Unfälle beim Fotografieren

24. Juli 2019 11:30; Akt: 24.07.2019 12:46 Print

Tod wegen Selfie – 259 Personen starben wie sie

Weltweit sterben mehr Menschen bei Selfie-Aufnahmen als bei Haiangriffen. Die Todesopfer sind meist männlich.

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Die als Bikini-Bergsteigerin bekannte Taiwanerin Gigi Wu kam beim Sturz in eine Schlucht ums Leben. Zwischen Oktober 2011 und November 2017 starben weltweit mindestens 259 Menschen bei Selfie-Aufnahmen. Die indische Fachzeitschrift «Journal of Family Medicine and Primary Care» hat dazu recherchiert. Frauen machen im Schnitt mehr Selfies als Männer. Doch die Todesopfer waren zu drei Viertel Männer. Sie ertranken, stürzten oder wurden in Unfälle verwickelt. Auch in der Schweiz kam es schon zu Selfie-Unfällen. Wie im Mai, als ein 35-jähriger Mann beim Creux-du-Van in den Tod stürzte. Offenbar ist er ausgerutscht,... ...als er mit dem Smartphone ein Foto machen wollte. Die senkrechten Felswände sind 160 Meter hoch. Auch der Rheinfall in Neuhausen zieht viele Besucherinnen und Besucher an. Für das perfekte Selfie klettern Wagemutige über das Geländer bei der Aussichtsplattform und posieren dann auf den Steinen im Fluss. Dabei begeben sie sich immer öfter in Lebensgefahr. Bei der Verwaltungspolizei Neuhausen und beim Polizeiposten am Rheinfall ist das Problem bekannt – nur machen könne man fast nichts dagegen. La Passerelle de l'Utopie am Neuenburgersee ist ein beliebtes Fotosujet. Für einen Jugendlichen endete die Jagd nach dem besten Selfie allerdings im Spital. Bekanntes Ausflugsziel: la Passerelle de l'Utopie am Neuenburgersee. Beim Fotografieren hatte er sich nicht mehr halten können und war in den See gestürzt. Beim Sturz zog sich der Jugendliche Verletzungen an Kopf und Oberkörper zu - unklar ist, ob er auf ein Betonelement oder die Steine am Grund des Sees prallte. Vom Unfallort wurde er ins Spital gebracht – konnte dieses am gleichen Abend aber wieder verlassen.

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Selfies können tödlich enden. Die indische Fachzeitschrift «Journal of Family Medicine and Primary Care» hat dazu recherchiert. Demnach starben zwischen Oktober 2011 und November 2017 weltweit mindestens 259 Menschen bei Selfie-Aufnahmen. 50 Menschen wurden im gleichen Zeitraum durch Haie getötet.

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Frauen machen im Schnitt mehr Selfies als Männer. Doch die Todesopfer waren zu drei Vierteln Männer. Sie ertranken, stürzten oder wurden in Unfälle verwickelt.

Indien
Mit 159 Toten an der Spitze

An der Spitze der Statistik steht Indien. 159 Menschen starben dort beim Versuch, sich selbst zu fotografieren. Das entspricht mehr als der Hälfte der weltweiten Todesfälle. Der überwiegende Teil der 1,3 Milliarden Inder ist jung und Gruppenfotos sind sehr beliebt.

Mehrere Jugendliche kamen in Indien zu Tode, als sie beim Gruppen-Selfie vom Zug erfasst wurden oder ihr Boot genau in dem Moment sank, als sie auf den Auslöser drückten. Die Behörden schlugen Alarm und richteten Zonen ein, in denen Selfies verboten sind – 16 allein in Mumbai, der grössten Stadt des Landes.

Russland
Selfie mit Landmine

Mit 16 Todesfällen nimmt Russland mit grossem Abstand den zweiten Platz in der Statistik der Todesfälle ein. Menschen stürzten mit dem Smartphone in der Hand von Brücken und Hochhäusern oder erschossen sich versehentlich.

In einem Fall endete der Versuch, ein Selfie mit Landmine aufzunehmen, tödlich. Um weitere Unfälle zu vermeiden, gab die Polizei 2015 einen Ratgeber mit dem Titel «Selfies ohne Gefahr» heraus.

Schweiz
Tödlicher Vorfall im Mai

In der Schweiz kam es im Mai zu einem tödlichen Selfie-Unfall. Ein 35-jähriger Mann aus dem Wallis hatte das beliebte Ausflugsziel Creux-du-Van im Kanton Neuenburg besucht.

Als der Walliser ein Foto mit seinem Smartphone machen wollte, soll er den Halt verloren haben. Der Mann rutschte aus und stürzte in den Tod. Die aufgebotenen Rettungskräfte fanden den Mann am Fuss der Felswand. Die senkrechten Felswände des Creux-du-Van sind 160 Meter hoch.


