Pause mit «Angry Birds»

15. Juli 2014 05:34; Akt: 15.07.2014 11:20 Print

Wer am Arbeitsplatz spielt, leistet mehr

von Stephanie Sigrist - Die Konzentration und Motivation von Angestellten steigt, wenn sie im Job kurze Smartphone-Pausen einlegen. Schweizer Arbeitsexperten sind noch skeptisch.

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Eine neue Studie des Doktoranden Sooyeol Kim von der Universität von Kansas im gleichnamigen US-Bundesstaat belegt, dass kurze Smartphone-Pausen während der Arbeit das Konzentrationsvermögen und die Motivation fördern. Kim untersuchte das Pausenverhalten von 72 Angestellten. Bei den meisten handelt es sich um Büroangestellte.

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Schauen Sie während der Arbeit regelmässig auf Ihr Smartphone?
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Insgesamt 789 Teilnehmer

Die Ergebnisse der Untersuchung dürften manchen Arbeitgeber und Smartphone-Junkie hellhörig werden lassen: «Wer sogenannte Mikropausen einlegte, um ‹Angry Birds› zu spielen oder Facebook zu checken, war danach konzentrierter bei der Sache», sagt Forscher Kim der Zeitung «Wichita Eagle». Ausserdem seien die Mitarbeiter nach dem Unterbruch zufriedener und motivierter gewesen.

Der Schweizer Arbeitspsychologe Christian Katz sieht einen möglichen Grund darin, dass mancher Angestellter während des Arbeitstages gespannt ist, was gerade auf sozialen Netzwerken los ist. Kreisten die Gedanken vermehrt um das Geschehen im Internet und auf Social Media, könne sich dies negativ auf die Produktivität auswirken. «Ist die Neugierde einmal befriedigt, kann wieder konzentriert weitergearbeitet werden», so der Experte. Der Mensch habe ferner das Bedürfnis nach Kontrolle. Ein Verlust derselben kann Stressreaktionen auslösen. «Sobald man wieder auf dem neuesten Stand seiner Online-Kommunikation ist, verringert sich das Gefühl von Kontrollverlust und das Wohlbefinden steigt», führt Katz weiter aus.

«Besser fünf Minuten aus dem Fenster schauen»

Daniella Lützelschwab, Mitglied der Geschäftsleitung des schweizerischen Arbeitgeberverbandes, stimmt Kims Ergebnissen nur bedingt zu. «Kurze Pausen steigern das Konzentrationsvermögen», erklärt Lützelschwab. Das Bedürfnis nach solchen Unterbrüchen sei individuell und genauso verhalte es sich auch mit der Nutzung der Mini-Pausen. «Natürlich dürfen die paar Minuten auch genutzt werden, um auf dem Smartphone zu spielen oder dieses zu checken», so das Geschäftsleitungsmitglied des Arbeitgeberverbandes. Doch es sei fraglich, ob das Herumtippen auf dem Mobiltelefon zur Entspannung oder Erholung beitrage. «Für die Augen wäre es sicher besser, nach der Tätigkeit vor dem Computer fünf Minuten zum Fenster hinauszuschauen», meint Lützelschwab. Ausserdem dürfe man es mit den Pausen nicht übertreiben und solle die dadurch gewonnene Energie und Frische anschliessend wieder in die Arbeit investieren.

