Staatliche Überprüfung

03. März 2016 05:48; Akt: 03.03.2016 05:48 Print

Wie die Handydaten zum Täter führen können

In zwei aktuellen Schweizer Kriminalfällen werten Ermittler die Mobilfunkdaten Tausender Handynutzer aus. So funktioniert die digitale Fahndung.

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Behörden können einzelne Handys bis auf zehn Meter genau orten. (Symbolbild AFP)

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Weder ein Massen-Gentest unter 355 Männern noch Aufrufe in der Bevölkerung und eine Belohnung von 10‘000 Franken konnten die Ermittler im Vergewaltigungsfall von Emmen LU zum Täter führen. Deshalb überprüft die Staatsanwaltschaft jetzt sämtliche Handynummern und deren Besitzer, die zur Tatzeit in der Nähe mit ihrem Mobiltelefon eingeloggt waren. Auch die Ermittler von Rupperswil werten die Handydaten der Nutzer aus, die sich zum Zeitpunkt des Vierfachmordes in der Nähe des Tatorts aufhielten.

Wie die Auswertung von Handydaten funktioniert, welche Daten überprüft werden können und auf wie viele Meter genau ein Smartphone geortet werden kann, erfahren Sie hier.

In welchem Fall rücken die Telekomanbieter Handydaten ihrer Kunden raus?
«Jede Überwachung muss sowohl vom Dienst Überwachung Post- und Fernmeldeverkehr (ÜPF) des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements als auch einem Zwangsmassnahmengericht genehmigt werden», sagt Swisscom-Pressesprecher Armin Schädeli. Ein Untersuchungsauftrag gehe vom ÜPF zu den Mobilfunkanbietern. Um welchen Kriminalfall es sich dabei handle, sei für die Mobilfunkanbieter nicht erkennbar.

Welche Handydaten werden gespeichert?
Gemäss geltendem Bundesgesetz betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (Büpf) müssen Telekomunternehmen sogenannte Mobilfunk-Randdaten aufbewahren und den Strafverfolgungsbehörden gegebenenfalls zur Verfügung stellen. Randdaten dokumentieren unter anderem, welches Handy wann, wo, wie lange und mit wem kommuniziert hat. Inhalte von Telefongesprächen, Kurznachrichten oder Mails werden nicht gespeichert.

Wie lange müssen Handydaten abgespeichert werden?
Gemäss dem derzeit in Revision befindlichen Büpf müssen Telekomanbieter die Handydaten aller Nutzer sechs Monate lang abspeichern. Allerdings liegt die Vergewaltigung von Emmen schon über ein halbes Jahr zurück. Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die Auswertungen in diesem Fall schon seit längerem in Gang sind und erst jetzt kommuniziert wurden.

Speichern Telekomanbieter Daten länger als ein halbes Jahr?
Davon ist auszugehen. Rechtlich gesehen käme man zwar nur sechs Monate lang an Handydaten heran. «Wegen Rechnungsstellungen, aber auch zu Werbezwecken dürften Provider Kundendaten wohl länger speichern», so der IT-Forensiker.

In welchem Radius um eine einzelne Antenne werden Handys erfasst?
Das hängt gemäss Bloch vor allem von der Umgebung ab. In urbanen Gebieten sei der Radius kleiner, während er in wenig besiedelten Gegenden grösser sei. «Es kann aber sein, dass ein Handybesitzer aufgrund der Lastverteilung seitens der Provider gar nicht über den nächstgelegenen Funkmasten verbunden ist», so Bloch. Deshalb wertet die Staatsanwaltschaft nicht nur die Daten einer Antenne, sondern von mehreren in der Umgebung eines Tatorts aus.

Wie genau kann ein Handy geortet werden?
Auch das sei sehr unterschiedlich und hänge von der Umgebung ab, sagt IT-Forensiker Bloch. «Je mehr Antennen in der Nähe aufgestellt sind, desto genauer kann der Ort bestimmt werden.»
In urbaner Umgebung könne man jemanden auf zehn bis
zwanzig Meter genau lokalisieren.

