Betreiber verhaftet

08. Juni 2011 15:00; Akt: 08.06.2011 17:19 Print

Todesstoss für kino.to

Auf der populären Movie-Streaming-Site kino.to prangt eine ungewöhnliche Mitteilung. Die deutsche Kriminalpolizei hat zugeschlagen.

storybild

Anstelle eines grossen Angebots an aktuellen Kinofilmen erwartet die Besucher von kino.to eine Botschaft der Polizei. (Screenshot: 20 Minuten Online)

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Heute bei uns, morgen im Kino!» Dieser Werbespruch von Kino.to ist passé. Die populäre Movie-Streaming-Site ist vom Netz. Die deutsche Kriminalpolizei hat mehrere Betreiber festgenommen. Wegen des «Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerbsmässigen Begehung von Urheberrechtsverletzungen».

Die Polizei richtet eine Warnung an die Besucher der Plattform: Wer widerrechtlich «Raubkopien» von Filmen hergestellt oder vertrieben habe, müsse mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.

Hinter den Ermittlungen steht die Staatsanwaltschaft Dresden. In einem europaweit koordinierten Einsatz fanden Hausdurchsuchungen in Deutschland, Spanien, Frankreich und den Niederlanden statt, wie die deutsche Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) mitteilte.

Domain beschlagnahmt

Allein in Deutschland hätten über 250 Polizisten und Steuerfahnder sowie 17 Datenspezialisten bundesweit zeitgleich über 20 Wohnungen und Geschäftsräume und Rechenzentren durchsucht. 13 Personen seien verhaftet worden. Nach einer Person werde gefahndet.

Die Polizei hat die Domain «kino.to» beschlagnahmt. Mehrere sogenannte Streamhoster, bei denen die auf den Portalen verlinkten Film-Kopien abgelegt sind, seien von den Behörden vom Netz genommen worden.

Es ist dies nicht der erste Schlag der Filmindustrie gegen «Raubkopierer», die die neuen Spielfilme noch vor dem Kinostart im Internet verbreiten. Die Betreiber von Streaming-Seiten liefern sich seit Jahren ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei. In Österreicht hat erst kürzlich ein Gericht eine Kino.to-Zugriffsperre verfügt.

Legal oder illegal?

Laut eigenen Angaben zählte kino.to um die vier Millionen Nutzer. Mit strafrechtlichen oder zivilrechtlichen Konsequenzen müssen sie nicht rechnen, wie ein deutscher Anwalt gegenüber golem.de erklärte. «Aus meiner Sicht haben die Nutzer von kino.to schon keine Straftat begangen, da der reine Konsum von Streamingdiensten nicht rechtswidrig ist. Das gilt jedenfalls immer dann, wenn keine Kopie des Streams auf dem eigenen Rechner hergestellt wird.»

Allerdings wird diese Meinung nicht von allen Juristen geteilt. Die Filmindustrie vertritt die Auffassung, dass schon das Zwischenspeichern eines Films im flüchtigen Arbeitsspeicher des Computers als illegale Kopie anzusehen ist. Diese Frage sei noch nicht von den Gerichten geklärt worden, heisst es.

(dsc)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf am 08.06.2011 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Diese Doppelmoral der deutschen Behörden ist wieder Mal ein ideales Beispiel eines perfekt funktionierendes Rechtsstaates: virtuelle Daten kann man gar nicht "stehlen" wurde bei der Steuer CD behauptet und mit was haben wir es bei kino.to zu tun?

  • nonsense am 08.06.2011 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Staat

    Wiedermal typisch für den Staat. Links auf einer HP zu stellen, welche auf einen Stream zu dem Medium führen ist soweit ich weiss kein Verbrechen.

    einklappen einklappen
  • Anonymous am 08.06.2011 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler!

    Die GVU ist SCHLIMMER als alle Raubkopierer zusammen. Verstecken sich hinter scheinheiligen Ausreden wie "Wir vertreten nur das Gesetz", kassieren aber ebenfalls deftigst ab, wärend in der Warez-Szene praktisch so gut wie kein Geld fliesst. Heuchler! Und dann nennen sie's einen "Erfolg" wenn kino.to vom Netz genommen wird, "Erfolg" im Sinne von "Juhu die Filmindustrie zahlt uns jetzt einen 6-stelligen extra Bonus". Und dann gibt's tatsächlich Leute die sich aufregen wenn ein paar wenige nicht immer gleich sofort für dieses System das Geld aus dem Fenster werfen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gustav Gans am 14.06.2011 01:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt Verfolger?

