Lange Langeweile

12. Februar 2014 19:39; Akt: 13.02.2014 07:26 Print

Schüler lebt drei Tage ohne TV, PC und Handy

von Deborah Onnis - Wie fühlt es sich an, drei Tage lang ohne technische Geräte in seinem Zimmer zu verbringen? Der 16-jährige Michael Helbling ist überzeugt, dass er die Langeweile überleben wird.

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Für seine Abschlussarbeit wird sich Michael Helbling am Mittwoch um 10 Uhr für drei Tage in sein Zimmer abschotten und auf Beschäftigung mit technischen Geräten und Büchern verzichten. Damit will er Langeweile aktiv erleben. (Bild: Michael Helbling)

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Drei Tage ohne Beschäftigung mit technischen Geräten und ohne zwischenmenschliche Beziehungen – der 16-jährige Michael Helbling aus Dinhard ZH will für seine Abschlussarbeit wissen, wie sich Langeweile auf das Verhalten auswirkt. Der Selbstversuch will er in seinem ausgeräumten Zimmer durchführen und nur mit einer Digitalkamera sowie Stift und Papier das Experiment dokumentieren. Schon am Mittwoch wird sich der Schüler in sein Zimmer einsperren, und es nur für den Toilettengang jeweils kurz verlassen. Das Essen werden ihm seine Eltern ins Zimmer liefern.

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«Ich bin schon nervös», sagt der Oberstufenschüler. In seiner Freizeit sind technische Geräte wie TV, Smartphone und Computer nicht wegzudenken. An einem schulfreien Tag verbringt der 16-Jährige nach eigenen Angaben mindestens vier Stunden vor dem Fernseher und etwa drei am Computer. Das Handy ist natürlich immer zur Hand.

Durch Langeweile kreativ werden

Obwohl er einen solchen Entzug zum ersten Mal erlebt, ist der Jugendliche optimistisch: «Gefängnisinsassen in Einzelhaft überleben das ja auch.» Obwohl der Schüler - im Gegensatz zu einem Häftling - die Kontrolle über seine Isolation hat, ist der Vergleich gar nicht so weit hergeholt. «Isolierung kann auch als Foltermethode eingesetzt werden», sagt Professorin Alexandra Freund vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. Diese Wirkung wird ihrer Meinung nach Michael Helbling aber wohl nicht erleben. «Da er auch ein Stift und Papier hat, wird er sich damit beschäftigen können», so Freund. Er habe zudem ein Ziel und sehe einen Zweck hinter dem Versuch. Deshalb werde er sich sehr wahrscheinlich darüber Gedanken machen. «Wenn Langeweile eintritt, dann nur phasenweise», sagt die Professorin weiter.

Michael Helbling vermutet, dass die ersten Stunden zwar hart zu überbrücken sein werden, da ihm dann die Dauer des Versuchs bewusst wird. Nach dem Motto «Not macht erfinderisch» denkt Helbling aber, dass er seine Eindrücke – auch auf die unbedeutendsten Dinge im Raum – stärker und bewusster sammeln wird. «Vermutlich werde ich dann auch kreativer», so der 16-Jährige. Auch Professorin Freund ist überzeugt, dass der Versuch für die Testperson «sicher eine interessante Erfahrung mit sich selbst sein wird».

«Der Versuch würde sicher vielen Schülern guttun»

Gespannt auf das Resultat ist der Projektbetreuer Hanspeter Spälti von der Freien Schule Winterthur. «Es würde sicher vielen Schülern guttun, so etwas zu erleben», sagt der Lehrer, der einige Jugendliche als abhängig von modernen Medien einstuft. «So würden sie merken, dass das Leben auch ohne technische Geräte funktioniert.»

Bei seinem Schüler macht er sich keine Sorgen. «So zielstrebig wie ich ihn kenne, wird er es bestimmt durchziehen», so Spälti. Dann komme es darauf an, was er aus seiner Erfahrung macht. Helbling ist überzeugt: «Nach drei langen Tagen werde ich sicher alles viel mehr schätzen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stego Todic am 12.02.2014 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Wenn ich noch ein paar bücher zur verfügung hätte, würde ich da kein problem sehen. Ohne würde es vielleicht etwas trist, aber machbar...

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  • Mr. Stepper am 13.02.2014 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Das finde ich genial! Bei der heutigen Techniksucht... Da rechne ich mich voll ein, würde es sicher allen gut tun! Wobei ich persönlich lieber die Natur als ein Zimmer hätte. Bin sehr gespannt auf das Resultat, bitte bringt es;-)

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  • von gestern am 12.02.2014 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    mind 1 monat

    nur 3 tage? soll ich lachen? mind 1 monat !

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel H. am 14.02.2014 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verzichten auf was " Normales "

    Nun die Elektronik ist für Uns " Normal " geworden. Früher gab es 3 TV Programme und paar Radio Programme, früher wusste man noch wenn wer Anruft, das der Angerufene zu Hause ist, früher spielte man zusammen Gemeinschaftsbrettspiele, Kartenspiele, früher war die Küche der Lebensmittelpunkt. Heute bin ich immer und Überall Erreichbar, möchte nichts Verpassen, immer auf dem Laufenden sein, was passiert, was machen meine Freunde... jedoch Elektronisch ohne reale Soziale Bindung. Er wird schlafen, in Gedanken versinken, zeichnen, schreiben, Sport machen um sich mit sich selbst zu Beschäftigen.

  • Karl Erb am 14.02.2014 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Leistung??

    Ich finde es erschreckend, dass es anscheinend eine Leistung sein soll, drei Tage aus solche Dinge verzichten zu müssen. In den Achtzigern war es doch auch selbstverständlich, dass man die meisten dieser Dinge nicht hatte und das Fernsehprogramm hatte spätestens um 24.00 Uhr nur noch Schnee...

  • Bundesführer Christoph Blocher am 14.02.2014 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganze 3 Tage?? Wen interessierts?

    Langweilig

  • Karlsson am 14.02.2014 03:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wow, ehrgeizig

    Wenn man in den Wald gehen, Sport treiben oder Lesen könnte, so wäre das kein Problem. Aber ohne alles ist das eine andere Sache. Viel Spass.

  • Martin am 13.02.2014 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Twitter

    ironisch wäre wenn er davon stündlich über twitter berichten würde:-)