Citizenme

31. Juli 2014 13:15; Akt: 31.07.2014 13:40 Print

Neue App macht jeden zum Datenhändler

Mit der App Citizenme sollen Nutzer in Zukunft ihre persönlichen Daten zu Geld machen können. Selbst Infos zum eigenen Chromosomensatz soll man bald verkaufen können.

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Persönliche Daten werden gehandelt wie Gold. Unsere Angaben machen uns zur Zielscheibe der Werbeindustrie und füllen die Kassen der Betreiber von Facebook und Co. Die Nutzer selbst bekommen vom Handel mit dem digitalen Gold – den persönlichen Daten – nichts ab. Das Londoner Start-up Citizenme will das nun ändern.

«Wer soll die Kontrolle über unsere digitalen Seelen haben: Diebe, Cookie-Monster, Big Brother oder Sie?» Das fragen die Entwickler auf ihrer Website. Mit der App (bisher nur für iOS) sollen Anwender erfahren, welchen Wert ihre persönlichen Daten haben. Mit dem Programm soll jedermann zum Datenhändler werden und selbst entscheiden können, wem die Angaben – gegen Geld – zur Verfügung gestellt werden.

Aufenthaltsort bis Chromosomensatz

Kurz: Die Macher wollen den Nutzern die Kontrolle über ihre privaten Daten zurückgeben. Einen Zwang, die Daten weiterzuverkaufen, besteht bei Citizenme nicht. Neben Infos wie Geburtstag, Herkunft, politische Gesinnung etc. sollen in Zukunft auch Standort- und Gesundheitsdaten bis hin zu Informationen über den eigenen Chromosomensatz feilgeboten werden können. Dies allerdings nie ohne die Zustimmung des Nutzers, wie die Entwickler betonen.

Bin ich konservativ?

Doch noch ist es nicht so weit. Bisher hat die Citizenme-App eher aufklärerischen Charakter. Sie zeigt den Usern die unterschiedlichen Nutzungsbedingungen von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter auf. Wer die App mit seinem Profil verknüpft, erhält zudem ein detailliertes Persönlichkeitsprofil präsentiert. Ist man politisch liberal oder doch eher konservativ? Spontan oder gut organisiert? Ruhig oder eher gestresst? In unserem Test erkannten wir die eigene Persönlichkeit jedoch nur in wenigen Punkten wieder.

Doch wie wollen die Entwickler mit ihrer App Geld verdienen und wieso soll man seine Daten überhaupt im Internet zum Verkauf anbieten? 20 Minuten hat mit Greer Hahn von Citizenme gesprochen.

Frau Hahn, was passiert mit unseren persönlichen Angaben im Netz und wie verdienen Firmen Geld damit?
Greer Hahn: Datenhändler sind heute die Mittelmänner des digitalen Werbe-Ökosystems. Sie sammeln persönliche Daten und verkaufen sie weiter, mit der Absicht, gezielt Werbung bei den Anwendern zu schalten. Das ist lukrativ: Im Jahr 2012 wurden allein in den USA persönliche Daten im Wert von zwei Milliarden Dollar gehandelt.

Warum soll man freiwillig seine Informationen verkaufen?
Es geht darum, den Leuten die Kontrolle über ihre eigenen Daten zurückzugeben. Sie sollen persönlich entscheiden können, was sie lieber für sich behalten und was sie teilen möchten. Davon profitieren soll auch die Werbeindustrie. Nur weil man sich einen Porsche im Internet ansieht, heisst das noch nicht, dass man diesen auch kaufen will. Über die App soll man eine solche Absicht klar erkennbar machen können.

Bekommen Sie auch ein Stück vom finanziellen Kuchen ab?
Nutzer, die ihre Daten nicht verkaufen wollen, werden eine kleine monatliche Gebühr entrichten. Für solche, die ihre Daten anbieten, ist der Dienst kostenlos. Wir bekommen nur einen kleinen Teil der Transaktionsgebühren.

Wie viel Geld sollen Nutzer mit ihren Daten erwirtschaften können?
Am Anfang soll man mit dem Ertrag ein digitales Abo wie zum Beispiel das von Spotify bezahlen können. Wenn der Dienst etabliert ist, sollen Nutzer weitere Rabatte erhalten – etwa auf ein neues Auto oder die nächsten Ferien.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marc Hauser am 31.07.2014 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sie wissen was du tust!

    Ist das der erste Schritt zur Vision in Mark Elsberg's Buch 'Zero'...? Fehlen nur noch die Daten von Google Glass und Smartwatches, um von unseren eigenen Daten unsere Ferien finanzieren zu können ;-)

    einklappen einklappen
  • P.B. am 31.07.2014 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigend

    Hab gerade Watch_Dogs durch. Ich debke in einigen Jahren wird es so weit sein, dass ein System alle unsere Daten gespeichert hat. Einziger Ausweg: Totales entsagen aller digitalen Geräten

Die neusten Leser-Kommentare

  • P.B. am 31.07.2014 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigend

    Hab gerade Watch_Dogs durch. Ich debke in einigen Jahren wird es so weit sein, dass ein System alle unsere Daten gespeichert hat. Einziger Ausweg: Totales entsagen aller digitalen Geräten

  • Marc Hauser am 31.07.2014 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sie wissen was du tust!

    Ist das der erste Schritt zur Vision in Mark Elsberg's Buch 'Zero'...? Fehlen nur noch die Daten von Google Glass und Smartwatches, um von unseren eigenen Daten unsere Ferien finanzieren zu können ;-)

    • Surferin am 31.07.2014 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ist mir ...

      ... Such gerade in den Sinn gekommen ... FreeMe ...

    • Zero Leser am 31.07.2014 15:23 Report Diesen Beitrag melden

      Welcome to paranoia!

      Genau das ging mir auch durch den Kopf...

    • Hobbes am 31.07.2014 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zero

      War auch mein erster Gedanke.

    • Sm am 31.07.2014 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Daten

      Genau das habe ich mir auch gedacht!! Habe gerade das buch zero gelesen.

    • Zero am 31.07.2014 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zero

      wollte genau das selbe schreiben... hört sich genau so an wie im buch beschrieben :O

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