Insta-Hoax

22. August 2019 13:16; Akt: 22.08.2019 13:16 Print

Unsinniger Kettenbrief geht wegen Promis viral

Promis mit Millionen von Followern teilen auf Instagram gerade den gleichen Beitrag mit viel Text. Blöd nur: Das Ganze ist ein Schwindel.

Bildstrecke im Grossformat »
Diese Nachricht wird auf der Fotoplattform Instagram gerade fleissig geteilt. Zahlreiche prominente Personen, darunter die Sängerin Pink, haben den Beitrag verbreitet. Die Accounts haben teilweise mehrere Millionen Follower. In dem Text heisst es, dass die Betreiber der Plattform «deine gelöschten Beiträge und Nachrichten öffentlich machen und vor Gericht nutzen dürfen». Mit dem Teilen der Nachricht wollen die Insta-Nutzer dem widersprechen. Doch: «Es ist eine Falschmeldung», wie eine Sprecherin von Facebook gegenüber Theverge.com erklärt. Solche sogenannten Hoaxes sind nicht neu. Ähnliche Nachrichten kursierten in vergangenen Jahren auch schon im Bezug auf Facebook. Und auch auf Whatsapp gibt es immer wieder Kettenbriefe, die verschickt werden, wie nachfolgende Bilder zeigen. Eine gigantisch lange Nachricht kursierte im Juli 2019 bei Whatsapp. Der Inhalt konnte Empfänger verunsichern. «Es gibt zu viele Nutzer bei Whatsapp», schreibt darin ein gewisser Jim Balsamico, angeblicher CEO des Messengers. Alles Mumpitz. Der Brief besteht aus einzelnen Kettenbriefen, die teils schon jahrelang auf dem Messenger die Runden machen. Kettenbriefe sorgen bei Whatsapp immer wieder für Ärger. So auch dieser, der Ende 2018 die Runde machte. Es ging darum, ein Rätsel zu lösen. Als Strafe für das falsche Beantworten sollen die Nutzer drei Tage lang ein Bild des Dabbing Santa Claus als Profilbild verwenden. Im Jahr 2016 kursierte bei deutschen Schülern ein Kettenbrief mit einer Morddrohung in Form einer Spachnachricht. «Hi, ich bin Nico und neun Jahre alt», scheppert eine Stimme aus dem Smartphone, «und mein Gesicht ist voller Blut.» Der Absender der unheimlichen Whatsapp-Botschaft forderte den Hörer auf, die Nachricht innert 20 Minuten an mindestens 20 Freunde weiterzuleiten. «Sonst komme ich um Mitternacht zu dir und bringe dich um», drohte die Stimme. Dieses Bild aus einem Youtube-Clip soll Teresa darstellen. «Ich beobachte dich die ganze Nacht», kündigt die Frau in einem Kettenbrief an. «Wenn du dies nicht an 20 Personen weiterschickst, schlafe ich ab heute in deinem Bett.» Angeblich soll Teresa bei einem Autounfall gestorben sein. Der Kettenbrief machte jedoch lediglich Werbung für einen portugiesischen Film Wie ein Lauffeuer verbreitete sich 2015 die Warnung vor einem Link, der sich bei Anklicken angeblich als Virus entpuppen würde. Die Nachricht, die mit dem Betreff «On Est Tous Paris» oder «We all are Paris» als E-Mail, SMS oder Whatsapp verschickt wurde, entpuppte sich als Falschmeldung. Vor etwa sechs Jahren kursierte ein Kettenbrief, der behauptete, dass Whatsapp für die Nutzer kostenpflichtig werde. Um Whatsapp weiterhin kostenlos verwenden zu können, müsse man sich als Vielnutzer kennzeichnen. Dazu gelte es, die Nachricht an zehn weitere Personen zu senden. Es war alles Humbug. Ein weiterer Fall von einem Kettenbrief war die sogenannte Momo-Challenge, die vor allem jüngere Whatsapp-Nutzer erschreckte. Die spanische Polizei warnte bereits im Juni davor, dass man die angegebene Nummer nicht bei Whatsapp hinzufügen solle, sonst bekomme man das Gesicht dieser Frau zu sehen. Erst später schwappte das Phänomen auch in die deutsche Sprachregion über. Wie später bekannt wurde, handelt es sich bei dem grusligen Antlitz um eine Skulptur aus Japan, die in einer Kunstgalerie in Tokio gezeigt wurde. Streng genommen fällt auch die sogenannte Ice Bucket Challenge, die vor etwa vier Jahren aktuell war, unter die Kategorie der Kettenbriefe. Meist auf Facebook wurden Personen getaggt, die es jenen im Video gleichtun sollen. Mit dabei waren neben George W. Bush (Bild) auch Promis wie Roger Federer oder Bill Gates. Ein weiteres Beispiel ist dieser Kettenbrief, der 5000 kostenlose Schuhe von Adidas verspricht. Natürlich existieren diese Gratisschuhe nicht, denn die verlinkte Website führt zwar angeblich zu Adidas.com. Beim genaueren Betrachten lautet die Adresse jedoch Adîdas.com, eine fast identische URL, bei der das i jedoch aus einem Sonderzeichen besteht. Das Motiv lag hier wohl dabei, an Daten von ahnungslosen Nutzern zu gelangen. Sogar möglicherweise lebensbedrohlich war dieser Kettenbrief. Er gab Tipps, wie man sich bei einem Herzinfarkt Zeit verschaffen könne, und zwar, indem man speziell huste. Dies nützt bei einem Herzinfarkt jedoch gar nichts. Stattdessen sollte man sich Hilfe holen oder den Notfall anrufen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die «Avengers»-Schauspielerin Zoe Soldana (7 Millionen Follower), die Sängerin Pink (6,7 Millionen Follower), Schauspieler Rob Lowe (eine Million Follwer), Sänger Usher (8,2 Millionen Follower) und Dutzende andere Promis und Politiker haben in den letzten Stunden auf Instagram den gleichen Beitrag geteilt.

