Peering-Vertrag

22. März 2016 15:41; Akt: 22.03.2016 15:54 Print

Netflix-Probleme – Swisscom gibt nach

Tausende Swisscom-Kunden konnten ihr Netflix-Abo seit Tagen wegen Streaming-Problemen nicht nutzen. Nun hat der Anbieter offenbar reagiert.

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Für viele Swisscom-Kunden war Filme und Serien schauen mit Netflix in den letzten Tagen kein Vergnügen. Verärgerte Nutzer berichteten: Schon tagelang sei das Streaming nicht möglich, Swisscom und Netflix würden sich an den Hotlines und in Internetforen gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe schieben. Ihr Wehklagen auf Social Media und in diversen Medien scheint dem Internetprovider Beine gemacht zu haben. Swisscom soll sich mit Netflix auf einen sogenannten Peering-Vertrag geeinigt haben. Das bedeutet, dass Swisscom die Inhalte künftig direkt vom Netflix-Server laden und ins eigene System einspeisen wird. Bisher bezog Swisscom das Streamingangebot über sogenannte Transitanbieter, weil Netflix sich weigerte den Provider für die Direkteinspeisung zu bezahlen. (Im Bild: Netflix-CEO Reed Hastings.) Die Verbesserung ist am Beispiel UPC im Geschwindigkeitsindex von Netflix zu erkennen: Bis im Januar hatte auch UPC noch Probleme mit der Geschwindigkeit, seitdem die Streams direkt ins eigene Netzwerk gespiesen werden, ist die Qualität viel stabiler. Swisscom war zwar schneller als auch schon, bisher aber immer noch langsamer als die anderen (blaue Linie). Bereits letzten Frühling berichtete die «NZZ am Sonntag» über einen vermeintlichen Kampf um Bandbreiten. Die Weko (Eidgenössische Wettbewerbskommission) leitete damals eine Untersuchung ein, um herauszufinden, ob grosse Internet-Provider wie Swisscom oder UPC Cablecom ihre Datenleitungen zu Streamingdiensten wie Zattoo, Youtube oder Netflix bewusst ausbremsen, um ihre eigenen Angebote zu bevorteilen. UPC Cablecom und Swisscom bieten mit MyPrime respektive Teleclub Play ihre eigenen Streamingdienste an. Die Swisscom wies die Vorwürfe jedoch von sich und schob die Schuld für das langsame Streamen auf Netflix. Nun scheint sich zumindest eine vorübergehende Lösung gefunden zu haben. Über die genauen Details der Einigung äussert sich die Swisscom allerdings nicht.

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Swisscom-Kunden mit Netflix-Abo dürfen sich freuen – ihr Wehklagen auf Social Media und in diversen Medien scheint dem Internetprovider Beine gemacht zu haben. Nachdem das Streamen von Netflix-Serien und -Filmen mit einem Swisscom-Anschluss in den letzten Tagen so gut wie unmöglich war, sollen sich die beiden Anbieter kurzfristig auf einen sogenannten Peering-Vertrag geeinigt haben, schreibt Computerworld.ch.

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Das bedeutet, dass Swisscom die Inhalte künftig direkt vom Netflix-Server laden und ins eigene System einspeisen wird. Bisher bezog Swisscom das Streamingangebot über sogenannte Transitanbieter, weil Netflix sich weigerte, den Provider für die Direkteinspeisung zu bezahlen. Über die genauen Details der Einigung äussert sich die Swisscom nicht.

Auf Anfrage von Computerworld blieb man vage: «Wir sind mit Netflix nach wie vor in Verhandlungen und haben eine vorübergehende Lösung gefunden. Wir haben mit Netflix vereinbart, dass wir zur Art und Weise der provisorischen Lösung keine näheren Angaben machen.»

Dass Netflix künftig bezahlen wird, ist unwahrscheinlich. Laut Computerworld müsste Netflix dann mit anderen Providern wie UPC, mit denen bereits Peering-Verträge bestehen, neu verhandeln, was nicht im Interesse des Streamingdienstes wäre. Läuft das Peering allerdings gratis, dürften andere Dienstanbieter von Swisscom gleiches Recht einfordern.