Arbeits- und Organisationspsychologin Nicola Jacobshagen sieht das ähnlich. «Grundsätzlich befürworte ich Kurzpausen», sagt die Forscherin der Universität Bern. Dass solche regelmässigen Arbeitsunterbrüche von rund fünf Minuten zu einem Anstieg der Produktivität führten, sei bereits seit den 1970er-Jahren bewiesen. «Zusätzliche Mini-Pausen zu der längeren Pause über den Mittag stärken die Effizienz», erklärt sie. Wie die paar Minuten arbeitsfreie Zeit genutzt werden, ist laut Jacobshagen nebensächlich. «Zentral dabei ist, dass der Arbeitnehmer abschalten kann.» Das könne geschehen, indem man sich verköstige, auf die Toilette gehe oder sich mit den Kollegen austausche. «Soziale Interaktionen am Arbeitsplatz sind sehr wichtig», betont die Arbeits- und Organisationspsychologin. Dadurch sei es möglich, sich Informationen zu beschaffen. Eine weitere Gelegenheit dazu bieten neben dem Schwatz mit den Pultnachbarn soziale Netzwerke. «Da Facebook sehr zeitaufwändig sein kann, trägt dies allerdings nicht in jedem Fall zur Erholung des Mitarbeitenden bei», relativiert Jacobshagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Babsi am 15.07.2014 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    Resultat zählt

    Die meisten Arbeitgeber haben eines nicht begriffen: Wenn man zur richtigen Zeit Qualität abliefert spielt es keine Rolle, wie dieses Resultat entsteht. Viele Arbeitgeber sind deshalb skeptisch gegenüber Homeoffice, Game Pausen, Raucher, etc. Es sollte so sein, wie eine gute Erziehung. Man lässt die Arbeitnehmer zuerst machen, sieht, wer was wie liefert und legt dann die low Performer, die sich selbst nicht kontrollieren können an die Leine.

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  • Stef am 15.07.2014 06:59 Report Diesen Beitrag melden

    Umgekehrt

    Bei vielen Leuten ist es eher umgekehrt. Die machen kurze Mikropausen in denen sie arbeiten und sich von Facebook erholen. ;)

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  • Fabian am 15.07.2014 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist nicht mal so falsch....

    Da kann ich dem Artikel nur zustimmen. wenn mein chef in der pause kurz sein clash of clans zockt, hatt er nachher während der arbeit verdammt gute laune. auch bei anderen mitarbeitern ist mir das schon aufgefallen. wiederum muss ich den einten skeptikern zusprechen, während der arbeitzeit ein ist das ein no-go. aber wenn man mal 5 min pause hatt, warum denn nicht? :D

Die neusten Leser-Kommentare

  • Produktiv am 16.07.2014 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Offensichtlich....

    Arbeiten alle Schweizer im Büro! Muss so sein, denn als Handwerker kann ich nicht mal schnell zwischendurch auf dem Smartphonen eine runde zocken!!

  • Dust am 15.07.2014 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kontrolle ist wichtig

    Man sagt nichts wegen paar Minuten, doch eine halbe Stunde+ ist dann wirklich doch zu viel. Man erhält dadurch auch einen Abstand und kann so seine Arbeit neu beurteilen, oder es kommt eine neue Idee. Gefährlich sind diese Browserspiele, die einem Online-Zeit-Belohnungen geben und so den Spieler an sich binden möchten. Bei diesen Spielen ist die Ablenkung einfach viel zu gross, wie ich schon selbst feststellen musste. Solange man die Zeiten kontrollieren kann ist es ok, doch wenn es ausartet, dann muss man da einfach einen Schlussstrich ziehen und komplett aufhören.

  • Ex Hay Day Fan am 15.07.2014 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbst erlebt und gelernt

    Anscheinend hat noch niemand gemerkt wie wir Sklaven dieser Games werden. Das Leben und die Komunikation findet draussen vor der Tüt statt. Und vergesst euren Partner nicht vor lauter chats. Habe all das Zeugs weg getahn. Weil ich es bemerkt habe, weil sich Mensch im Game in mich verliebt haben. Weil ich mich mit meiner Frau unterhalten will und nicht mit jemand Fremden .

  • Alfred Eisler am 15.07.2014 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Fristlos!

    Wer während der Arbeit sein Smartphone privat benutzt, gehört nach einmaliger Verwarnung fristlos entlassen!

  • Samuel H. am 15.07.2014 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja Schweizer "Experten"

    Diese sogenannten "Arbeitsexperten" glauben wohl auch, dass von einem 8h Arbeitstag, 7h fleissig gearbeitet werden...