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18. November 2016 21:23; Akt: 18.11.2016 21:23 Print

Schon 73 Leute sind 2016 wegen Selfies gestorben

Im laufenden Jahr sind schon fast fünfmal mehr Personen wegen Selfies ums Leben gekommen als noch vor zwei Jahren. Eine neue App soll das nun ändern.

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Für ein vermeintlich spektakuläres Foto setzen sich gewisse Leute äusserst brenzligen Situationen aus. Insgesamt gab es in den letzten Jahren 127 aufgezeichnete Selfie-Todesfälle, wie Forscher der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh herausgefunden haben. Das letzte Foto von Colleen Burns am Grand Canyon. Nur Minuten später stürzte sie 122 Meter tief in die Schlucht, weil sie einem Mann Platz machte, der ein Selfie schiessen wollte. Wegen solcher Erinnerungsfotos kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen. Etwa ... ... am 29. Juni 2016, als ein deutscher Tourist über eine Sicherheitsabsperrung kletterte, um ein Selfie vor den Inka-Ruinen in Machu Picchu zu machen. Dann bat er andere, ein Foto von ihm zu schiessen, während er hochsprang. Dabei verlor der Mann das Gleichgewicht und stürzte einen hundert Meter tiefen Hang hinab. Der Deutsche ist nicht das erste Opfer: Das Datenanalyse-Unternehmen Priceonomics hat Todesfälle untersucht, die zwischen 2014 und 2015 beim Schiessen von Selfies auf der Welt passierten. Demnach gab es in der Erhebungszeit 49 Opfer, davon war bis dato nur ein Opfer durch ein Tier gestorben. Die meisten Zwischenfälle gab es 2014/2015 in Indien, gefolgt von Russland und den USA. Im Januar 2016 hat Mumbai reagiert und in der Stadt Selfie-freie Zonen definiert. 2015 starben 28 Menschen beim Selfiemachen und damit wesentlich mehr als bei Hai-Angriffen (8). Ein paar Beispiele für Selfie-Unfälle, die weltweit Schlagzeilen machten, zeigen wir Ihnen auf den folgenden Bildern. Ende Mai 2016 kletterte ein Chinese für ein Foto mit einem Walross ins Tiergehege des Yeshanko Wildlife Zoo in der südchinesischen Stadt Weihai. Kurz darauf war er tot. Erst im April wurde eine 19-jährige Chinesin in der Stadt Liantang von einem Güterzug erfasst, als sie sich gerade selbst fotografierte. 2015 starb die 18-jährige Anna aus Rumänien: Als sie sich für ein Selfie auf ein Zugdach legte, kam sie in Berührung mit einer Starkstromleitung. Ein Augenzeuge berichtete, das Mädchen sei sprichwörtlich in Flammen aufgegangen. Im August 2014 wollte ein polnisches Ehepaar in Cabo de Roca in Portugal, am westlichsten Punkt Europas, ein Selfie schiessen. Für ein besseres Bild stiegen sie über die Sicherheitsabsperrung - und stürzten in die Tiefe. Diese Aufnahme ging noch mal glimpflich aus, zumindest für das Mädchen im Bild. Weil die Bären-Selfies überhandnahmen, schloss der Waterton Canyon Park in Colorado im September 2015 seine Pforten. Bereits 2014 gab der WWF auch für die Schweiz die Warnung heraus, man solle keine Selfies mit Bären machen. (Im Bild ein weiteres Bären-Selfie aus dem geschlossenen Park in Colorado.)

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Für ein vermeintlich spektakuläres Foto setzen sich gewisse Leute äusserst brenzligen Situationen aus: Diesen Sommer zum Beispiel ist ein deutscher Tourist bei den Inka-Ruinen von Machu Picchu in den Tod gestürzt. Er war über eine Absperrung geklettert und hat darauf den Halt verloren.

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Insgesamt kam es in den letzten Jahren zu 127 aufgezeichneten Selfie-Todesfällen, wie Wissenschaftler der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh herausgefunden haben. Laut Studienleiter Hemank Lamba sind allein in den ersten acht Monaten des Jahres 2016 73 Personen beim Selfie machen ums Leben gekommen. 2015 starben 39 Menschen, 2014 waren es noch 15.

App erkennt riskante Sujets

In den meisten Fällen stürzten die «Fotografen» aus grosser Höhe ab, berichten die Forscher. In Indien standen die aufgezeichneten Todesfälle meist im Zusammenhang mit Zügen. «Das gemeinsame Posieren auf Gleisen ist romantisch und symbolisiert in Indien eine lange Freundschaft», sagt Lamba gegenüber BBC. In den USA und in Russland waren Waffen die häufigste Todesursache bei den Verunfallten, wie die Analyse der Forscher ergab.

Hemank Lamba und sein Team entwickeln derzeit eine App, die abenteuerlustige Selfie-Knipser künftig vor Gefahren warnen soll. Die App soll in der Lage sein, gefährliche Sujets anhand von GPS-Daten und Bilderkennung ausfindig zu machen und die Nutzer zu warnen. In einem Testlauf mit 3000 Selfies erkannte Lambas Algorithmus riskante Situationen mit einer Trefferquote von über 70 Prozent.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pegi am 18.11.2016 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Haiattacken

    Es sterben mehr Leute an Selfies als an den gefürchteten Haiattacken. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

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  • Benno am 18.11.2016 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sammelklagen?

    und an wen richten sich die Sammelklagen? an die Handyhersteller, an die Touristik-Orte, an Facebook, Twitter und co? Die Tragik ist, dass die Menschheit immer dümmer wird und Realität von Fiction nicht mehr unterscheiden kann.

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  • Bergsteiger am 18.11.2016 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt einfach Orte

    da schaut man lieber wohin man tritt als auf die eigene Visage im Phone.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 19.11.2016 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit degeneriert...

    Das Dümmste was es gibt. Früher machte man Familien Photos, Portraits, das ging problemlos, ohne Unfall. Heute je dümmer desto besser !

  • SebinaSG am 19.11.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenverstand

    Heute möchte jeder die tollsten Momente festhalten und auf einer Seite auch ganz ok aber den gesunden Menschenverstand walten lassen wäre schon vorteilhaft.

  • Nella Müller am 19.11.2016 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fragezeichen

    Was nützt diese App? Die Leute wissen doch, dass sie sich in eine gefähliche Lage bringen. Besonders wenn sie dabei über Absperrungen klettern.

    • Xaver Gobet am 19.11.2016 14:52 Report Diesen Beitrag melden

      Viele kann man nicht mehr helfen

      @ Nella Müller Sie haben ganz Recht. Sie wissen nicht was sie tun! Was nüzt es darüber zu schreibenNicht es wird weiter so gemacht-

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  • unglaublich am 19.11.2016 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vendingmachine

    kann mal einer erklären wie man sein Leben an einer Vending Machine auslöscht ?

    • Susanne Bättig am 19.11.2016 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @unglaublich

      Zum Beispiel in dem man sie rüttelt weil nichts rauskam, die Maschine nach vorne umfällt und den Randalierer erdrückt.

    • Swiss-Chris am 19.11.2016 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @unglaublich

      Herzinfarkt weil die Cola stecken geblieben ist vielleicht?

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  • Faseee1996 am 19.11.2016 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach unglaublich...

    Ich versteh die Welt nicht mehr! Es werden unzählige Tote geborgen, und Andere Personen denken nur ans "Selfie"! Ich denke manchmal immer an die toten Mensch die nur fürs Selfiemachen seinen Leben opferten oder opferen werden...