Protest hat gewirkt

Die Einigung von Netflix und der Swisscom dürfte durch die grossen Proteste der Nutzergemeinde beschleunigt worden sein. Die 20-Minuten-Redaktion erreichten bis heute zahlreiche Mails von verärgerten Nutzern. Schon tagelang sei das Streaming nicht möglich, Swisscom und Netflix würden sich an den Hotlines und in Internetforen gegenseitig die Schuld dafür in die Schuhe schieben, hiess es.

Auch auf Facebook sowie im Swisscom-Kundenforum und auf Twitter herrschte helle Aufregung. Bis ein Stream geladen sei, vergingen Minuten, und auch dann sei die Bildqualität noch schlecht. Bei Freunden mit anderen Providern wie UPC, Green, Fiber7 oder Quickline liefe jedoch alles normal, ärgerten sich die Verfasser der Posts. Eine verbreitete Schlussfolgerung: Die Swisscom drossle die Bandbreite, um den eigenen Streamingdienst zu pushen.

Problem: Transitanbieter

Bereits letzten Frühling berichtete die «NZZ am Sonntag» über einen vermeintlichen Kampf um Bandbreiten. Die Weko (Eidgenössische Wettbewerbskommission) leitete damals eine Untersuchung ein, um herauszufinden, ob grosse Internet-Provider wie Swisscom oder UPC Cablecom ihre Datenleitungen zu Streamingdiensten wie Zattoo, Youtube oder Netflix bewusst ausbremsen, um ihre eigenen Angebote zu bevorteilen.

Die Swisscom wies die Vorwürfe von sich: «Swisscom setzt alles daran, schnellstmöglich eine Lösung zu finden und hat den Kontakt zu Netflix erneut intensiviert. Wir legen grossen Wert auf ein offenes Internet und benachteiligen dementsprechend keinen Anbieter», schrieb das Unternehmen auf Twitter.

Swisscom-Sprecher Armin Schädeli schob die Schuld anfangs auf Netflix: «Wir analysieren die Situation laufend und haben bereits am Wochenende festgestellt, dass Netflix die Transitkapazitäten massiv reduziert hat. Dies offenbar bereits seit dem 17. März 2016», sagte er zu Watson. Netflix würde den Datenverkehr seit August 2015 nicht mehr über die Deutsche Telekom, sondern neu über Transitnetze führen, die für überbuchte Kapazitäten bekannt seien. Swisscom habe darauf keinen Einfluss.

Störungsfreie Verbindung soll bei Swisscom kosten

Ruckle es während des Streamens, sei meist der Breitbandanbieter schuld, erklärte Fredy Künzler, CEO des High-Speed-Internet-Providers und Swisscom-Konkurrenten Init7, letztes Jahr der «NZZ am Sonntag». Das Problem sei, dass die Firmen Verbindungen zu anderen Anbietern ungenügend ausbauten. Auch auf dem Swiss ISP Blog, der sich mit Themen rund um Schweizer Internet Service Provider befasst, erläutert ein Autor, dass sich bei unausgebauten Verbindungen Videodaten auf dem Weg vom Netflix-Netzwerk zum Kunden stauen können. «Damit der Benutzer trotzdem seine superspannende Serie weiterschauen kann, reduziert Netflix automatisch die Qualität des Bildes. Es müssen weniger Daten übertragen werden und die Leitungen werden entlastet», schreibt er.

Bei der Konkurrenz gäbe es diese Probleme nicht mehr, weil diese seit kurzem über direkte Verbindungen zu den Netflix-Servern verfügten. Die Streams würden so direkt in die eigenen Netzwerke eingespiesen, was eine stabilere Qualität zur Folge habe (siehe Bilderstrecke). Das könnte die Swisscom auch und tue es bereits bei Anbietern wie Zattoo. Diese müssten dem Unternehmen allerdings Geld für die direkte Datenübertragung zahlen. «Netflix wird Swisscom niemals zahlen», ist sich jedoch Fredy Künzler von Init7 laut Watson seit einem kürzlichen Kontakt mit einem (nicht namentlich genannten) Netflix-Manager sicher.

