Für Werbezwecke

18. November 2013 07:06; Akt: 18.11.2013 13:02 Print

SBB sammeln mit Gratis-WLAN Nutzerdaten

Immer mehr Orte werden mit dem SBB Free Wi-Fi ausgestattet. Doch was ist schon gratis? «Wer das SBB-Angebot nutzt, zahlt mit seinen Daten», sagt ein IT-Rechtsspezialist.

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Die wenigsten Nutzer wissen, dass die SBB die Daten der WLAN-Nutzer sammeln. (Bild: Gaetan Bally)

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Bis Ende 2015 wollen die SBB an 100 Orten Gratis-WLAN anbieten. Wenige Bahnhöfe sind bereits mit dem sogenannten SBB Free Wi-Fi ausgestattet. Doch das Angebot hat einen Haken: «Wer das SBB-Angebot nutzt, zahlt mit seinen Daten», sagt der auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwalt Martin Steiger im «Tages-Anzeiger».

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Werden Sie das Gratis-WLAN an Bahnhöfen nutzen, obwohl die SBB die Nutzerdaten für Marketingzwecke nutzen?
26 %
62 %
12 %
Insgesamt 3246 Teilnehmer

Die SBB können damit die Handynummer, die Mac-Adresse zur Identifizierung des Endgeräts, Ort, Datum und Zeit der Nutzung erheben. «Die SBB können damit umfangreiche Nutzungs- und Bewegungsprofile erstellen», sagt Steiger. Das Okay dazu gibt der Nutzer mit einem Ja zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB). Steiger nennt das Geschäft einen Tauschhandel. «Da muss jeder selbst wissen, ob er sich darauf einlässt.»

Auch «persönliche Ansprache des Kunden» ist möglich

Laut SBB werden die Daten «zur Gewinnung und Auswertung von personenbezogenen Informationen» genutzt. Die Daten würden analysiert, um beispielsweise den Personenfluss an Bahnhöfen zu optimieren.

Doch aufgrund des erstellten Profils behalten sich die SBB auch die «persönliche Ansprache des Kunden» mit Werbeinformationen oder Umfragen vor. Aufgrund der AGB dürften die SBB also Werbeanrufe oder Werbemails tätigen. SBB-Sprecher Stephan Wehrle gibt Entwarnung: Man werde lediglich «auf der Startseite Werbung schalten».

Laut «Tages-Anzeiger» ist es realistisch, dass die Daten mit dem Handy-Portemonnaie Wally, das noch in Bearbeitung ist, verknüpft werden. Es sei noch nicht klar, ob eine Vernetzung erfolgen wird, sagt Wehrle. Die Ziele von Wally seien auch ohne Bewegungsprofile erreichbar.

AGB seien transparent

Wehrle weist darauf hin, dass die Nutzer in den AGB informiert werden, wofür die Daten genutzt werden. Der Kunde stimmt der Nutzung der Daten ausdrücklich zu. «Es handelt sich hier um einen Gratis-Service, und es steht dem Benutzer frei, diesen nicht zu nutzen.»

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) ist skeptisch: «Ohne zu wissen, worauf sie sich einlassen, akzeptieren Smartphone-Benutzer heute allgemeine Geschäftsbedingungen, die sehr weit gehen», sagt Geschäftsführerin Sara Stalder. «Eigentlich sollte die Bahn für die Daten, die sie für Marketingzwecke nutzen kann, jedem 100 Franken in die Hand drücken.»

Probleme mit dem Datenschutz?

Die SBB wollen die Daten ein Jahr lang personenbezogen nutzen. Erst nach zwölf Monaten werden sie anonymisiert. Das könnte aus Sicht des Datenschutzes problematisch sein, da das Bundesgesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs eine Aufbewahrungsdauer von sechs Monaten vorschreibt. Das aber zu Strafverfolgungs- und Personensuchzwecken – nicht für Marketing. Die SBB weisen jedoch auf die anstehende Revision des Gesetzes hin, die eine Verlängerung der Speicherfrist auf zwölf Monate vorsehe. Der Datenschützer will nun den Sachverhalt genauer abklären.

(woz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Louis am 18.11.2013 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    neuerliche Frechheit von CEO A. Meyer

    Wann wird dieser SBB-CEO A. Meyer endlich in die Wüste geschickt. Der hat doch das Gefühl, er könne mit den SBB-Kunden machen, was er will. Scheinbar hat er bei den Berliner Verkehrsbetrieben damals schon ein Chaos hinterlassen. Frau Leuthard soll diesen SBB-Chef endlich durch eine fähige Person ersetzen lassen.

    einklappen einklappen
  • roger am 18.11.2013 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    !!!

    wer noch glaubt dass solche Daten sicher sind ist naiv. nichts ist heutzutage sicher!!

  • Jeder sollte Wissen am 18.11.2013 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Gratisdienstleistungen

    Bei jeder Dienstleistung die man gratis nutzt, ist man vermutlich nicht der Kunde sondern das Produkt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • 1d1ot am 19.11.2013 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Cisalpino

    da wäre wlan wichtig, weil der bleibt ja gerne mal ein bisschen stehen.

  • michael klein am 19.11.2013 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    was wäre wenn

    an all die meckerer - stellt euch mal vor es gäbe keine sbb, was würdet ihr dann machen ? also immer den ball schön flach halten !

  • SBB_Nutzer am 18.11.2013 23:49 Report Diesen Beitrag melden

    Googelisierung

    Warum? Warum kann man ein banales "Geschäft" nur noch machen indem man "freiwillig" (ohne Alternative) in irgendeine blöde Profilbildung einwilligen muss? Soll jetzt die ganze Society Googelisiert werden, das neue Geschäftsmodell mit personifizierten Daten?

  • C-Dogg am 18.11.2013 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statt Wlan in den Zügen

    Wenns Wlan in den Zügen wären, wäre es mir eigentlich egal

  • Unglaublich am 18.11.2013 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht!

    Erst müssen wir mit den Billetpreisen horrende Investitionskosten zahlen zur Ausrüstung der Bahnhöfe und Züge mit wlan, dann werden wir nochmals abgezockt mit dem Nutzen unserer Daten. Das ist das Letzte!