Die senkrechten Felswände sind etwa 160 Meter hoch. (Bild: Keystone)

USA
Mit Waffe vor Kamera erschossen

In den USA starben 14 Menschen beim Selfieknipsen – die meisten erschossen sich, als sie mit Waffe vor der Handykamera posierten. Mehrere Menschen stürzten im Grand Canyon zu Tode.

Kroatien
Rettungskräfte warnen Touristen

In Kroatien warnen die Rettungskräfte Touristen via Twitter, «dumme und gefährliche Selfies» aufzunehmen, nachdem ein kanadischer Urlauber im Nationalpark Plitvicer Seen aus 75 Metern Höhe stürzte – und wie durch ein Wunder überlebte.

Im Januar kam die als Bikini-Bergsteigerin bekannte Taiwanerin Gigi Wu beim Sturz in eine Schlucht ums Leben. Die 36-Jährige hatte im Internet mit ihren Selfies für Aufsehen gesorgt, auf denen sie im Bikini auf Berggipfeln posierte.


Gigi Wu posierte im Bikini auf Berggipfeln. Im Januar stürzte sie dabei in eine Schlucht und starb. (Bild: Instagram)

Deutschland
Sprung aus vier Metern Höhe

Vor vier Jahren verletzte sich eine Elfjährige in Schwäbisch Hall schwer, weil sie offenbar ein spektakuläres Foto von sich machen wollte. Das Mädchen sprang aus knapp vier Metern Höhe von einer Brücke und landete auf steinigem Untergrund.

In Bremen verletzte sich ein 14-Jähriger lebensgefährlich, als er 2017 Selfies auf einem Oberleitungsmast schoss. Er erlitt einen Stromschlag und musste mehrfach operiert werden.

China
Schilder verbieten Selfies

Auch in Hongkong verbieten Schilder am sogenannten Monsterhaus im Stadtteil Quarry Bay Selfies. Nicht weil dort jemand beim Fotografieren zu Tode gekommen wäre, sondern weil die Bewohner des engen bunten Hochhauses die Horden Selfie-Touristen einfach satthatten.


Das ist das sogenannte Monsterhaus im Stadtteil Quarry Bay Selfies. (Bild: Instagram)

Frankreich
Gehässige Kommentare auf Instagram

Auch die Anwohner der malerischen Rue Cremieux in Paris setzen sich gegen den Massenauflauf zur Wehr. Nicht mit Verbotsschildern, sondern indem sie die Fotos mit den absurdesten Selfie-Posen mit gehässigen Kommentaren versehen und auf Instagram veröffentlichen.

(afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 24.07.2019 12:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mein Mitleid

    hält sich in Grenzen

    einklappen einklappen
  • Dr. SJ am 24.07.2019 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Priorität

    Wenn ein Selfie das Leben wert sei

    einklappen einklappen
  • Neumann am 24.07.2019 12:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung?

    Lieber tot als kein einmaliges, unnachahmbares Selfie, werden sich viele dieser Leute sagen. Maximale Selbstvermarktung eben. Kein Mitleid, wer einfachste physikalische Gesetze missachtet.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gary Gordon am 24.07.2019 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstdarstellung

    Die Selbstdarstellung gehört im Zeitalter von Facebook, Instagram und Twitter zum kleinen digitalen Einmaleins, ohne Selfies und selbstreferenzielle Videoclips bekommt man kaum Likes. Wer aber wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlassen will, muss sich mittlerweile etwas mehr Mühe geben. Grinsen und Posen vor der Smartphone-Kamera reichen nicht aus, um eine Kunst-Figur zu werden. Es gibt Leute, die Freizeitaktivitäten schon nach ihrer Verwertbarkeit auf Instagram, Facebook und Twitter planen. Lässt sich das Ereignis medial nicht gut umsetzen, lässt man es womöglich gleich bleiben.

  • Peter Wüthrich am 24.07.2019 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht jedes Foto=Selfie

    Es ist im Fall nicht jedes Foto, auf dem ein Mensch drauf ist, ein Selfie. Nume so.

  • Peter Vogel am 24.07.2019 14:33 Report Diesen Beitrag melden

    Charles Darwin

    Daumen hoch von Charles Darwin

  • Selina am 24.07.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Selfie

    Verkehrstote wegen selfies werden in dieser Statistik offenbar nicht mitgeführt, sonst wäre die Zahl wesentlich höher.

  • Johnny am 24.07.2019 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Ach wie wunderschön natürliche Selektion ist. Und wir Menschen wollen dies unbedingt verhindern. Traurig.