(lia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mark R. am 22.03.2016 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Netflix

    Liebe Swisscom. Leider bin ich Kunde von Euch und war bisher immer mehr oder weniger zufrieden. Als Netflix Kunde und ach grosser Fan der Applikation gebe ich Euch nun 3 Monate Zeit um das Problem zu lösen. Falls in 3 Monaten mein Netflix weiterhin absichtlich gebremst wird, wechsle ich sofort zur Konkurenz. PS: Bin seit ca. 10 Jahren treuer Kunde der Swisscom...

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  • Rudolf am 22.03.2016 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Netzneutralität

    Leider gibt es in der Schweiz noch immer kein Gesetz zur Netzneutralität, und somit können leider alle Anbieter machen was sie wollen und behaupten nur das sie nichts ausbremsen. Ich schäme mich das niemand in der Politik was dagegen tut, leider wird sogar darüber diskutiert die Netzneutralität ganz aufzugeben und den Providern selbst überlassen wem sie mehr Bandbreite geben wollen. Wo sind hier die Linken und Neutralen Politiker die immer nach Freiheit rufen.

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  • Rudi an der Mauer am 22.03.2016 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug an den Bürger

    Also ich bin zum Glück nichtmehr bei der Swisscom, aber es war nur noch Grauenhaft. Immer Ruckeln. Ich bin dann zum Regionalen gewechselt, mit gleicher leitung nur Langsamer und es lief problemlos. Ich frage mich warum die Swisscom noch Unterstützung vom Staat bekommt. Wenn sie nicht gesponsert werden, dann würde der Markt viel offener sein. Da kann man sich so was mit dem kunden nicht erlauben. Lustig finde ich nur das bei Swisscom TV trotz mehr Datenübertragung nie geruckelt hat

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Die neusten Leser-Kommentare

  • C. W. am 23.03.2016 15:46 Report Diesen Beitrag melden

    Telekom

    Das passiert nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland bei der Telekom:

  • Markus B. am 23.03.2016 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Langjähriger KD ?

    @Mark R. 10 Jahre hin oder her der Swisscom Interessieren nur Neukunden

    • Viktoria am 23.03.2016 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Markus B.

      erzähl doch nicht solche Märchen. was hat das mit dem netflix problem zu tun. ich bin auch seit jahren kunde und schaue netflix ohne Probleme bei einer 12 mbit Leitung. und wenn überhaupt ist das überall so. irgendwann hat ja jeder eine promo gehabt und war Neukunde

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  • Bruno am 23.03.2016 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Amüsant...

    Genau darum habe ich schon vor einigen Jahren der Swisscom komplett den Rücken zugekehrt. Ich bin seit da zufriedener denn je zuvor... und habe erst noch mehr Flexibilität im Haushaltsbudget ;-) Tja... jedem seine Entscheidung, ist ein mehr oder weniger freier Markt...

  • MiHe am 23.03.2016 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Wo ist bei der Umfrage die Möglichkeit "Nein, ich habe keine Probleme, nein ich bin nicht bei Swisscom, aber ja ich habe Netflix"?

    • Andreas am 23.03.2016 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MiHe

      ich bin bei swisscom und habe KEINE Probleme, wo kann ich unterschreiben? ?

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  • Mario am 23.03.2016 07:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohhh

    Auf einmal geht alles wieder. Kann es vielleicht sein, das es doch hilft, wenn alles an die Öffentlichkeit kommt?

    • Viktoria am 23.03.2016 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mario

      es ging auch vorher, ist ja eh immer der andere schuld, wenn mal was nicht läuft. kann ja auch sein, das das Problem bei netflix liegt und nicht bei swisscom. ich habe die letzten Wochen eine netflix Serie am andern geschaut und nicht ein ruckler und das bei knapp 10mbit Bandbreite. bin ich ein Glückskind?

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