Umfrage
Nutzen Sie Instagram?

In dem Post ist die Rede davon, dass die Betreiber der Plattform «deine gelöschten Beiträge und Nachrichten öffentlich machen und vor Gericht nutzen dürfen». Mit dem Teilen der Nachricht wollen die Insta-Nutzer dem widersprechen. Doch: «Es ist eine Falschmeldung», wie eine Sprecherin von Facebook gegenüber Theverge.com sagt. Man habe keine Pläne, diese Woche grössere Änderungen an den Datenschutzrichtlinien vorzunehmen.

Kettenbriefe à gogo

Solche sogenannten Hoaxes oder auch Kettenbriefe sind nichts Neues. Praktisch Wort für Wort identische Beiträge gingen bei Facebook schon in den Jahren 2015 und 2012 viral. Auf vielen anderen Plattformen kursierten abgeänderte oder sehr ähnliche Versionen. Solch unsinnige Kettenbriefe gab es auch schon im letzten Jahrhundert. 1999 versprach zum Beispiel ein E-Mail, dass der Microsoft-Gründer Bill Gates Geld an Leute verteilen würde, die das Mail weiterschickten.

Einige Nutzer, die den obigen Hoax auf Instagram ursprünglich teilten, haben ihn mittlerweile gelöscht. Manche gestehen ihren Fehler sogar ein. Bei anderen ist er nach wie vor auf ihrem Profil vorhanden.

Grund für die Verbreitung

Wieso aber haben solche Hoaxes überhaupt eine solche Resonanz in den sozialen Medien? Es gibt einen einfachen Grund dafür, erklärt Vice.com. «Die Nutzer wissen oftmals nicht, wie die Plattformen, die sie nutzen, wirklich funktionieren und wie diese mit den Daten der Nutzer umgehen.» Das liege vor allem auch daran, dass die AGB der Plattformen lang und kompliziert seien und sie niemand wirklich durchlese.

Sehr vereinfacht gesagt, passiert Folgendes mit Daten auf der Fotoplattform: Als Nutzer erlaubt man dem Betreiber, die Verbreitung seiner Inhalte. Das ist notwendig, damit zum Beispiel Fotos anderen Nutzern angezeigt werden können. Man gewährt der Plattform eine Lizenz für die Nutzung, bleibt laut den AGB aber deren Besitzer.

Weiter nutzt Instagram die Daten, die mit Beiträgen verknüpft sind für Werbung. Dazu gehören Bildunterschriften, Hashtags und Standortdaten. Auch werden Cookies und Pixel-Tracker an andere Firmen verkauft. All diese Daten werden für Werbung genutzt. Mit der Nutzung der Plattform stimme man dieser Art von personalisierter Werbung zu, erklärt Vice.com.

(tob)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gabri Ela am 22.08.2019 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    selber schuld

    in einer Facebook Mami Gruppe beklagt sich eine Mutter, weil ihre Tochter, 4 Primarklasse !! auch einen Kettenbrief vis WhatsApp bekam! wieso hat ein Kind in der 4 Klasse ein Handy? jetzt sprechen sie darüber dass sie es den Lehrer melden! was hat die schule damit zu tun? NICHTS!

    einklappen einklappen
  • kiki am 22.08.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kettenbriefe werden ungelesen gelöscht

    Diese Verhalten habe ich mir angewöhnt. Ich lebe super gut damit!

    einklappen einklappen
  • pater007 am 22.08.2019 13:28 Report Diesen Beitrag melden

    Man lebt auch (fast) ohne prima

    Und auch hier gehts einzig und alleine darum, möglichst viele Infos zu sammeln und diese dann gewinnbringend weiter zu verkaufen. Darum, NEIN zu (fast) dem ganzen Social Media Zeugs.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Logemol am 23.08.2019 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibt menschen die nicht alles können....

    naja jetzt sollte man noch englisch lesen können......

  • derASI am 22.08.2019 15:40 Report Diesen Beitrag melden

    wie naiv muss man sein...

    ...man hat den AGBs zugestimmt habt ihr echt das gefühl ein Text zu posten indem man sagt "insta/FB hat nicht das recht meine Beiträge zu verwenden" wird sie davon abhalten, oder ihnen das recht nehmen es doch zu tun?! löscht euer account und sagt den anbietern sie sollen alles löschen oder findet euch damit ab. aber süss dass ihr denkd das hilft, lol

  • MugenRR am 22.08.2019 15:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Allgemeinwissen

    Dummheit regiert die Welt und Influenzer sind die Könige.

  • untermensch am 22.08.2019 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gelesen und nichts verstanden

    Bringt nichts. Ihr habt ja die AGBs gelesen und verstanden.

  • Inschiniör am 22.08.2019 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Sinnloser Stromverbauch

    Abgesehen von der Sinnlosigkeit dieses Tweets und wohl der meisten Insta-Posts, finde ich es schrecklich dass den meisten Usern gar nicht bewusst ist wieviel Strom mit solchen Aktionen verbraucht wird. Das Handy, die Basisstation, die Switches, die Gateway-Server, die Twitter-Server, die ganze Infrastruktur dahinter verbraucht Unmengen Strom - Da wird von Klimawandel geredet, von Nachhaltigkeit, etcetc ... total Schizophren, auch mein Beitrag hier hat sinnlos Energie verschwendet ...