Kontroll-Software

11. November 2008 11:19; Akt: 11.11.2008 11:27 Print

Pornokonsum im Büro: Der Chef schaut mit

von Henning Steier - Viele Angestellte verbringen viel Zeit am Büro-PC mit Paris Hilton oder Jenna Jameson - meist ungestört. Denn Arbeitgeber haben oft keine Zeit, auf den Festplatten der Mitarbeiter nach Erotik-Fotos zu suchen. Ein amerikanisches Programm soll das in Zukunft ändern - auch in der Schweiz.

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Pornographie auf Büro-Computern kostet die Unternehmen nicht nur Zeit, sondern oft auch ein gutes Betriebsklima. Denn das Risiko sexueller Belästigung steigt. Abhilfe soll eine Software leisten, die der US-Hersteller Paraben angekündigt hat. Mit ihr sollen sich beinahe in Echtzeit alle Sexbilder auf Computern finden lassen.

Laut Firmenchefin Amber Schoeder werden Fotos anhand einiger, zuvor festgelegter Parameter analysiert und dann in Gruppen eingeteilt - je nachdem wie explizit sie sind. Das Programm kann allerdings nicht zwischen Kinder- und Erwachsenenpornographie unterscheiden.

Beweis vor Gericht

«Unsere Software soll nicht nur die firmeninterne Aufklärung in Fällen des Porno-Konsums am Arbeitsplatz, sondern auch die Beweisführung in Kündigungsverfahren vor Gericht erleichtern», sagt Amber Schroeder.

Nach Angaben der Kriminaltechnikfirma soll das Tool zwar online und offline, allerdings nicht auf Handys und Organizern laufen. Als voraussichtlichen Preis gab der Hersteller umgerechnet rund 20 000 Franken für eine 500-PC-Lizenz an.

Einsatz in der Schweiz möglich

Müssen bald auch Schweizer Arbeitnehmer damit rechnen, von einem Programm wie diesem überwacht zu werden? «In Artikel 26, Verordnung 3 des Arbeitsgesetzes heisst es: 'Überwachungs- und Kontrollsysteme, die das Verhalten der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz überwachen sollen, dürfen nicht eingesetzt werden'», sagt Daniel Menna, Sprecher des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Hans-Peter Thür, «das heisst, man darf nicht einfach Webcams installieren oder die Tastatureingaben der Angestellten speichern.»

Das heisst allerdings nicht, dass eine Software wie von Paraben hierzulande nicht eingesetzt werden wird. «Im Reglement des Unternehmens muss festgelegt sein, ob und ab wann die private Internetnutzung des Arbeitnehmers als missbräuchlich angesehen wird», erläutert Matthias Häuptli von der Basler Anwaltskanzlei Staehelin. «Besteht auf Grund der Überwachung anonymisierter Daten ein begründeter Verdacht, dann könnte eine Software zur Analyse des Konsums pornographischer Inhalte eingesetzt werden. Die Arbeitnehmer müssen aber darüber informiert werden.» Seien die oben genannten Voraussetzungen erfüllt, drohe dem Arbeitnehmer eine Verwarnung, im Wiederholungsfall sogar die fristlosen Kündigung, so Matthias Häuptli.