Illegales Filesharing

09. August 2010 11:45; Akt: 12.08.2010 08:20 Print

Schneller zum perfekten Download

von Henning Steier - Torrent Tweets ist eine Erweiterung für µTorrent. Dank ihr soll der Austausch von Dateien verbessert werden. Allerdings profitieren davon auch Raubkopierer.

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Torrent Tweets: Was wird gezwitschert?

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Im offiziellen BitTorrent-Blog hat Sprecher Simon Morris eine neue Funktion für den firmeneigenen Client µTorrent vorgestellt. Torrent Tweets nennt sich die App, welche bislang nur für eine Betaversion der Software zur Verfügung steht. Dank ihr können Anwender direkt auf Twitter über ihre Downloads diskutieren und sich informieren, wie andere User sie gefunden haben. Ausserdem können sie direkt Links zu weiteren Torrents entdecken.

Die Applikation erzeugt, basierend auf dem BitTorrent-Infohash, automatisch Hashtags für jeden heruntergeladenen Torrent. Ein Hashtag ist ein Schlagwort. Die Bezeichnung leitet sich vom Rautenzeichen # (hash) ab, mit dem ein solches Tag beginnt und durch ein Leerzeichen beendet wird. Klickt man auf ein Hashtag wie #Obama, werden einem auf Twitter aktuelle Tweets zum Thema angezeigt. Anwender könnten somit nun schneller sehen, ob sich ein Download lohnt. Denn falls nicht, könnten dies Nutzer auf Twitter vermerkt haben.

Der Client µTorrent ist aber nur einer von vielen. Andere bekannte sind Vuze und BitComet. Daher rief Morris in seinem Blogeintrag Entwickler dazu auf, Torrent Tweets in ihre Software zu integrieren. Für legal verbreitbare Inhalte wie Open-Source-Software ist die neue Funktion also unproblematisch. Wer geschützte Dateien wie Blockbuster verbreitet, sollte allerdings vorsichtig sein, denn er wäre über seinen Twitter-Account unter Umständen leicht zu identifizieren. Im Kampf gegen Piraterie hat Torrent Tweets aber noch einen Nutzen: «Wir beobachten das Ganze mit grossem Interesse», sagte Roger Chevallaz, Geschäftsführer der Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE), zu 20 Minuten Online, «denn dank der App erfahren wir unter anderem, welche Torrents gerade sehr beliebt sind.»

«Keine rechtlichen Mittel»

Generell gehe die Entwicklung aber zumindest hierzulande eher in Richtung One-Click-Hoster. Auf Seiten wie RapidShare.com oder uploaded.to können Nutzer urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterladen, ohne gleichzeitig Dateiteile hochzuladen - wie das bei BitTorrent der Fall ist. «Daher gibt es gegen Raubkopierer im ersten Fall in der Schweiz keine rechtlichen Mittel, was sich unserer Meinung nach dringend ändern muss», sagte Chevallaz. Denn allein im ersten Quartal seien schweizweit rund 700 000 Downloads geschützter Filme über Peer-to-Peer-Netze gezählt worden. «One-Click Hoster verkaufen Premium-Accounts, die mehr Traffic und unbegrenzte Downloadgeschwindigkeit versprechen. Die Nutzer sind also durchaus bereit, für Inhalte indirekt zu bezahlen», betonte der SAFE-Geschäftsführer.

Lob von der Piratenpartei

«Die von Roger Chevallaz erwähnte Möglichkeit, Statistiken zu erstellen, könnte auch zu zusätzlichen unhaltbaren Ausheul-Exzessen bei Organisationen wie dem Verband der Musikindustrie (IFPI) führen», kritisierte Denis Simonet, Chef der Piratenpartei Schweiz, im Gespräch mit 20 Minuten Online. Deswegen sei es wichtig, dass der nichtkommerzielle Austausch von Kultur endlich legal werde. Das allgemeine Bedürfnis danach sei ein Fakt und könne gerade durch solche Neuentwicklungen nicht mehr abgestritten werden.

«Als Downloader empfinde ich die Twitterintegration als nette Hilfe, denn ich muss nicht mehr mühsam über Google herausfinden, ob es sich um einen Fake handelt oder nicht - vorausgesetzt, das Konzept hat Erfolg», lobte Simonet. Anti-Leech-Tracker (ALT) böten ähnliche Dienste, aber oft finde man die gewünschten Inhalte so nicht. «Jedoch befürchte ich, dass viele leichtfertig mit ihrem persönlichen Account verbreiten werden, was sie gerade herunterladen oder verbreiten - ein gefundenes Fressen für die Unterhaltungsindustrie», warnte Simonet.