iTunes Match vs. Spotify

16. Dezember 2011 16:36; Akt: 16.12.2011 23:18 Print

Welcher Musikdienst soll es denn sein?

von Daniel Schurter und Oliver Wietlisbach - Hat Apples neuer Online-Dienst das Zeug zum Kassenschlager? Im Test muss sich iTunes Match mit dem populären Streaming-Dienst Spotify messen und überzeugt.

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iTunes Match steht den Apple-Kunden seit Freitag zur Verfügung. Der plattformunabhängige Streaming-Dienst Spotify wurde am 16. November lanciert. (Bild: 20 Minuten/apple.ch/pd)

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Der Musik aus dem Internet gehört die Zukunft. Das zeigt der Wettstreit der Online-Anbieter, der sich in den letzten Wochen deutlich verschärft hat. Neben populären, aber vergleichsweise kleinen Streaming-Anbietern wie Spotify wollen die mächtigen IT-Konzerne ihr (grosses) Stück vom Kuchen.

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Apple ist mit seiner iTunes-Plattform der weltgrösste Musikverkäufer und hat nun den Zusatzdienst iTunes Match auch in der Schweiz lanciert (20 Minuten Online berichtete). Das Interesse der Apple-Fans ist offenbar riesig. Am Freitagmorgen häuften sich die Meldungen, dass die Anmeldung bei iTunes mit der eigenen Apple-ID nicht möglich sei. In Internet-Foren wurde vermutet, dass die iTunes-Server durch den Ansturm in die Knie gezwungen wurden. Eine Bestätigung hierfür liegt nicht vor. 20 Minuten Online konnte den neuen Musik-Abgleichdienst problemlos aktivieren.

Massiv günstiger

Was unterscheidet iTunes Match von Spotify? Die Antwort ist in der Funktionsweise und beim Preis zu suchen. Mit iTunes Match wird die persönliche Musiksammlung des Nutzers in der Wolke (iCloud) gespeichert und anschliessend auf allen Apple-Geräten verfügbar gemacht – für 35 Franken pro Jahr. Spotify ist erst in zweiter Linie ein Online-Speicherdienst für eigene Songs und bietet als Hauptattraktion eine Musik-Flatrate. Das hat seinen Preis. Das Premium-Abo kostet 156 Franken pro Jahr.

Aus schlecht wird gut

Mit iTunes Match wird die Musiksammlung des Nutzers auf den Apple-Servern «gespiegelt». Dazu scannt das iTunes-Programm die lokal auf der Festplatte gespeicherten Songs und gleicht sie mit der offiziellen Apple-Datenbank ab, die zig Millionen Titel umfasst.

Alle von der Match-Software erkannten Songs müssen nicht in die iCloud hochgeladen werden, sondern stehen automatisch zur Verfügung. Das heisst, die Songs können auf allen Apple-Geräten über das Internet abgespielt oder zwecks Offline-Nutzung heruntergeladen werden. Der Clou am Ganzen: Eine qualitativ schlechte MP3-Sammlung kann auf diesem Weg veredelt werden, denn iTunes Match ersetzt die Songs durch hochwertige, kopierschutzfreie Audio-Dateien (AAC-Format, 256 kbps).

Alle Songs, die das System nicht erkennt, werden in einem weiteren Schritt hochgeladen und stehen dann ebenfalls auf allen Apple-Geräten zur Verfügung. Für diese eigenen Songs – egal aus welcher Quelle - hat Apple ein Maximum von 25 000 Titeln verfügt. Das dürfte mehr als genug sein für über 90 Prozent der Nutzer.

Der schwedische Ansatz

Beim Angebot des schwedischen Streaming-Dienstes Spotify braucht man nicht zwingend eine digitale Musiksammlung in Form von MP3-Songs oder anderen Audio-Dateien. Als Nutzer kann man sie aus einem Musik-Katalog mit 15 Millionen Songs anlegen. Die gewünschten Songs können auf den PC, iPod oder das Smartphone gestreamt oder zuerst heruntergeladen werden, damit sie auch offline zur Verfügung stehen.

Beim Online-Musikdienst, der seit dem 16. November in der Schweiz verfügbar ist, wird die Musik in sogenannten Playlists organisiert. Diese können aus einzelnen Songs oder Alben verschiedener Interpreten bestehen. Wer bereits in iTunes Playlists angelegt hat, kann diese nach Spotify exportieren.

Spotify-App auf dem Handy

Ist Spotify auf dem PC installiert, kann die eigene Musiksammlung auf der Festplatte mit einem Klick importiert werden. Wer zusätzlich die Spotify-App auf dem Handy installiert hat, kann die Musiksammlung auf dem Computer mit dem Smartphone synchronisieren. Hierzu muss sich das Handy im gleichen WLAN wie der Computer befinden. Die Nutzer können somit die eigene Musikbibliothek mit dem Musik-Katalog des Streaming-Anbieters kombinieren.

