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16. Februar 2011 19:02; Akt: 16.02.2011 19:27 Print

Verlage forcieren iPad-Alternativen

von Daniel Schurter - Apple bleibt gegenüber Verlagen hart und besteht auf sein Abo-Modell. Noch haben Ringier, NZZ und Tamedia iPad-Angebote, doch sie suchen nach Alternativen.

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Die Verlage wollen ihre Produkte in Zukunft vermehrt auf anderen Plattformen anbieten. (Foto: Keystone)

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Es sind schwierige Zeiten für die Medienbranche – in der Schweiz, in Europa und Übersee. Die Verlage stecken weltweit in einem Dilemma. Im iPad-Dilemma, um genau zu sein. Es droht ihnen eine immer stärkere Abhängigkeit von einem Computer-Konzern aus Kalifornien. Gestern hat Apple die Bedingungen diktiert, die in Zukunft für den Verkauf von digitalen Inhalten über den Online-Laden iTunes gelten. Die Bedingungen sind hart - zumindest aus Sicht der Medienunternehmen. Apple könnte damit weitere Milliarden verdienen. Deadline ist der 30. Juni. Bis dahin müssen die Apps angepasst sein – sonst droht der Ausschluss.

Passend zur Medienbranche, wird beispielsweise von Spiegel Online das Bild eines Zeitungskiosks bemüht, um die Situation zu verdeutlichen. Der Kioskbesitzer (Apple) verkauft in Zukunft selber Abonnements und kassiert dafür eine Marge von 30 Prozent. Den Verlegern der Zeitschriften, die er in seinem Kiosk anbietet, verbietet er hingegen, in ihren Heften Abo-Werbung zu drucken.

Der US-Blog Techcrunch fragt, ob die Idee Apples «brilliant», «verrückt» oder ganze einfach «böse» sei. Sollte Apple damit durchkommen, würde dies das Spiel auf den Kopf stellen. Apple sage den grossen Medienunternehmen, sie sollten ihr bisheriges Geschäftsmodell vergessen, das sie seit Jahrzehnten pflegen. Das könnte einige Verlage dazu bringen, sich vom iPad abzuwenden und auf andere Plattformen zu konzentrieren, wie zum Beispiel Googles vielversprechendes Android.

In den Unternehmensleitungen herrschte gestern Abend Katerstimmung. Endlich war die Katze aus dem Sack, nun galt es, sich mit den neuen Spielregeln auseinanderzusetzen. Dass das nicht ganz einfach ist, zeigt das Beispiel der grossen deutschen Medienhäuser wie Axel Springer («Bild») sowie Gruner und Jahr («Geo»). Beide Unternehmen waren nicht in der Lage, innert Stunden eine Stellungnahme abzugeben. Dafür wurde heute Nachmittag bekannt, dass Google ein neues Bezahlsystem namens «One Pass» lanciert (siehe Box).

Ringier: «Neue Lösungen»

Bei Ringier («Blick») hiess es heute auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Wir werden die Situation analysieren, Möglichkeiten ausloten und rasch neue Lösungen prüfen und soweit möglich auch umzusetzen.» Konkret sollen intensiv alternative Plattformen gefördert werden, «inbesondere Android», wie Mediensprecher Edi Estermann mitteilt. Neu setzt man auch auf das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 7. «Zudem verfolgen wir auch stark webbasierte Lösungen - Stichwort HTML5 -, die keine App-Anbindung notwendig machen.»

Ringier erachte es als äusserst fragwürdig, dass Apple den Medienhäusern ein so streng limitiertes und eingeschränktes Geschäftsmodell vorschreibe. «Die Restriktionen erfolgen in sehr vielen Bereichen und sind tiefgreifend.» Man werde nun genau eruieren, was neu nicht mehr möglich sei, beziehungsweise was technisch angepasst werden könne.

NZZ: «Keiner zwingt uns»

Bei der NZZ hält sich der Katzenjammer über das Gebaren von Apple eher in Grenzen. «Ich möchte nicht einstimmen in die allgemeine Hysterie und das Apple-Bashing», sagt Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien und mitverantwortlich für die Online-Strategie des Medienunternehmens. «Es ist ja Marktwirtschaft, keiner zwingt uns, beim App Store mitzumachen.» Heisst das demnach, dass die NZZ die von Apple diktierten Bedingungen nicht akzeptieren wird? Hogenkamp verneint. Es sei vielmehr derzeit noch zu früh, einen Entscheid zu treffen, denn die Spielregeln - «Juristen würden wohl von Ausführungsbestimmungen reden» - seien noch gar nicht im Detail bekannt.

Gegenüber 20 Minuten Online kritisiert der NZZ-Mann die herrschende Verunsicherung, was den Zulassungsprozess für den App Store betreffe. Apple müsse generell transparenter kommunizieren. «Das Ganze ist eine Blackbox, niemand kann einem klar sagen, ob man zugelassen wird oder nicht - das ist aber keine neue Entwicklung, sondern schon seit Jahren so.»

