Internet-Shutdown

11. Januar 2020 19:47; Akt: 11.01.2020 19:47 Print

Whatsapp war letztes Jahr 6236 Stunden gesperrt

Messenger-Apps sind bei der Organisation von Protesten nicht mehr wegzudenken. Dagegen gehen die Regierungen vieler Staaten immer stärker vor.

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Whatsapp war im vergangenen Jahr die Messenger-App, die von Regierungen weltweit am häufigsten vorsätzlich stillgelegt wurde. Einer Studie von Top10VPN zufolge wurde die App im Jahr 2019 insgesamt 6236 Stunden lang unterdrückt. Am häufigsten war dies in Ländern wie Sri Lanka oder dem Sudan der Fall.

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Whatsapp ist vielen Regierungen ein Dorn im Auge, da seine End-to-End-Verschlüsselung es Nutzern einfach macht, ohne die Überwachung zu kommunizieren und Protestaktionen oder Aufstände zu planen. Ausserdem ist es eine der weltweit beliebtesten Kommunikations-Apps mit einer dementsprechend grossen Nutzerzahl.

235 Prozent mehr Shutdowns

«Für Regierungen ist es erschreckend einfach, Plattformen wie Whatsapp zu schliessen, da sie von regionalen Lizenzen abhängig sind», sagt Samuel Woodhams, ein Autor der Studie, dem «Independent». Betroffen von solchen Shutdowns ist aber nicht nur Whatsapp, sondern auch andere Kommunikations-Apps wie beispielsweise Facebook, Twitter oder Youtube.

Generell fanden im Jahr 2019 mehr Internet-Shutdowns statt als jemals zuvor. Zusammengerechnet sollen diese rund 18'000 Stunden angedauert haben und gegenüber den Jahren 2015 und 2016 um 235 Prozent angestiegen sein, berichtet die Studie.

Hintertür für die Regierung

Das Thema der staatlichen Überwachung ist aber nicht nur in jenen Ländern, die die Sperrungen durchgeführt haben, ein Thema. Auch in den USA und in Grossbritannien wird seit Jahren darüber diskutiert, ob staatlich verfügte Hintertüren in Apps wie Whatsapp oder Facebook Messenger eingeführt werden sollen.

Solche Hintertüren sollen es den Behörden erlauben, verschlüsselte Nachrichten dennoch mitzulesen. Dies soll helfen, kriminelle Aktivitäten wie Kinderpornografie oder Drogenhandel aufzudecken oder Terror zu verhindern.

Tech-Firmen und Datenschützer warnen allerdings davor, solche Hintertüren einzubauen. Sie argumentieren, dass es unmöglich sei, eine Hintertüre für Regierungen offen zu lassen, ohne dass diese einen potenziellen Angriffspunkt für Hacker darstellten. Dies würde also eine Schwächung für die Verschlüsselung insgesamt bedeuten.

Selbst programmierte Apps

Vielerorts sind die Aufständischen den Behörden technologisch gesehen aber bereits einige Schritte voraus und haben eigene Apps geschaffen. So wurden etwa viele der Unabhängigkeitsdemonstrationen in Katalonien über eine selbst programmierte Chat-App organisiert. Daraufhin veranlasste der spanische Staat, dass das Entwicklungsprojekt von der Codesharing-Website Github gelöscht wurde.

Auch bei den Protesten in Hongkong kommen selbst programmierte Apps zum Einsatz. Eine der bekanntesten ist HKmap, die ihre Nutzer live über die Aufenthaltsorte von Polizeifahrzeugen informiert und anzeigt, wo gerade Tränengas zum Einsatz kommt. Im Oktober verschwand die App plötzlich aus Apples App Store. Sie verstosse gegen dessen Richtlinien, liess der kalifornische Konzern mitteilen.

(doz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 11.01.2020 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Privatsphäre

    Jede Person hat recht auf Privatsphäre und Kommunikationsfreiheit.

  • i-fit-you am 11.01.2020 20:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Knechtschaft

    Naja, Staaten sind ja einfach nur ein Knechtschaftskonstrukt. Klar, dass man versucht, dieses stets aufrecht zu erhalten.

    einklappen einklappen
  • DanGio am 12.01.2020 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit ist eines der wertvollsten Güter!

    Die Freiheit ist eines unserer wertvollster Güter. Mit Überwachung schränken wir diese Freiheit massiv ein. Wer glaubt nichts zu verbergen zu haben und es deshalb ok findet der sei an die vielen unschuldigen Opfer erinnert die die Überwachung und Datensammlungen seit Jahrzehnten gekostet hat! Schon die Nazis nutzen die Datensammlung der Holländer in welcher auch die Religion der Bürger aufgeführt war - wer hätte zuvor gedacht das die Speicherung der Religionszugehörigkeit einmal zum Todesurteil werden könnte ...? . Wer erinnert sich noch an den Fichenskandal? Snowden - was wurde da alles ans Tageslicht geführt ? usw Jede Hintertür, jede Datensammlung wird missbraucht es ist nur immer einr Frage der Zeit und ob/wann es rauskommt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • K. Stein am 12.01.2020 21:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VPN als Lösung

    ich kann jedem nur empfehlen VPN zu benutzen. damit kann man auch ganz praktisch Schweizer TV auch aus dem Ausland heraus angucken. und Sperren solcher Regime machen einem nichts mehr viel aus. da muss schon das ganze mobile Internet des Landes gesperrt werden damit man nicht mehr kommunizieren kann. alternativ gibt es noch so genannte 'Zombie-Messenger' (offline Messenger) die auch ohne Internet noch via Wifi oder Bluetooth funktionieren. diese Messenger sind auch im Katastrophenfall ganz praktisch weil man auch wenn die Stromversorgung des Mobilfunks zusammengebrochen ist noch mit den Geräten in der direkten Umgebung kommunizieren kann.

  • DanGio am 12.01.2020 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit ist eines der wertvollsten Güter!

    Die Freiheit ist eines unserer wertvollster Güter. Mit Überwachung schränken wir diese Freiheit massiv ein. Wer glaubt nichts zu verbergen zu haben und es deshalb ok findet der sei an die vielen unschuldigen Opfer erinnert die die Überwachung und Datensammlungen seit Jahrzehnten gekostet hat! Schon die Nazis nutzen die Datensammlung der Holländer in welcher auch die Religion der Bürger aufgeführt war - wer hätte zuvor gedacht das die Speicherung der Religionszugehörigkeit einmal zum Todesurteil werden könnte ...? . Wer erinnert sich noch an den Fichenskandal? Snowden - was wurde da alles ans Tageslicht geführt ? usw Jede Hintertür, jede Datensammlung wird missbraucht es ist nur immer einr Frage der Zeit und ob/wann es rauskommt.

  • KT am 12.01.2020 06:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen verwirrt

    Gab es nicht immer wieder diskussionen und hassreden über whatsapp gerade weil andere einfach an die daten gelangen können? Aber regierungen sind da wohl nicht dabei? Abgesehen davon bin ich doch ein bisschen überrascht wieviele leute nicht von selbst darauf kommen wie eine so hohe stundenzahl zustande kommt obwohl whatsapp für sie immer funktioniert hat

  • biker am 12.01.2020 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles gut...

    Die Welt ist in Ordnung wenn es so eine Meldung auf die Titelseite schafft

  • Der Schweizer am 12.01.2020 03:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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