JAMES-Studie

28. Februar 2011 19:57; Akt: 01.03.2011 09:11 Print

So viel surfen Jugendliche wirklich im Web

Internet und Handy haben das Fernsehen bei der Mediennutzung Jugendlicher klar abgelöst. Doch wie nutzen sie das Web?

Die Aufzeichnung der Podiumsdiskussion zur neuen JAMES-Studie am 28. Februar im Stapferhaus in Lenzburg.
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Über die «Generation Internet» kursieren viele Geschichten. Aber wie klickt und tickt jene Generation wirklich, die mit Handy und Internet aufwächst? Erst mal vorweg: Die Schweiz kann aufatmen. Keinesfalls wachsen hierzulande nur soziophobe Menschen heran, die direkten Kontakt scheuen und nur noch via Internet mit anderen kommunizieren. So steht bei den häufigsten Freizeitbeschäftigungen, die nicht den Medienkonsum betreffen, sowohl bei Jungen wie bei Mädchen das Treffen von Freunden mit deutlichem Vorsprung auf Platz eins, gefolgt von «Sport treiben» und «nichts tun».

Die Studie zeigt, dass Handy und Internet inzwischen deutlich häufiger genutzt werden als das Fernsehen. An erster Stelle hinsichtlich der Mediennutzung steht bei Schweizer Jugendlichen das Handy, an zweiter Stelle die Nutzung von Internetdiensten und anschliessend (in absteigender Reihenfolge) MP3 hören, Fernsehen, Musik-CD, Radio, Tageszeitung und Computer- und Videogames. Computer- und Videogames werden von Knaben häufiger genutzt als von Mädchen. Drei Viertel der Befragten haben einen eigenen Computer. 95 Prozent haben von zuhause aus Zugang zum Internet. Diesen nutzen die Jugendlichen rege: An Wochentagen wird durchschnittlich 2 Stunden und 5 Minuten im Internet gesurft, an freien Tagen knapp eine Stunde mehr (3 Stunden und 1 Minute).

Das ist das Ergebnis der «James-Studie 2010» für die 1000 Schweizer Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren befragt wurden. Der Medienpsychologe Professor Daniel Süss von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) stellte am Montag die erste umfassende Jugend-Mediennutzungsstudie für die Schweiz vor. Im Interview erklärt er, welche interessanten Einblicke ins digitale Leben der Jugendlichen die Studie bringt.

Welches sind die zentralen Erkenntnisse von JAMES?
Prof. Daniel Süss:Handy und Internet sind zu unverzichtbaren Medien für die Jugendlichen geworden und haben das Fernsehen als Leitmedium abgelöst. Zahlreiche Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren bewegen sich zudem regelmässig auf Social Network Sites wie Facebook. Dabei gehen sie mit ihren Daten und ihrer Privatsphäre zu sorglos um. Hier zeigt sich, dass sich Jugendliche – auch wenn sie die neuen Medien teilweise technisch virtuos beherrschen – nicht immer angemessen im Internet bewegen.

Gibt es grundlegende Unterschiede bei den Ergebnissen von Jungen und Mädchen?
JAMES zeigt, dass Mädchen die neuen Medien eher kreativ nutzen, gestalten selber eigene Produkte, während bei den Knaben Games eine zentrale Rolle einnehmen.

Was hat Sie besonders überrascht?
Überraschend sind die doch erheblichen Unterschiede zwischen den Sprachregionen. Zum Beispiel ist Surfen ohne bestimmtes Ziel unter Tessiner Jugendlichen besonders verbreitet und in der Deutschschweiz eher weniger. Die Jugendlichen aus der Westschweiz liegen dazwischen. Auch in Bezug auf den Umgang mit Privatsphäre zeigen sich erhebliche sprachregionale Unterschiede.

Denken und handeln so genannte Digital Natives, also Jugendliche, die selbstverständlich mit Internet und Handy aufwachsen anders als Digital Immigrants, die ohne neue Medien aufgewachsen sind?
Ein grosser Unterschied ist sicher, dass so genannte Digital Natives Aufgaben eher spielerisch, nach dem Prinzip Versuch und Irrtum angehen. Sie gehen auch mit ihrer Privatsphäre sorgloser um als Erwachsene. Die älteren Generationen haben grössere Bedenken und Berührungsängste gegenüber den neuen Medien. Es geht aber nicht darum die unterschiedlichen Denkmuster gegeneinander auszuspielen. Vielmehr liegt darin eine Chance. Jugendliche haben andere Lern- und Handlungsstrategien als Erwachsene. Erwachsene verfügen über eine andere Lebenserfahrung. Beide Seiten können voneinander profitieren und lernen.

Warum erscheint JAMES gerade jetzt?
In den letzten Jahren wurde eine grosse öffentliche Debatte zum Thema Jugendmedienschutz entfacht. Auch in der Politik. Es wurde beispielsweise eine Motion für ein Verbot sogenannter Killerspiele eingereicht oder ein Medienführerschein gefordert. Der Bundesrat hat zudem im Juni vergangenen Jahres ein nationales Programm für Jugendmedienschutz und Medienkompetenzen lanciert. Um sinnvolle Massnahmen im Bereich Jugendmedienschutz zu ergreifen, braucht es verlässliche Daten, welche JAMES nun liefert.

(oku)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • g.star. am 28.02.2011 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit...