Hogenkamp gibt zu Bedenken, dass es sogar noch schlimmer hätte kommen können. «Apple hätte auch sagen können, ihr könnt zwingend nur über unsere Plattform abrechnen und müsst immer die 30 Prozent abliefern.» So haben die Verlage immerhin weiterhin die Möglichkeit, ihre Inhalte auch über die eigenen Kanäle zu verkaufen. Gleichzeitig sagt er: «Natürlich überlegen wir uns auch Alternativen zu Apple, auch das machen wir aber nicht erst seit gestern.» Das Thema Apps sei bei der NZZ mit Ausnahme der E-Paper-App derzeit «ein wenig zurückgestellt worden». Als Begründung nennt er Anpassungen beim Redaktionssystem.

Tamedia: «Fragen offen»

Auch bei der Tamedia AG (zu der auch 20 Minuten Online gehört) ist kein lautes Protestgebrüll zu hören. «Die neuen Abo-Richtlinien entsprechen in etwa dem, was aufgrund der Aussagen von Apple in den vergangen Wochen zu erwarten war», teilt Mediensprecher Christoph Zimmer mit. «Wir werden die Auswirkungen der neuen Richtlinien auf die einzelnen Apps und Abomodelle in den nächsten Wochen prüfen. Einzelne Fragen sind dabei noch offen. Wir werden aber sicher weiterhin iApps anbieten. »

Apple habe mit iTunes, iPhone und iPad eine kundenfreundliche Welt aufgebaut und damit Microbillling zum Durchbruch verholfen, heisst es. Das sei eine beeindruckende Leistung und ein Wettbewerbsvorteil. «Es kann aber nicht sein, dass Apple den Medienhäusern vorschreibt, wie sie ihre Geschäftsmodelle gestalten müssen.» Die Medienhäuser und Redaktionen, die für die Inhalte verantwortlich seien, müssten weiterhin direkte Kundenkontakte aufbauen können.

Die neuen Abo-Richtlinien würden das zwar erlauben, «in der Praxis schränken sie den direkten Kundenkontakt aber weiterhin stark ein.» Mediennutzer und Verlage hätten ein Interesse an einem Wettbewerb verschiedener Plattformen, sagt der Tamedia-Sprecher. «Wir sind deshalb überzeugt, dass sich mittelfristig weitere Plattformen oder auch innovative Lösungen wie Webapps etablieren werden.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jonny am 16.02.2011 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    keine alternative zum iPad

    Das iPad ist doch das einzig brauchbare digitale Zeitungslesegerät und wird es auch bleiben. Ich denke für viele Verlage kommt es immer noch günstiger 30% an Apple abzugeben, dafür aber viel mehr zu verkaufen. Android wird noch min. 2 Jahre brauchen bis es mit iOS im Tablet-Geschäft mithalten kann.

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  • Dom am 16.02.2011 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Apple ist vorbei

    Liebe Leute.. Die Umsatzzahlen von Apple gehen massiv zurück. Niemand will ein Polizei-OS wo alles kontrolliert, überwacht, und von Apple ausgewertet wird. Ob Android besser ist, ist hier die Frage (Google und damit die USA brauchen nicht alle meine privaten Mails, SMS etc zu lesen)... Ich würde eine Linusvariante Open Source auf dem Handy sehr gerne sehen (oder Blackberry :-) )

  • Onlineuser am 16.02.2011 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Je mehr Plattformen desto besser

    Je mehr Plattformen die Verlage unterstützen desto besser. Es gibt zwar etwas mehr Aufwand in der Pflege der Apps, die Inhalte sind aber immer identisch. Und es wird keiner diskriminiert nur weil er ein bestimmtes Gerät nicht will oder hat.

Die neusten Leser-Kommentare

  • mrdbase am 21.02.2011 20:34 Report Diesen Beitrag melden

    Geht nur zu Migrosoft

    Geht nur zu Microsoft, dann seht ihr was ihr davon habt. Die lutschen euch bis auf die Knochen aus. Ich vertraue lieber auf Apple, da weiss ich was ich für mein Geld bekomme. Auf jeden Fall ist das langwielige warten auf ein schlafendes System wie Windows es darstellt vorbei seit ich in meiner Firma nur noch Mac's habe. Überlegt es euch gut ob ihr wircklich auf ein verlorenes Pferd setzen wollt. Microsoft befindet sich schon lange auf dem absteigenden Ast und das ist auch gut so. Weg mit Microschrott!

