Weltweite Ermittlungen

11. Dezember 2019 13:32; Akt: 18.12.2019 10:37 Print

Polizei deckt Missbrauchs-Gruppe auf Whatsapp auf

Weltweit wurden 33 Personen wegen Missbrauch an Minderjährigen und Kinderpornografie verhaftet. Sie hatten die Inhalte über Whatsapp verschickt.

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Für die Bekämpfung von organisiertem Verbrechen, Terrorismus oder Kinderpornografie steht in Deutschland eine Gesetzesänderung zur Diskussion, die den Behörden verschlüsselte Nachrichten zugänglich machen soll. Die Idee: Messenger-Dienste wie Whatsapp, Threema oder Telegram sollen gezwungen werden, auf richterliche Anordnung hin die Chats ihrer Kunden zu speichern und unverschlüsselt an Behörden zu schicken. FDP-Ständerat Josef Dittli hat den Bundesrat aufgefordert, ebenfalls zu prüfen, ob eine ähnliche Option für die Schweiz Sinn macht. «Es geht nicht an, dass Kriminelle, Terroristen oder Schlimmeres ein undurchdringbares Netzwerk unterhalten, das dazu dient, ihren Machenschaften zum Durchbruch zu verhelfen», sagt Dittli. Die Verschlüsselungstechnologie ist eine der wichtigsten Mechanismen, um die Sicherheit im digitalen Raum zu gewährleisten», sagt Anwalt und IT-Experte Martin Steiger. Es wäre «vollkommen naiv», zu glauben, dass Hacker die für den Bund eingebauten Hintertüren nicht verwenden würden, um bisher verschlüsselte Chats und Telefonate von Schweizer Benutzern von Messenger-Diensten abzuhören, sagt Steiger. «Das wäre, als ob man sagen würde, man darf die Haustür nicht mehr schliessen, damit die Polizei ins Haus kommen kann. Alle anderen kommen dann auch einfach herein.» Auch der Geschäftsführer der Schweizer Firma Threema, Martin Blatter, ist der Ansicht, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kein Sicherheitsrisiko für die Schweiz darstellt – im Gegenteil: «Sie schützt Privatpersonen, Unternehmen und Organisationen vor Cyberangriffen, Spionage und Identitätsdiebstahl.» Eine Aufweichung der Verschlüsselung käme für Threema deshalb unter keinen Umständen in Frage, so Blatter. «Wir sind nicht bereit, irgendwelche Kompromisse bezüglich Sicherheit, Vertraulichkeit der Kommunikation und Datenschutz einzugehen.»

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Die spanische Polizei hat mitgeteilt, dass weltweit 33 Personen wegen Missbrauch von Minderjährigen festgenommen wurden. Sie hatten über eine Whatsapp-Gruppe explizite Bilder untereinander geteilt und den Umgang mit Kinderpornografie verharmlost.

Insgesamt wurden Personen in elf verschiedenen Ländern gefasst, wie BBC berichtet. Die grösste Anzahl Festnahmen fand in Spanien statt, wo 17 Personen verhaftet wurden – viele davon selbst noch minderjährig. Die anderen Personen stammten aus Uruguay, Ecuador, Costa Rica, Peru, Italien, Frankreich, Grossbritannien, Indien, Pakistan und Syrien.

Anonymer Hinweis

Die spanische Polizei war der Whatsapp-Gruppe bereits seit zwei Jahren auf der Spur. Damals hatte jemand eine anonyme E-Mail mit einem Hinweis auf die Gruppe eingereicht. Als die Polizei realisierte, dass die Straftaten über die Landesgrenze hinausreichten, wurden Europol, Interpol und die Polizeien in Ecuador und Costa Rica eingeschaltet.

Die Inhalte, die in der Gruppe verschickt wurden, sind grauenerregend. So hat eine Mutter aus Uruguay beispielsweise ihre Tochter über längere Zeit hinweg missbraucht und dies dokumentiert. Die Bilder hat sie schliesslich via Whatsapp geteilt.

Grösstenteils Männer

Ein 29-jähriger Mann wurde verhaftet, weil er nicht nur illegale Bilder gespeichert, sondern auch andere dazu angestiftet hatte, Kontakt mit Minderjährigen herzustellen. Dabei soll er geraten haben, Mädchen mit Migrationshintergrund anzusprechen, da diese mit weniger hoher Wahrscheinlichkeit zur Polizei gehen würden.

Einige Mitglieder der Gruppe sollen sogar virtuelle Sticker kreiert haben, die den Missbrauch an Minderjährigen zeigen. Bei den meisten Festgenommenen handelt es sich um Männer verschiedenster kultureller und gesellschaftlicher Herkunft.

(doz)