    Das Beste Alter ist meiner Meinung nach um die 25-30. Wir sind seit den anfängen des Internets dabei und waren jugentlich, sprich wir konnten das Ganze schnell auffassen und weiterverfolgen und sind auch mit der Entwicklung vertraut geworden. Klar es gibt auch ältere Kaliber die sich tagtäglich damit auseinandersetzen und ohne Probleme damit zurechtkommen. Wenn man seit Beginn dabei ist ist man auch damit sensibilisiert. Die heutigen jugendlichen sind das aber leider nicht mehr. Die schiessen einfach drauf los,wissen zwar wies funktioniert aber haben null Spührsinn für Datenschutz und Probleme

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  • beny am 01.03.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    doofe Kommentare - wenn interessieren kleine Fehle

    Finde es sehr komisch, dass über 50% der Kommentare auf sogenannte Fehler in der Grafik hinweisen (die eigentlich keinen interessieren) und nicht Bezug auf das Thema nehmen. Meiner Meinung nach müsste man MP3's, CD's etc. auch mit Apostroph schreiben und "Computer-. und Videogames" (Nach dem Bindestrich ein Punkt, da es den zweiten Wortteil "games" ersetzt und dazwischen ein "und" und nicht ein "/") Habe ich mal so in der Schule gelernt. Aber ehrlich gesagt "Who cares", jeder macht mal Fehler. Finde es aber gut, dass 20min sich kritisieren lässt und das auch freischaltet.

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  • Klugscheisser am 28.02.2011 16:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlerhafte Diagramme

    1. Camputer-/Videogames: Was ist ein Camputer? 2. Wieso sind die Farben (für Mädchen/Jungs) in den beiden Diagrammen unterschiedlich!?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 01.03.2011 16:08 Report Diesen Beitrag melden

    Privatsphäre vs. Facebook

    Ich kenne ein Teeniepaar (19/20), welches sich jeden Tag auf Facebook sagen muss, wie toll sie den anderen finden etc. Entsprechende Bilder gibt es auch dazu. Wenn man sie zum Thema Privatsphäre anspricht, haben sie das Gefühl, dass man ihnen das Glück nicht gönne. Ich finde es traurig, dass die Teenies teilweise so blind gegen die Wand fahren mit ihren Daten...

  • Roland Wittwer, Sozialinformatiker am 01.03.2011 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Spannende sprachregionale Unterschiede

    Mit der JAMES-Studie ist ein Meilenstein geschafft. Bislang mussten viele Verhaltensweisen aus deutschen Studien adaptiert werden. Ich habe die Ergebnisse der JAMES-Studie mit Spannung gelesen und war in besonderem Masse von den starken sprachregionalen Unterschieden in der Handy-Nutzung überrascht. Obschon unsere Mobilfunkanbieter bei den Abos keine sprachregionalen Unterschiede kennen, zeigt die Anwendung deutliche Unterschiede. Deutschsprachige Schweizer Jugendliche kommunizieren, im Vergleich zu Ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie und dem Tessin, bedeutend weniger mit dem Handy

  • Rene am 01.03.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    wieso eigentlich nur die jugendlichen ? Die erwachsenen sitzen ebenfalls viel mehr vor dem PC als früher. Es gab früher nämlich gar keine PC's. Traurig ist nur, wenn jemand über 700 Facebookfreunde hat, aber niemand beim zügeln hilft.........

    • chris am 01.03.2011 15:58 Report Diesen Beitrag melden

      ...

      ...und wie viele dieser 700 "Freunde" kennt derjenige wirklich???

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  • beny am 01.03.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    doofe Kommentare - wenn interessieren kleine Fehle

    Finde es sehr komisch, dass über 50% der Kommentare auf sogenannte Fehler in der Grafik hinweisen (die eigentlich keinen interessieren) und nicht Bezug auf das Thema nehmen. Meiner Meinung nach müsste man MP3's, CD's etc. auch mit Apostroph schreiben und "Computer-. und Videogames" (Nach dem Bindestrich ein Punkt, da es den zweiten Wortteil "games" ersetzt und dazwischen ein "und" und nicht ein "/") Habe ich mal so in der Schule gelernt. Aber ehrlich gesagt "Who cares", jeder macht mal Fehler. Finde es aber gut, dass 20min sich kritisieren lässt und das auch freischaltet.

    • chris am 01.03.2011 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      Rechtschreibung

      Punkt nach einem Bindestrich? Habe ich nie gehört (und ich hatte in der Schule sowohl mit alter als auch mit neuer Rechtschreibung zu tun). Im Weiteren wimmelt es bei dem ach so tollen Staatssender auf der Homepage ebenfalls von Schreibfehlern. Das kommt davon, wenn die Aktualität wichtiger ist als der Lektor.

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  • p.starz am 28.02.2011 22:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wir gehen mit der Zeit

    @gstar was heisst hier: Die heutigen jugendlichen sind das aber leider nicht mehr ? damals als wir den ersten PC bekamen..war ich 8 jahre alt..jetzt bin ich 19..das waren die windows 98 zeiten. ich kenne mich sehr gut aus im Internet......oder meinst du mit der heutigen jugend die 10jährigen? Was mich am meisten stört ist, dass schon 9-11jährige einen Facebook account besitzen und schon mit dem Handy irgendwas herumblödeln. einfach schrecklich.

    • chris am 01.03.2011 16:03 Report Diesen Beitrag melden

      Babys im Internet

      ...fast genau schlimm ist, dass 80% aller Neugeborenen (!) bereits im Internet auftauchen!

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