    • Pascal Schmitt am 30.03.2011 09:27 Report Diesen Beitrag melden

      Immer die Jünger

      Oje, ein Jünger. In dem ganzen Aritkel steht nichts von Microsoft. Hier gehts ganz einfach darum ob eine Firma soweit gehen kann den Verlagen vorzuschreiben was sie publiziren dürfen und was nicht. Man könnte es auch Zensur nennen, denn das ist es was Apple mit ihrer Prüfung von Apps und Inhalten macht (nebst sinnvollen technischen Kriterien). Nur weil Steve Jobs keine nakten Frauen sehen möchte heisst das nicht, dass dies auch mich als Kunde stört.

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  • D. Fahrni am 17.02.2011 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    html5 als Alternative? Ich weiss nicht.

    Webapps mit html5 wären eine Idee, nur eben ist html5 noch weit von einem Standart entfernt (Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass sich alle 'grossen' tatsächlich einigen werden.

  • Markus Zurfluh am 17.02.2011 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bevormundung, Teuer und vieles überflüssig

    Komisch ein Ipad hat den technischen Stand von 1992 ! Dazu wird alles vorgeschrieben, bevormundet und trotzdem wirds gekauft. Teuere Hardware, warum motzt meine Kundschaft den bei PC's über den Preis ? Viele werden erst mit der Zeit merken, das 90% der Apps gar nicht gebraucht werden (nur am Anfang wenns Spass macht) Irgendwann kommt es so wie bei Nokia, dort wollte es auch niemand glauben oder wie früher bei Ericsson!

    • Uriel Berlinger am 17.02.2011 18:45 Report Diesen Beitrag melden

      viele wundervolle APPs

      Ich rate Ihnen, die technische Entwicklung zu studieren. Ich bin sehr anspruchsvoll, was APPs angeht und habe so viele mittlerweile, auf die ich nie mehr verzichten möchte. Die guten APPs sollen auch etwas kosten. Warum soll Apple nicht Geld verdienen? Ich bin absolut zufrieden mit dem iPad und werde es beim nächsten iPad umso mehr noch sein, ebenso beim nächsten iPhone. Wären Sie Musikliebhaber, würden Sie nicht motzen! Es gibt so viele tolle Musik APPs. Es gibt durchaus für meinen Geschmack auch viele APPs, die ich nicht gebrauchen muss.

    • Markus Zurfluh am 20.02.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn Sie Musikliebhaber sind, so verstehe ich nich

      das Sie auf die schlechte Qualität von MP3 setzten. Als IT Profi bevorzuge ich Zuhause und in meinem Auto FLAC, den unterschied hört man deutlich, vorrausgesetzt Sie besitzten Anlagen im High End. Bei 0815 Anlagen spielt das natürlich keine Rolle. iTunes ist zum Verwalten meiner grossen Bibliotek schlichtweg eine katastrophe.Ich mag keine Programme die in meiner Bibliothek(ca 12'000 Lieder) herumpfuschen! Seit über 11 Jahren besitzte ich alles computerisiert; mein Haus, mein Auto und selbst bei den Natels (Compaq iPAQ) wahr ich bei den ersten. Soviel zur "technische Entwicklung zu studieren"

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  • Michi Tonini am 17.02.2011 00:50 Report Diesen Beitrag melden

    WebApps.. html5.. zu langsam, den Zug verschlafen!

    Webapps.. lol.. ! 2.5 Jahre hab ich gebraucht um das von euch zu lesen und drei weitere wird es dauern bis der finger draussen ist... aber ich glaube an euch! HTML5 ist ein schönes Wort, eines, welches Plötzlich zum neuen Star der medialen Begriffe mutierte und einen Eintrag ins Bulls**t-Bingo erhalten soll. Was dahinter steckt ist euch unbekannt. JavasScript ein Begriff? CSS3, LocalStorage, Canvas2d, WebGL, Geo, SVG, Tranforms, Bonsai ... erzählt das mal euren Entwicklern - gibt beim stand eurer page sicher npaar fähige darunter!! PS: Apple ist Microsoft vor 10 Jahren. Hype hoffentlich vorbei

  • Henri Wyler am 17.02.2011 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Lose-Lose-Situation

    TA-Media und Co. befinden sich in einer Lose-Lose-Situation. Der "Zuhälter" Apple diktiert seine Bedingungen nach Gutdünken. Ob Apple in der Zukunft auf den Inhalt Einfluss nimmt, ist nicht ausgeschlossen. Weil es keine Alternative zum I-Pad gibt, kommen die Verlage in eine einseitige Abhängigkeit, und ihre Freiheit steht auf dem Spiel. Eine allfällige Zensur am Inhalt von Artikeln könnte unter den allgemeinen Geschäftsbedingungen abbedungen werden, und der Leser erfährt es nicht einmal.

    • freddy Wyler am 21.02.2011 15:19 Report Diesen Beitrag melden

      Bessere Alternative

      Alternativen gibt es zu Genüge!! und auch noch bessere.

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