Spotify ist für iPhone, iPod touch, Android, Symbian, Windows Phone und Palm verfügbar. Musik auf das Handy zu streamen oder Wiedergabelisten auf dem Handy herunterzuladen, ist nur für Premium-Nutzer möglich, die 13 Franken pro Monat bezahlen. Für 6.45 pro Monat gibt es uneingeschränktes Streaming von Musik ohne Werbung. Das Gratis-Angebot ist auf zehn Stunden Streamen pro Monat beschränkt und wird durch Werbe-Einblendungen finanziert.

Für Jäger und Sammler

Das Fazit: Apple ist mit iTunes Match ein Wurf gelungen. Der iCloud-Dienst lässt sich mit wenigen Mausklicks einrichten. Im Test von 20 Minuten Online traten überhaupt keine Fehler oder technischen Probleme auf. Eine Musiksammlung mit über 4700 Titeln wurde gescannt und in der Wolke gespiegelt. Das Hochladen von 1600 nicht erkannten Songs dauerte dann allerdings fünf Stunden - beim Einrichten von «iTunes in der Wolke» ist also Geduld gefordert.

Wer eine digitale Musiksammlung besitzt und vor allem die eigenen Songs auf verschiedenen Apple-Geräten nutzen will, ist mit iTunes Match gut beraten. Bekanntlich ist das Herunterladen von Musik in der Schweiz legal. Jäger und Sammler können neue Songs aus dem Internet beziehen und mit iTunes Match veredeln.

Bei Konkurrent Spotify steht das breite Angebot von 15 Millionen Songs im Zentrum. Für den vergleichsweise hohen Preis von fast 160 Franken ist man plattformunabhängig und erhält eine Vielzahl zusätzlicher Funktionen. Die Investition lohnt sich für jene, die häufig neue Musik ausprobieren wollen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H. K. am 17.12.2011 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Billiger?

    Wenn sie im ITunes pro Monat ein Album für 15 Franken kaufen, kommt Spotify viel billiger. Ausserdem hat man eine Auswahl von 13 Millionen Songs die man immer hören kann.

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  • W.T. am 17.12.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    In der Abstimmung steht er drin...

    ... mein Lieblingsstreamer... GROOVESHARK!!! Gratis und Dauerberieselung mit meiner Lieblingsmusik - wer braucht iTunes?

  • Levi am 16.12.2011 21:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wozu itunes...?

    Ach wie schön lebe ich in der Schweiz... Gratis downloads so viel mein PC kann...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Siri am 19.12.2011 14:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    iTunes

    Die Anlage ist prutal!

  • Poldi am 19.12.2011 03:28 Report Diesen Beitrag melden

    Rapidshare!

    Also ich brauch doch diesen ganzen Kram, iTunes, Amazon, Youtube und andere Musicdownloads nicht. Wenn ich einen Song suche dann gebe ich den in Google ein und danach "Rapidshare". Irgendwo auf einer Seite finde ich den Downloadlink und lande mir den Song in guter Qualität runter. Wozu zahlen? Würdet ihr einen 10.- Fr. Schein auf der Strasse der Polizei geben? Sorry wenn es etwas asozial klingt, aber ich würde es nicht tun. Die Welt von gestern ist gestorben, schaue nur noch auf dich selbst, dann hast du eher Chance etwas zu erreichen.

  • Philipp am 18.12.2011 21:41 Report Diesen Beitrag melden

    Erbe

    Ihr wollt meinen Beitrag einfach nicht veröffentlichen :-( Was passiert mit meinen 25000 Songs die ich gekauft habe mit erarbeitetem Geld. Kann ich die meinem Sohn weitervermachen. Muss er sich immer als Verstorbener einloggen und zwischen seinem Account und meinem Account switchen???? Das würde mich interessieren!

    • Zenun am 18.12.2011 22:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Keine Sorge

      Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er deine Songs nicht hören wollen :)

    • Fabian am 19.12.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

      Wo ist das Problem?

      Du kannst ja einfach deine 25'000 Songs runterladen und dann von der Festplatte wegkopieren und deinem Sohn geben? Ob er sie dann auch wieder in sein eigenes iTunes lädt oder anderswo benutzt kann er ja dann entscheiden. Alles kein Problem?

    • Andy am 20.12.2011 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Merge

      Keine Sorge, bald kommt ein merge-feature das uns ermöglicht mehrere iTunes-Konten zu verbinden.

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  • Müller hans am 18.12.2011 15:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke Apple!

    Endlich wurde mein Problem mit den verschiedenen Mediatheken auf den verschiedenen Pc's gelöst! Danke für diesen grossartigen Wurf Apple! Der Preis ist absolut unschlagbar...!

  • Noda Side am 18.12.2011 01:19 Report Diesen Beitrag melden

    iCloud? Eher iKlaut!

    Ich hab iCloud auf meinem Computer gestartet als es 6 Stunden lang probiert hat meine Musik zu analysieren. Als es dann entlich geklappt hat wollte ich es auf meinem iPhone auch noch aktivieren, doch es hatte meine ganze Mediathek gelöscht und jetzt kann ich Musik nur noch streamen, was bei der schlechten Verbindung und meinem begrenzten Datenvolumen überhaupt nicht machbar ist. Ich werde jetzt erst mal meine Mediathek neu aufräumen und dann alle Spuren, die iCloud hinterlassen hat, entfernen. Danke Apple!