Fehler über Fehler

19. April 2012 17:16; Akt: 20.04.2012 14:55 Print

PR-Branche verpennt Wikipedia

Über die Hälfte aller Wikipedia-Einträge über Firmen sind fehlerhaft. Dass die Artikel nicht von PR-Profis umgeschrieben werden können, ist klar. Trotzdem braucht es Korrekturen.

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Eine US-Studie ergab, dass über die Hälfte der Firmeneinträge auf Wikipedia fehlerhaft sind. (Bild: Keystone/Montage)

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Wenn Firmen oder deren PR-Agenturen ihren eigenen Wikipedia-Eintrag schreiben, leidet die Glaubwürdigkeit der Online-Enzyklopädie und der Firmen. Was aber, wenn die PR-Leute Fehler in den Einträgen entdecken? Die neueste Ausgabe des «Public Relations Journal» weist darauf hin, dass die Zusammenarbeit zwischen PR-Leuten und Wikipedia-Autoren noch viel Verbesserungspotential hat.

Im Rahmen einer Studie von Marcia W. DiStaso, PR-Dozentin an der Penn State University im US-Bundesstaat Pennsylvania, kam heraus, dass 60 Prozent der Firmen-Einträge auf Wikipedia Fehler aufweisen. Die 1284 Antworten aus der PR-Branche zeigten zudem, dass über das Vorgehen, wie diese zu beheben seien, noch keine klare Vorstellung herrscht.

Ein langer Lernprozess

Sie sei nicht sehr erstaunt über die hohe Fehlerquote, so DiStaso im «Public Relations Journal». «Überraschend ist jedoch, dass ein Viertel der Befragten die Wikipedia-Artikel ihrer Firma oder Kunden gar nicht kennen.» Irgendwann jedoch, ist die PR-Fachfrau überzeugt, würden alle Unternehmen erkennen, dass sie ihre Einträge kontrollieren und korrigieren müssen. Allerdings stehe man da noch vor einem langen und schweren Lernprozess, da es auch von Wikipedia keine klaren, konsequenten Regeln darüber gäbe, wie solche Korrekturen gemacht werden sollen.

Anmerkungen oder Fehlermeldungen können mit der Diskussions-Funktion generiert werden. Gemäss Wikipedia sollte man für gewöhnlich innerhalb von zwei bis fünf Tagen eine Antwort vom Autor des Artikels erhalten. Das scheint aber nicht ganz so reibungslos zu funktionieren. 40 Prozent der PR-Leute gaben an, tagelang auf eine Antwort gewartet zu haben, 12 Prozent gar wochenlang, und ein Viertel erhielt überhaupt keine Rückmeldung.

Die 35 Prozent, die tatsächlich Einfluss auf die Wiki-Einträge ihrer Firmen nahmen, taten dies entweder, indem sie über die Diskussions-Funktion mit den Autoren in Kontakt traten, oder aber sie veränderten den Eintrag selbst. Etwas, was man laut Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nicht tun sollte, wenn man von der Firma bezahlt wird.

Verantwortung für korrekte Inhalte liegt bei allen

Dass der Anteil an Korrekturen im Gegensatz zur Fehlerquote so gering sei, hat zum Teil damit zu tun, dass negative Reaktionen von den Medien befürchtet werden. In anderen Fällen wussten die PR-Leute ganz einfach nicht, wie man einen Wikipedia-Eintrag richtig editiert. Doch sogar Wiki-Kenner kommen nicht immer auf einen grünen Zweig. Vor allem die Interaktionen mit den Wikipedia-Autoren sei oftmals unproduktiv verlaufen.

Damit der Fehleranteil bei den Firmen-Einträgen sinkt, empfiehlt DiStaso, dass sich auch die PR-Branche für eine korrekte Darstellung verantwortlich fühlt. Schliesslich zählten die User auf den Inhalt der Online-Enzyklopädie. Die Editier-Regeln müssten zudem so klar sein, dass PR-Leute wissen, was sie tun und lassen sollten. Ein Anhaltspunkt dafür sei die Wikipedia Engagement Flowchart.

Ausserdem sei es für die PR-Branche wichtig, dass die Einträge von Kunden und Arbeitgeber regelmässig gelesen und geprüft werden. Bei Fehlern solle ein reger Austausch zwischen den Firmen-Vertretern und den unabhängigen Autoren statt finden.

(fvo)