PocketSize Me

20. August 2013 11:39; Akt: 20.08.2013 12:40 Print

Schrumpfen für die Ewigkeit

von Philipp Rüegg - Eine Schweizer Firma klont Menschen. Dank Scanner und 3-D-Drucker werden lebensechte Kopien im Miniaturformat erschaffen. Ein Selbstversuch.

(Video: M. Bangerter)
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3-D-Drucker werden immer beliebter. Mit unterschiedlichen Techniken und Werkstoffen lassen sich damit dreidimensionale Objekte drucken: Von einfachen Schachfiguren bis zu (Schuss-)Waffen ist fast alles möglich. Bereits arbeitet die Wissenschaft an lebenden Zellen, aus denen künftig einmal künstliche Organe hergestellt werden sollen.

Die Figuren der Firma Pocketsizeme aus dem aargauischen Örtchen Stilli besitzen zwar kein pulsierendes Herz, sehen aber dennoch lebensecht aus. Das hat seinen Grund. Die Figuren entstehen durch das Einscannen von echten Menschen.

Ab 390 Franken

Für 390 Franken erhält man eine 10 cm hohe 3-D-Kopie von sich selbst. Wer es grösser mag, kann sich für 540 Franken eine 20-cm-Statue ins Regal stellen. Anders als bei der Konkurrenz seien die Figuren nicht nur detaillierter, sondern werden laut Geschäftsführerin Ulrike Kiese auch in Farbe ausgedruckt.

Nicht gerade ein Schnäppchen, wird sich manch einer vielleicht denken. Hinter der Herstellung steckt aber auch viel Arbeit und Know-how. «Der richtige Umgang mit den Geräten und das Zusammenspiel sind mit viel Erfahrung verbunden», sagt Kiese. Benötigt werden spezielle 3-D-Drucker, die fast jedes Haushaltsbudget sprengen. Hinzu kommen Computerprogramme, die für weitere Prozesse benötigt werden.

Haltung annehmen

Im Selbsttest lässt sich der Autor klonen. Vorab wird besprochen, ob die Kleidung passend ist und welche Haltung man einnehmen möchte. Ein gelbes T-Shirt sowie blaue Jeans stellen in meinem Fall kein Problem dar. Wie man sich hinstellt, ist egal - ob in Denker- oder Superman-Pose.

Beim Einscannen muss man stillstehen. Dabei steht man auf einem runden Podest, auf welchem ein Handscanner einen von allen Seiten erfasst. Das Ganze ist nach ein paar Minuten vorüber, kann aber je nach Komplexität und Anzahl Scans länger dauern.

Eine haarige Angelegenheit

Während der Körper wenig Probleme macht, sind die Haare ein anderes Thema. «Haare sind für den Scanner transparent, wie auch gewisse Stoffe», erklärt Kiese. «Wir haben aber einen Trick herausgefunden, um sie dennoch sichtbar zu machen.»

Trotz Geheimrezept gibt es für den Scanner Grenzen. So bleibt mein Oberhaupt beim ersten Versuch vollständig kahl. Der Einfachheit halber wird mein Wuschelkopf darum unter einer Kappe versteckt, was der Scanner dankend annimmt. Hat das Programm die Person erfasst, ist für den Kunden die Arbeit getan. Für Pocketsizeme hingegen fängt sie erst richtig an.

24 Stunden für eine Figur

Als Erstes muss eine Software die Informationen verarbeiten und die 6 bis 12 Millionen Polygone zusammenführen. Das dauert in der Regel rund eineinhalb Stunden. Von da an geht es weiter in die 3-D-Nachbearbeitung, bis die Figur printfähig ist. Der 3-D-Drucker moduliert anschliessend aus Gipspolymer und Keramik Schicht für Schicht die Figur und trägt die Texturfarbe auf. Der Vorgang kann eine Stunde dauern, bei komplexen Objekten aber auch wesentlich länger.

Nach dem Druck muss die Figur aus einem Bett von losen Verbundstoffen ausgegraben und gereinigt werden. In einem letzten Schritt wird sie in Sekundenleim getaucht. Dadurch härtet sie aus und die Farben erstrahlen in voller Pracht.

Im Blitzverfahren dauert die komplette Herstellung einer Figur 24 Stunden. Als Zielgruppe sehen die Klontechniker alle Bevölkerungsschichten. «Es ist ein Zeitdokument. Wenn man regelmässig kommt, kann man daraus ein richtiges Lebensprojekt machen», so Kiese.

Ob mein kleiner Mini-Me eines Tages einen Nachfolger erhält, bleibt abzuwarten. In der Zwischenzeit darf er mir daheim beim Zocken über die Schulter schauen.

Alle weiteren Informationen zu den 3-D-Porträtfiguren sind auf der Firmen-Website zu finden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Remi am 20.08.2013 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Nahaufnahmen

    Auf Ihrer Homepage zeigen sie keine Nahaufnahmen der Gesichter, nur die Figuren in relativ kleinen Bildern. Die wissen schon warum, denn die Auflösung lässt wirklich zu wünschen übrig. Also für die Angebotene Qualität viel zu teuer.

  • Daniel Küttel am 21.08.2013 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Cool aber teuer

    Mich erinnert das auch ein wenig an die Laserbilder die in ein Glaswürfel "gelasert" wurden und erstaunlich gut ausgesehen haben. Ich finde den Preis recht happig, aber die Figuren wirken sehr lebensecht. Coole Sache.

  • Michael P. am 21.08.2013 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Erotische Spielereien?

    Und wie lange wird es wohl gehen, bis ein Erotikanbieter diese Technik auch anbietet? Den oder die Liebste immer dabei und dann noch in einem heissen, aufreizenden Outfitt. Oder eben ohne ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 21.08.2013 16:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer....

    .....im fernen Osten gibt rs sowas schon lange. Zudem kostet es dort nicht einmal 80 Franken.

    • Rolf am 21.08.2013 21:24 Report Diesen Beitrag melden

      Reise in den fernen Osten?

      @Dani: Mal abgesehen von den unterschiedlichen Lohnkosten etc., die Reise in den fernen Osten erscheint mir etwas teuer. Vielleicht doch in der Schweiz machen lassen?

    • Arafat Dagi am 22.08.2013 11:37 Report Diesen Beitrag melden

      fern Ost! olé

      Im Internet kann man ein Foto hochladen, in 3D umwandeln, bezahlen und liefernlassen. der ferne Osten ist günstig Rolf! Egal was man sagt, auch die Qualität ist deutlich besser geworden! Die Seite gebe ich aber nicht. Da musst du schon selber suchen :-)

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  • Michael P. am 21.08.2013 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Erotische Spielereien?

    Und wie lange wird es wohl gehen, bis ein Erotikanbieter diese Technik auch anbietet? Den oder die Liebste immer dabei und dann noch in einem heissen, aufreizenden Outfitt. Oder eben ohne ;-)

  • Daniel Küttel am 21.08.2013 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Cool aber teuer

    Mich erinnert das auch ein wenig an die Laserbilder die in ein Glaswürfel "gelasert" wurden und erstaunlich gut ausgesehen haben. Ich finde den Preis recht happig, aber die Figuren wirken sehr lebensecht. Coole Sache.

  • nunez am 21.08.2013 00:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SUPER-Teuer

    eine tolle Sache, aber zu teuer!

  • Kati am 21.08.2013 00:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yeah

    Haben muss!!!