In Twitter investiert

19. Dezember 2011 09:58; Akt: 19.12.2011 16:31 Print

Saudi-Prinz macht 300 Millionen locker

Der Neffe des saudiarabischen Königs steht auf Twitter. Damit steigt einer der reichsten Männer der Welt beim Internet-Kurznachrichtendienst ein.

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Alwaleed Bin Talal mit seiner Gemahlin, Prinzessin Amira, beim Besuch eines Flüchtlingslagers im August dieses Jahres in Mogadischu. (Bild: Farah Abdi Warsameh)

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Er hat schon mit Michael Jackson geschäftet und nun steigt Alwaleed Bin Talal bei Twitter ein. 300 Millionen Dollar hat der Internet-Kurznachrichtendienst vom saudischen Prinzen bekommen. Es ist nicht bekannt, welchen Anteil sich der Neffe des saudi-arabischen Königs Abdullah damit erkaufte.

Die «strategische» Investition sei das Ergebnis monatelanger Verhandlungen gewesen, hiess es am Montag lediglich. Bei der vergangenen Finanzierungsrunde im Sommer soll Twitter mit 8,4 Milliarden Dollar bewertet worden sein.

Einer der reichsten Männer der Welt

Mit Alwaleed steigt nun ein erfahrener Technik- und Medieninvestor aus der Region bei Twitter ein. Neben der 2006 gegründeten Plattform hat der Neffe des saudischen Königs Abdullah, den das US-Magazin «Forbes» auf Rang 26 der weltweit reichsten Menschen führt, unter anderem bereits Anteile am Computerkonzern Apple oder Rupert Murdochs Medien-Netzwerk News Corp in seinem Portfolio. Zudem betreibt er mit der «Asharq al-Awsat» eine einflussreiche arabische Zeitung.

Auf dem Vormarsch im Nahen Osten

Bei Twitter kann man bis zu 140 Zeichen lange Nachrichten über das Internet verschicken und auch Links zu Webseiten oder Bildern. Der Dienst hat sich inzwischen auch zu einem wichtigen Kanal für die Medienbranche entwickelt und hat mehr als 100 Millionen aktive Nutzer.

Der Nahe Osten könnte ein wichtiger Markt werden. Zwar werden nach Daten des französischen Social-Media-Marktforschers Semiocast bisher lediglich etwas mehr als ein Prozent der Twitter-Nachrichten auf Arabisch geschrieben, die Sprache ist aber derzeit die am schnellsten wachsende der Plattform. Innerhalb eines Jahres sei die Zahl der Tweets auf Arabisch um das 22-fache gestiegen.

Diesen enormen Aufschwung hat Twitter vor allem seiner Bedeutung in den Revolutionen des Arabischen Frühlings zu verdanken. Der Dienst war neben dem Netzwerk Facebook eines der wichtigsten Medien der Protestbewegungen in Tunesien oder Ägypten.

Millionen durch Werbung

Bereits im August hatte Twitter Medienberichten zufolge 400 Millionen Dollar unter anderem von einem russischen Investor eingesammelt. Zusammen mit dem saudischen Geld dürfte das Unternehmen aus San Francisco damit vorerst genug Mittel für die weitere Expansion haben und auf einen Börsengang verzichten können. Das hat unter anderem den Vorteil, dass Twitter wegen der begrenzten Anzahl von weniger als 500 Anteilseignern keine Geschäftszahlen veröffentlichen muss. Der Marktforscher eMarketer geht davon aus, dass das Unternehmen in diesem Jahr um die 140 Millionen und 2012 etwa 260 Millionen Dollar durch Werbung einnehmen wird.

(sda)