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13. März 2013 12:29; Akt: 13.03.2013 13:31 Print

So stirbt ein soziales Netzwerk

ETH-Forscher analysieren den Todeskampf eines sozialen Netzwerks. Auch Facebook drohe eine Abwanderungswelle, sobald der Aufwand den Nutzen der User übersteige.

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2002 ging Friendster an der Start. Es hatte bis 100 Millionen Nutzer und war bis 2004 das grösste soziale Netzwerk. 2011 wurde es eingestellt. (Bild: Friendster)

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Die Gleichung ist einfach: Soziale Netzwerke können sich auflösen, wenn der Aufwand den Nutzen für die Mitglieder übersteigt. Dann kann eine Kaskade von Austritten in Gang kommen, stellten Forscher der ETH Zürich in einer Studie zum Untergang des Pionier-Netzwerks Friendster fest. Ähnliche Studien könnte man für andere einst weit beliebtere Social Networks wie MySpace oder StudiVZ durchführen.

Auch Facebook wäre gegen einen solchen Exodus nicht gefeit, glauben die Forscher um Frank Schweitzer von der Professur Systemdesign der ETH Zürich. Sie analysierten in einem Fachartikel mit dem Titel «Die Autopsie von Friendster» auf der Onlineplattform arXiv.org die Gründe für den Aufstieg und Untergang von sozialen Netzwerken.

100 Millionen User retten ein Netzwerk nicht

Sie verglichen dafür mit Modellrechnungen die Plattform Friendster, die zur Blütezeit 100 Millionen Benutzer hatte und 2011 wegen massiver Mitglieder-Flucht geschlossen werden musste, mit den vier aktiven Netzwerken Facebook, Orkut, Livejournal und MySpace.

Zwei Faktoren bestimmen demnach die Widerstandsfähigkeit eines sozialen Netzwerks, wie die ETH am Mittwoch auf der Online-Plattform «ETH Life» schrieb. Zum einen spielt das Aufwand-Nutzen-Verhältnis eine Rolle, zum anderen, wie stark die User untereinander verknüpft sind.

Auch Facebook droht die Friendster-Falle

So verschlechterte das Redesign von Friendster 2009 die Benutzbarkeit und führte zu technischen Problemen. Damit sank das Aufwand-Nutzen-Verhältnis der User. Bietet dann die Konkurrenz etwas Besseres an, wechseln die ersten die Online-Community. Ihnen folgen andere, die mit den Ausgetretenen verbunden waren.

Diese Abwanderungskaskade könne jedem Netzwerk drohen, schreiben die Forscher - zum Beispiel Facebook, das eben seine Benutzeroberfläche überholt hat. «Facebook ist weniger robust gegenüber solchen Kaskaden, als man vielleicht annehmen könnte», schliesst Mitautor Pavlin Mavrodiev aus den Modellrechnungen mit Teilen der Facebook-Benutzerdaten.

Die Forscher erwarten, dass sich mit ihrer Methode abschätzen lasse, welche Auswirkungen das jüngste Redesign von Facebook auf die Mitgliederzahlen haben werde.

Vernetzung der User zentral

Widerstandsfähig ist ein Netzwerk laut den Forschern dann, wenn sich die Kaskade eindämmen lässt. Das hängt davon ab, wie gut die User untereinander verknüpft sind: Je weniger Kontakte jemand noch hat, desto höher ist der Aufwand und tiefer der Nutzen für die Benutzung des Netzwerks. In so einem Fall wird eine Abwanderungswelle kaum aufzuhalten sein.

Viele Nutzer zu haben sei demnach alleine keine Garantie für das Überleben einer Online-Community. Allerdings brauche auch nicht jedes soziale Netzwerke eine starke Vernetzung der Mitglieder, erklärte Mavrodiev. Die User von YouTube beispielsweise seien kaum vernetzt, dafür sei das Aufwand-Nutzen-Verhältnis sehr gut.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Daniel am 13.03.2013 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die Benutzer kümmert das doch nicht

    Ich glaube nicht, dass ein soziales Netzwerk so anfällig ist. Die Benutzer kümmer das doch nicht. Sonst wären doch schon tausende von Facebook weg, nur weil sie Mark Zuckerberg öffentlich als "dumb fu**s" benennt. (Wers nicht glaubt google selbst danach.) Und wenn alle "Freunde" abwandern, dann geht man halt zum nächsten.

  • m. müller am 13.03.2013 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    fb ist ein muss unter studenten

    wer kein fb hat wird nicht zu parties und andere aktivitäten eingeladen. das ist gang und gäbe unter studenten. dementsprechend ist es genau so wichtig ein fb account zu haben wie eine email adresse. wenn dies systemübergreifend ginge, zb mit G+ oder sonst was, dann würde ich auch keinen vorteil mehr an fb sehen. was ich mich dauernd frage ist, wer um himmels willen überhaupt mal auf die werbung klickt. dass dieses businessmodell funktionieren kann ist ein grosses fragezeichen.

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  • DirtyNetwork am 13.03.2013 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nutzlos

    Gibts Facebook noch..??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • exeswiss am 14.03.2013 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    FB in 5 Jahre tot!

    Das ist meine Prognose. FB ändert ständig die Nutzungsbedienungen, schaltet immer mehr Werbung auf und ändert ständig das Design. In meinem Umfeld gibt es immer mehr Leute welche sich von FB zurückziehen. Ich werde es auch bald tun...

  • Zenun am 14.03.2013 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt nicht ganz

    Die Forscher haben die smartphones und tablets übersehen. In der Myspace Zeit hatte nicht jeder ein smartphone. Heute schon. Das macht viel aus, ob ein Online(in dem Fall) Facebook Profil bestehen bleibt oder nicht.

    • hugga am 14.03.2013 11:57 Report Diesen Beitrag melden

      FB nicht nötig

      quatsch...hatte auch FB, und musste einsehen, dass die wahren Freunde täglich getroffen werden - und alle anderen können mich eh...von dem her...FB ist unbrauchbar...

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  • armin d. am 14.03.2013 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    facebook werbung

    gegen werbung gibts auch werbeblocker wie adblock.auf dem pc nützt das ich habe keine werbung auf fb

  • benno ohnesorgen am 14.03.2013 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    The Wall

    super, wenn facebook untergeht gibt es wieder mehr freiheit. Naja, vielleicht....., wenn da nicht google und co. waeren. Die naechste Generation ist nicht mehr so bloed sich vollkommen preiszugeben. The Kids are all right !

  • Lieschen Müller am 13.03.2013 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten und auflösen...

    Soziale Internet-Netzwerke sollten verboten und aufgelöst werden da unsinnig, unwichtig, unnötig und gefährlich!

    • lukas am 14.03.2013 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz sinnlos

      stimmt beinahe, denn für eine sache ist facebook sehr praktisch... neue leute kennen lernen wird zum kinderspiel. ebenfalls ist es einfach heraus zufinden wo man z.b. in am wochenende hingehen möchte.

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