Chirp

15. April 2010 13:37; Akt: 15.04.2010 13:37 Print

Twitter steil im Aufwind

Der Microblogging-Dienst surft auf der Erfolgswelle und hat mittlerweile über 105 Millionen User. In Kürze sollen sie auf neue Funktionen zugreifen können.

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An der Entwicklerkonferenz Chirp haben die Twitter-Verantwortlichen einen Ausblick geboten.

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An der hauseigenen Entwicklerkonferenz Chirp (14- bis 15. April) haben die Twitter-Verantwortlichen zahlreiche Neuerungen angekündigt und Userzahlen veröffentlicht. Sie machen deutlich, wie erfolgreich der Microblogging-Dienst in Hinblick auf die Userzahlen ist. Im März 2006 ging Twitter mit seinem Kurznachrichtendienst an den Start und hat eigenen Angaben zufolge mittlerweile ganze 105'779'710 registrierte Mitglieder. Tendenz stark steigend, jeden Tag sollen 300'000 neue User dazukommen. 63 Prozent der User sollen nicht aus den USA kommen, teilte Twitter vor kurzem im firmeneigenen Blog mit. Laut dem IT-Blog mashable.com sollen täglich 600 Millionen Suchanfragen verarbeitet werden.

Mit der angekündigten Funktion «Point of Interest» wird künftig ersichtlich, von wo aus ein Tweet verfasst wurde. Dass Status-Updates mit Geotags verknüpft werden, kennt man von Twitter schon länger und wird auch bei Google Buzz gemacht Neu ist allerdings, dass sich Regionen bestimmen lassen, in denen die Tweets gesucht werden sollen. Ausserdem will Twitter einen eigenen URL-Verkürzungsdienst aufschalten, berichtet das IT-Portal techcrunch.com. Damit werden endlos lange URLs in kurze Links verpackt. Anbieter wie der Kurz-URL-Dienst bit.ly dürften daran wenig Freude haben. Bislang wurde bit.ly gerade von Twitter-Usern intensiv genutzt und zählte alleine im März 3,4 Mrd. Klicks. Auf der Entwicklerkonferenz kündigte Twitter-Boss Evan Williams eine App für Android-Handys an, Details wurden jedoch nicht verraten. Zudem sollen externe Entwickler mit Hilfe einer eigenen Plattform näher an den Microblogging-Dienst gebunden werden, schreibt Mashable.

Ab ins Archiv

Ausserdem wurde bekannt, dass die US-Nationalbibliothek eine umfassendes Twitter-Archiv anlegen will. Darin sollen sämtliche Tweets, die jemals über den Kurznachrichtendienst versendet worden sind, abgelegt werden. Der Umfang ist immens, mittlerweile werden pro Tag durchschnittlich 50 Millionen Tweets verschickt. «Das ist eine völlig neue Ergänzung zum historischen Archiv», wird ein Bibliothekar in der «New York Times» zitiert. Bislang wurden dafür satte 167 Terabyte Speicherplatz belegt, viel mehr als die 21 Millionen Bücher der Bibliothek benötigen. Ziel sei es, die Tweets für die Nachwelt zu erhalten. Ausserdem plant Library of Congress die Sammlung für Forschungszwecke zu verwenden.

Wie 20 Minuten Online berichtete hat der Suchmaschinenriese Google auf ihrem Blog eine Funktion präsentiert, mit dem man die eigene Twitter-Suche aufs Archiv ausweiten kann. Dank dieser kann man nachvollziehen, was User zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem Thema getwittert haben. In den nächsten Tagen soll das neue Feature, welches sich über die Suchoptionen unter «Updates» nutzen lässt, weltweit, aber vorerst nur auf Englisch zur Verfügung stehen. Hier kann man es schon testen.

Twitter wird zur Werbeschleuder

Anfang dieser Woche wurde mitgeteilt, dass Twitter mit Hilfe so genannten «Promoted Tweets» eine neue Einnahmequelle erschliessen will (20 Minuten Online berichtete). Dabei handelt es sich schlicht und einfach um Anzeigen. Gegenüber der New York Times formulierte der fürs Tagesgeschäft zuständige Twitter-Manger Dick Costolo die Werbeoffensive allerdings ein bisschen blumiger: «Die Idee von 'Promoted Tweets' ist es, die Kommunikation auszuweiten, die Firmen ohnehin mit ihren Kunden auf Twitter haben.» In Anbetracht der eben kommunizierten Userzahlen ist das Potenzial dahinter enorm. Wann das Werbesystem eingeführt wird, ist noch nicht bekannt. Zurzeit wird das Geld durch Kooperationsverträge mit Google, Microsoft und Yahoo verdient, welche die Twitter-Daten in ihren Suchergebnisse einbinden.

(mbu)