Ägypten

09. Februar 2011 14:02; Akt: 09.02.2011 14:52 Print

US-Army könnte Websperre aushebeln

Hightech-Flugzeuge, Drohnen und eigene Satellitennetzwerke: Die Werkzeuge, um die in Ägypten staatlich verordnete Internet-Blockade zu umgehen, wären eigentlich vorhanden.

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Blick in eine Kommunikations-Zentrale der US-Army.

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Auf Weisung von Präsident Hosni Mubarak ist in Ägypten seit Wochen der Zugriff auf das Internet und das Mobilfunknetz teilweise blockiert. Das US-Militär verfügt theoretisch über die erforderlichen technologischen Mittel, um die staatlich verordnete Sperre jederzeit wieder auszuhebeln. Da es sich bei Ägypten aber um einen Verbündeten handelt, dürfte sich die Umsetzung, ohne die Beziehung zu gefährden, äusserst schwierig gestalten.

In einem Interview mit dem IT-Newsportal wired.com erklärt John Aquilla, Professor an der Naval Postgraduate School, über welche Mittel die US-Army verfügt, um die Konnektivität ins World Wide Web an einem beliebigen Ort herzustellen beziehungsweise zu unterbrechen.

Der Militär-Experte beschäftigte sich jahrelang damit, wie man die Kommunikationskanäle feindlicher Mächte empfindlich stört. Für die elektronische Kampfführung setzt beispielsweise die US-Luftwaffe Hightech-Flugzeuge wie die Commando Solo ein. Ausgestattet mit Richtantennen ist die Maschine in der Lage, feindliche Informationsflüsse, die etwa über Radiowellen und den Fernsehanschluss laufen, zu unterbrechen.

«Fliegende Funkzellen»

Auch der umgekehrte Weg ist nicht ausgeschlossen: «Was das Militär abschalten kann, kann es auch wieder aufschalten», wird er im Wired-Artikel zitiert. So setzte die US-Army in Afghanistan Flugzeuge als «fliegende Funkzellen» ein. Auch Drohnen können zu mobilen Funkantennen ausgebaut werden. So versorgen sie das unter ihnen liegende Gebiet in einem Radius von bis zu drei Kilometern mit einem 3G-Netz.

Als Alternative könnten auch Satellitenschüsseln nach Ägypten geschmuggelt werden, erklärt Aquilla. Internationale Fernsehstationen wie CNN berichten auf diesem Weg über die seit Wochen anhaltenden Konflikte in Ägypten. Zudem liesse sich theoretisch die zivile Kommunikation über das eigene Satellitennetzwerk der Streitkräfte bewerkstelligen. Eine weitere Option: «Gebt den Leute einfach ein Thuraya Satellitentelefon», wird Sicherheitsberater John Pike von globalsecurity.org zitiert.

(mbu)