Fehlalarm

31. März 2011 11:34; Akt: 31.03.2011 14:07 Print

Spioniert Samsung die Kunden aus?

Auf zwei neuen Modellen des Notebook-Herstellers soll angeblich eine ab Werk installierte Keylogger-Software entdeckt worden sein. Dies hat sich als Falschmeldung entpuppt, wie Samsung klarstellt (Update).

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Viel Lärm um nichts? In den letzten Stunden ist eine alarmierende Meldung über Spionage-Software auf Samsung-Rechnern durchs Netz gegeistert. Es könnte sich aber auch um den fatalen Irrtum eines Computer-Sicherheitsexperten handeln. (Bild: Keystone)

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Keylogger-Programme sind Spionage- und Überwachungstools. Mit einer solchen Software lassen sich sämtliche Tastatureingaben des Computer-Nutzers protokollieren und Screenshots machen. Anschliessend können die heimlich gemachten Aufzeichnungen per E-Mail an einen zuvor festgelegten Empfänger verschickt werden - ohne dass der betroffene User etwas bemerkt.

Eine solche Spionage-Software ist nun angeblich auf Samsung-Laptops gefunden worden. Der Sicherheitsexperte Mohamed Hassan hat sie entdeckt und die alarmierende Beobachtung in einem Beitrag auf networld.com publik gemacht. Betroffen sind demnach zwei neue Laptop-Modelle der südkoreanischen Firma: Auf dem R525 und dem R540 habe er das gut versteckte Programm «StarLogger» entdeckt, schreibt der IT-Experte. Er hat Samsung mit der Erkenntnis konfrontiert. Die Support-Abteilung stritt zunächst die Existenz einer solchen Software ab, doch Mohamed Hassan liess nicht locker. Schliesslich erhielt er doch eine ziemlich überraschende Antwort: Die ab Werk installierte Keylogger-Software helfe dabei, die Leistung und Nutzung der Notebooks zu überwachen.

Etwas später krebste die Presseabteilung von Samsung wieder zurück. Man nehme diesen Fall sehr ernst, sagte ein Unternehmenssprecher gegenüber Networld. Samsung habe keinerlei Beziehungen zu der Firma, die den StarLogger entwickelt habe und habe auch nicht vom Spionage-Programm auf den neuen Notebooks gewusst. Der Fall müsse nun gründlich untersucht und aufgeklärt werden.

Alles nur ein Irrtum?

Hassan hatte den Keylogger entdeckt, als er nach dem Kauf des Rechners ein Sicherheitsprogramm laufen liess und einen kompletten Systemscan durchführte. Dabei wurden angeblich Beweise für die Existenz des Keyloggers gefunden. Inzwischen werden aber auch Stimmen laut, die von einem Irrtum mit bösen Folgen sprechen. Gemäss einem Bericht des koreanischen Newsportals samsungtomorrow.com hat die von Hassan verwendete Sicherheitssoftware eine von Microsofts Live-Dienst erstellte Datei fälschlicherweise für einen Keylogger gehalten. Der Ordner «SL» soll demnach nicht für StarLogger stehen, sondern für slowenische Sprachdateien.

Eine offizielle Stellungnahme von Samsung zu dieser jüngsten Entwarnungs-Meldung steht noch aus.

Update 13.30 Uhr:

Samsung Schweiz hat inzwischen offiziell bestätigt, dass es sich um einen Fehlalarm handle. Dieser Fehlalarm sei durch das Anti-Viren-Programm VIPRE ausgelöst worden. Auf den Samsung-Geräten sei keinerlei Spionage-Software installiert, betont die Samsung-Sprecherin. Samsung-Mitarbeiter rund um den Globus seien zurzeit damit beschäftigt, die ursprüngliche Falschmeldung, die von vielen Medien ungeprüft weiterverbreitet wurde, zu berichtigen.

(dsc)