Stellenkandidat in betracht gezogen wird.

  • Rafael am 20.04.2015 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt?

    Was ist denn Trolling genau? Ich (30 Jahre), fühle mich immer extrem stark getrollt, wenn irgendjemand wieder so ein peinliches My-Little-Pony Smiley/Bild einfügen muss. Ist es auch Trolling wenn etwas gefragt wird, was man in der Suchfunktion bereits 8593 mal finden würde? Oder ist das dann einfach nur Spam? Und wann war man nochmals ein Flamer? Und weshalb findet man ein Video-Bombing von David Beckham gut und amüsant den Troll aber als Plage? Mhmh

  • Benjamin am 20.04.2015 15:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinnlose studie

    hauptsache es wurde irgend etwas geforscht. Aber so laufen leider die amerikanischen Uni-Rankings. Nur die Anzahl der Veröffentlichung und nicht deren Qualität werden bewertet. Und das ganze nur um Semesterkosten von bis zu 50k USD zu rechtfertigen.