(pst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • DB am 03.03.2016 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuviel Information / Täterschutz

    Es macht ausserordentlich viel Sinn, Ermittlungs- und Fahndungsmethoden öffentlich zu kommunizieren! Ist bestimmt sehr Hilfreich bei der Suche nach den Täter. Soviel zum Thema Medienfreiheit!

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  • Tell III am 03.03.2016 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatsanwaltschaft chancenlos

    Ein wirklich potenzieller Verbrecher wird ohne eingeschaltetes Handy seinen Job verrichten. Leider ist es so. Schließlich wissen die genau, daß Handys geortet werden können. Schlimm für die Frau.

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  • Saubermann am 03.03.2016 06:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Saubere Weste

    Wer nichts unseriöses treibt, hat keine Sorgen. Wie bei einer Billetkontrolle im Zug. Lieber eine transparente Rechtssituation, als dunkle Gewalt

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Die neusten Leser-Kommentare

  • despicable me am 04.03.2016 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Findet den Mann bitte!

    viele vergessen, dass ein ausgeschaltetes Handy oder eines das zuhause bleibt auch verräterisch sein kann. Jüngstes Bsp. in Italien zu finden, wo der Handy Usus täglich ist + genau am Straftag still blieb. Ich vermute den Täter ausserhalb des Kantons. Es bringt nichts DNAs der Gegend od des Kantons aufzunehmen + auszuwerten. Was hilft ist eine klassische Untersuchung. Aufrufe, Verteilung der Informationen an das Volk. Eine solche Tat verändert gar den Täter. Es könnte gar ein "Jugendlicher" sein der sich in LU im Ausgang aufhielt. Es kann vieles es wird ab Zeit das der nicht mehr frei rumlauft

  • Ruedi am 04.03.2016 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin dafür

    Ich habe nichts zu verbergen, sollen sie doch meine Daten auswerten wenns glücklich macht. Ich pflege gute Beziehungen zur Polizei , die haben mir immer geholfen. Wenn mir jemand Ärger machen sollte, habe ich die Kripo auf der Kurzwahl. Mein Strafregister ist leer, also was solls. Und wenn man dadurch Terroristen in den Hintern treten kann umso besser.

  • Sonder ermittler am 03.03.2016 22:38 Report Diesen Beitrag melden

    Rückständige ermittler

    Die Handydaten auszuwerten war mein erster Gedanke, als ich darüber nachdachte wie man dem Täter habhaft werden kann. So gesehen sind die Ermittler einfach nicht am Puls der Zeit, wenn sie das erst jetzt in Erwägung ziehen. Weiterbildung und neue Techniken sinnvoll zu nutzen sind wohl Fremdwörter bei der Polizei.

    • kein Experte am 04.03.2016 14:45 Report Diesen Beitrag melden

      Plaudertasche

      "Deshalb kann davon ausgegangen werden, dass die (Handydaten-)Auswertungen in diesem Fall schon seit längerem in Gang sind und erst jetzt kommuniziert wurden." - Gut, sind Sie im echten Leben kein Sonderermittler! ;-)

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  • CT am 03.03.2016 10:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann man sich ja selbst denken...

    Sind ja auch wirklich bahnbrechende Neuigkeiten...

  • Barabrian am 03.03.2016 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle neue Welt

    tja, jetzt stehen erstmal alle handybesitzer die zu diesem Zeitpunkt am falschen Ort waren erstmal unter Generalverdacht. Wenn mam pech hat, findet man sich selber ja noch vor Gericht dann. Tolle neue Welt.

    • Bea Egger am 03.03.2016 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Barabrian

      während die Schuldigen mit ziemlicher Sicherheit clever genug waren, ihre Handys ausgeschaltet zu lassen..Und zukünftige Verbrecher jetzt genau wissen, dass Ihr Handy ausgeschaltet sein muss...

    • Theo Meier am 04.03.2016 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Ungenau

      Zudem ist es möglich, dass man durch roaming in verschiedenen Zellen technisch immer noch in Zürich "eingeloggt" ist, während dem man schon längst in einer anderen Stadt ist.

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