23. August 2007 11:45; Akt: 24.08.2007 15:18 Print

Schweizer Firmen stellen Kunden an den Web-Pranger

Wer nicht zahlt, findet seine persönlichen Daten im Internet wieder: So ging es Kunden, die auf studentbooks.ch offene Rechnungen hatten. Und das ebenso unzimperliche wie illegale Verfahren scheint Schule zu machen.

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Studentbooks.ch vertreibt Bücher für Studierende übers Internet. Unter den Kunden befinden sich anscheinend auch einige Zechpreller. Erzürnt über die schlechte Zahlungsmoral veröffentlichten die Betreiber kurzerhand eine Schwarze Liste der Zahlungsunwilligen. Initialen und die vollständige E-Mail-Adresse wurden publiziert und die säumigen Zahler so an den digitalen Pranger gestellt. Wer die Angaben googelt, kommt schnell an die kompletten Kontaktdaten.

Studentbooks.ch entschuldigt sich
Mit ihrer unzimperlichen Art stiessen die Betreiber aber inzwischen auf Widerstand. Auf der Webseite von bloggingtom.ch wurde zum ersten Mal über den Fall berichtet. Die Empörung liess nicht lange auf sich warten. Studentbooks.ch fühlte sich aufgrund der heftigen Reaktionen zum Handeln gezwungen und löschte die Liste wieder: «Ja, wir haben kalte Füsse bekommen und umgehend den Blogeintrag wieder geändert. Wir entschuldigen uns an dieser Stelle, dass wir die Absicht hatten, zukünftig eine Blacklist von Kunden mit enorm schlechter Zahlungsmoral zu ergänzen», ist inzwischen auf ihrer Webseite zu lesen.

Weit verbreiteter Web-Pranger
Studentbooks.ch steht aber mit ihrem Vorgehen nicht alleine da. So werden auch auf der Webseite der Naturheil-Egge - da werden unter anderem Bachblüten-Therapien und telepathische Tierkommunikation angeboten - Namen und Adressen von vermeintlichen Zechprellern veröffentlicht. Eine sehr ausführliche «Blacklist» mit Adressen und Telefonnummern von Schuldnern führt auch die Auktions-Plattform transcom-auktion.ch. Die Namen, Adressen und Telefonnummern von knapp 60 Personen waren da bis heute um 14:00 Uhr aufgelistet. Inzwischen haben die Betreiber aber reagiert und die Liste vom Netz genommen.

Illegales Vorgehen
Dieses Vorgehen verstösst gegen Artikel 15 des Datenschutzgesetzes. So ist auf der Webseite des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB) zu lesen: «Jegliche Veröffentlichung von Personendaten säumiger Zahlerinnen und Zahler, beispielsweise im Internet, oder die Publikation im Schaufenster verstösst gegen das DSG, da es dafür keinen Rechtfertigungsgrund gibt und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt wird.» Und Betroffenen wird geraten: «Fordern Sie die verantwortliche Person auf, diese Art der Publikation sofort einzustellen. Andernfalls haben Sie die Möglichkeit eine Klage zum Schutz Ihrer Persönlichkeit nach Art. 15 DSG einzureichen.»

Manuel Bühlmann, 20minuten.ch

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Christina Friedli am 23.08.2007 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz kann auch zu weit gehen

    An sich ist gegen die Veröffentlichen von Daten säumiger und gemahnter Kunden nichts einzuwenden, falls diese bereits vorher wussten, dass ihnen dies im Falle des Nichtbezahlens blühen kann. Zudem tragen alle übrigen Konsumenten die Verluste der Händler über erhöhte Preise mit.

  • Jürg Hassler am 23.08.2007 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zahlungsmoral

    Die Zahlungsmoral wird immer schlechter und es sollte den Leuten durchaus peinlich sein, wenn sie Dienstleistungen oder Produkte ohne zu bezahlen beziehen. Ich bin absolut dafür diese Namen zentral zu veröffentlichen.

  • jules arnold am 23.08.2007 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    endlich etwas gegen "Täterschutz"

    Hoffentlich gibt es bald auch ein solches Register für Mietschmarotzer! Es wäre Schutz für die ehrlichen Mieter!

Die neusten Leser-Kommentare

  • am 18.09.2007 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Es besteht ein Unterschied

    Ein finanzieller Engpass kann sich schnell ergeben, da habe ich Verständnis dafür. Aber Waren zu kaufen und sich dabei schon bewusst zu sein, dass man die Rechnung NIE bezahlen wird ist in meinen Augen Diebstahl. Warum dies nicht geahndet wird, ist mir schleierhaft. Scheinbar reichen seitenlange B

  • peter am 28.08.2007 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    schuldenfalle

    viele internet shops legen es ja darauf an das mann viel bestellt! ich weiss nur zugut wie gross die verführung ist wenn man jung ist und praktisch kein geld hat! vorkasse ist eigentlich die beste idee für geprellte!!!

  • noname am 27.08.2007 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht hilfts?

    Auf Verdacht wegen vorsätzlichem Betrug gemäss StGB Art. 146 etc.

  • noname am 27.08.2007 21:20 Report Diesen Beitrag melden

    @roger

    ok, und wer bitte schützt die Ehrlichen? Ach ja, ich vergass Justitia trägt ja die Augen verbunden! Es gibt auch ein Gesetz auf vorsätzlichen Betrug am Vermögen eines Geschäftinhabers! Treu und Glauben wir da mit genaus gehandelt, wie die Möglichkeit eine Strafklage zu machen!

  • Roger am 27.08.2007 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    ja, aber....

    ...nichtsdestotrotz haben wir in der Schweiz ein geltendes Recht, welches nicht einfach verletzt werden darf. Es gibt in der Schweiz verschiedene Mechanismen, welche das Debitorenrisiko für minimieren (Vorkasse, Inkassoinstitute usw.) Und wer garantiert die Richtigkeit dieser "Prangereinträge"?