    250 Polizisten + Datenspezialisten; haben die nichts besseres zu tun. Die glauben doch nicht wirklich, dass die unterbezahlten bzw. Hartz IV empfangenden Nutzer jetzt Ihr weniges Geld in die Videotheken und Kinos tragen.

  • Ruedi Greub am 11.06.2011 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Hydra

    Eine Seite oder Dienst wird geschlossen, zwei neue entstehen. Der Hydra ist ein Kopf abgeschlagen worden, somit wachsen zwei neue. Wie lange geht das schon? Napster wurde geschlossen. Danach gab es Emuli, Bearshare und Kazaa. Kazaa geschlossen. Danach gab es Limewire und Bittornet. Limewire geschlossen. Danach gab es Frostwire. Kino.to geschlossen. Man sieht Kino.to war nur einen unter vielen. Und es wurden nicht mal alle erwähnt. Es gibt noch so viele und es wird noch viel mehr geben. Bitreaktor, Darknet, Usenext, Fast Load, Gigaload, Rapid Share, u.s.w.

  • Dimitri Ludwig am 09.06.2011 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Popups und Werbung

    Die kino.to Betreiber haben sich mit Popups und Werbung finanziert. Ich frage mich, warum die Filmindustrie es nicht ähnlich macht?! Ich meine, Sachen wie etwa alle halbe Stunde Film 10sec Werbung, ein paar Popups, evtl. schlechtere Bild- und Soundqualität und Werbebalken. dann einen Downloadschutz, so dass man die Filme nur im Browser schauen kann und alle sind glücklich. oder etwa nicht?

    • The Grizzly am 11.06.2011 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Downloads möglich

      Downloadschutz? Also ich konnte mit dem Firefox-Addon "Fast Video Download" jeden beliebigen Film von kino.to kostenlos downloaden.

    einklappen einklappen
  • No Body am 09.06.2011 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz geht gegen illegale uploads vor

    Auch in der Schweiz geht man gegen illegales Uploading vor. Ob klein oder gross jetzt geht es allen an den Kragen

    • Wladimir Dobrovski am 09.06.2011 18:36 Report Diesen Beitrag melden

      Server = Anonymität

      @No Body: Glückwunsch, ich Uploade in der Schweiz Massenweise Filme auf Illegalen Seiten, aber nicht über meinen Rechner, sondern über Russische Server. Was bringt das alles schon. Die Regierung hat sowieso keine chance gegen Uploader. Ausser vielleicht wenn ich hier schreibe, aber irgendwelche Beweise, dass ich diese Person bin? Vielleicht? Oder doch nicht? Oder doch? Wer weiss :D

    • J.M. am 09.06.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

      upload ja, aber nicht download

      Ja gegen uploader schon. Doch schaue nur, downloade also.

    einklappen einklappen
  • anti cybercrime am 09.06.2011 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Legalität im Netz

    Wir leben halt in einer Zeit, in der es nichts umsonst gibt. Wo kämen wir da hin? Ich bin froh, dass die Polizei mit illegalen Sites aufräumt. Sich mit der Kriminalität im Netz zu befassen ist bei weitem keine Zeitverschwendung. Wohlt ihr wirklich absolute Anrchie im Internet ohne jegliche Kontrolle? Ich nicht. Man muss nur eine geeignete Lösung finden. Wie zum Beispiel eine Abo-Gebühr einführen

    • anti-anti cybercrime am 09.06.2011 18:31 Report Diesen Beitrag melden

      bla bla

      Ich möchte gern dein Gesicht sehen wenn deine Aktivitäten überwacht werden (z.B. Telefon abgehört), obwohl du nichts unrechtes getan hast. Ich meine damit nicht kino.to, sondern eine generelle Überwachung wie du sie dir wünschst...

    einklappen einklappen