Presseschau

26. Juli 2018 17:20; Akt: 26.07.2018 17:20 Print

Wie ein Anruf Facebook 150 Mrd Dollar kostete

Der Aktienkurs des Social-Media-Giganten brach in der Nacht auf Donnerstag zeitweise um bis zu einem Viertel ein. So reagierten die Medien weltweit.

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Es war wahrscheinlich der teuerste Anruf, den Facebook je geführt hat. Der Kurs des Konzerns sank nach einer Telefonkonferenz um einen dreistelligen Milliardenbetrag, weil die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt wurden. Facebook müsse nun den Preis für die vergangenen Skandale bezahlen, schreibt die «New York Times». Vor allem neue Regulierungen und der Verlust an Popularität bei der jüngeren Zielgruppe würden dem Unternehmen zu schaffen machen. Für «USA Today» geht es vor allem um die eingefahrenen Verluste. Auch der Firmenchef Mark Zuckerberg verlor fast 17 Milliarden Dollar. «The Guardian» führt den Einbruch des Aktienkurses vor allem darauf zurück, dass es bei Facebook Bedenken wegen des Nutzerwachstums gibt. Im Kommentar der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» wird erklärt, dass der Konzern ins Mark getroffen wurde. Ein Wortspiel? Mit dem Titel «Jetzt tut es weh» wird angedeutet, dass dies erst der Anfang der Probleme für den Konzern sein könnte. «Die Presse» aus Österreich erklärt sich die Probleme bei Facebook durch den Datenskandal um Cambridge Analytica und die Einführung der europäischen Datenschutzverordnung. Den Verlust an Nutzern in Europa könne der Konzern aber verkraften. Die «Süddeutsche Zeitung» begründet den Rückgang sachlich, schreibt aber dazu, dass Facebook nach wie vor eine Geldmaschine sei. Die «Neue Zürcher Zeitung» berichtet, dass die veröffentlichten Quartalszahlen die Investoren in die Flucht geschlagen hätten. Facebook sei nicht mehr unantastbar. Das Portal Watson.ch geht noch einen Schritt weiter und schreibt, dass Facebook an der Börse gerade «zerstört» worden sei.

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«Jetzt tut es weh», schreibt die «FAZ» in einem Kommentar zu den schwächer als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen von Facebook. Der Konzern sei im Mark getroffen und Herausforderungen wie neue Regulierungen und der Verlust an Popularität bei der jüngeren Zielgruppe würden sich jetzt bemerkbar machen.

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Die «New York Times» titelt indessen «Facebook bezahlt jetzt den Preis für seine Skandale». Dazu gehört etwa der prominente Datenschutzvorfall mit Cambridge Analytica, bei dem von der externen Firma mehr Nutzerdaten gesammelt wurden, als eigentlich erlaubt gewesen wären.

Ein teurer Anruf

Grund für den Einbruch des Facebook-Aktienkurses war eine Telefonkonferenz mit Analysten. Diese sogenannten Earnings Calls machen börsenkotierte Unternehmen regelmässig, um ihre Investoren und Experten aus der Finanzbranche auf dem Laufenden zu halten. So schlimm hatte es sich Firmenchef Mark Zuckerberg aber wohl nicht vorgestellt.

Für die britische Tageszeitung «The Guardian» liegt der Einbruch vor allem daran, dass das Unternehmen die Analysten davor gewarnt hatte, dass sich die Umsatzentwicklung künftig verlangsame. Zudem habe die Zahl der Facebook-Nutzer – sowohl nach täglicher wie auch nach monatlicher Nutzung – in Europa erstmals abgenommen.

Das gleiche Lied

Auch in den deutschsprachigen Medien ist der Einbruch ein wichtiges Thema. Die österreichische Zeitung «Die Presse» schreibt, der Einbruch bei den europäischen Nutzern sei für den Konzern verschmerzbar, da europäische Nutzer deutlich weniger Geld bringen würden als solche aus Nordamerika.

Die «Süddeutsche Zeitung» führt den Absturz nach dem Quartalsbericht hauptsächlich auf die schwachen Zahlen zurück, die auf die Einführung der europäischen Datenschutzverordnung zurückzuführen seien. Das Unternehmen sei aber nach wie vor eine Geldmaschine.

Verluste in Milliardenhöhe

Das private Vermögen von Mark Zuckerberg reduzierte sich wegen des Einbruchs zwischenzeitlich um fast 17 Milliarden Dollar. Nicht nur ihm, sondern auch der Schweizer Nationalbank könnte ein dauerhafter Einbruch der Facebook-Aktie allerdings teuer zu stehen kommen.

Die Zentralbank hält knapp neun Millionen handelbare Facebook-Aktien (Stand März 2018) und hat somit mehr Anteile als der Firmenchef und -gründer Mark Zuckerberg selbst. Ob es nur um einen kurzfristigen Einbruch oder eine längere Baisse handelt, ist derzeit jedoch schwer einzuschätzen.

Offizielle Stellungnahme

Auch Firmenchef Mark Zuckerberg äusserte sich via Facebook zu den Zahlen, blieb aber positiv. Über zweieinhalb Milliarden Menschen würden jeden Monat eine der Apps von Facebook verwenden, zu denen etwa auch Whatsapp und Instagram gehören. Zudem werde viel investiert, um die Nutzung sicherer und glaubwürdiger zu machen.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schwizer am 26.07.2018 17:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss ich das verstehen?

    Warum kauft die SNB Aktien von Facebook?

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  • Stefan W. am 26.07.2018 17:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Träum weiter

    Wer glaubt das FB jetzt weniger Wert ist, träumt auch von der Zahnfee. Ein grosser Teil der freien Liquidität wird benutzt um bei solchen Kursverlusten eigene Aktien zum Spottpreis zu Kaufen,

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  • tim struppi am 26.07.2018 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    doppeldenker

    Klar schreiben Medien negativ über Facebook, jene sind ja dafür verantwortlich, dass die Zeitungen weniger Inserate verkaufen können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter am 27.07.2018 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich doof?

    Muss ich das verstehen? Die SNB hält 9 Mio. Aktien, also bei einem Kurs vom aktuell 178 ca. 1.6 Mia. Zuckerberg hat 17 Mia. verloren, wie kann die SNB da mehr halten?!?

  • Mein Mitleid hält sich ziemlich in am 27.07.2018 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Grenzen für diesen Typ

    Jaja, der grosse Spieler ZOCKERBERG hat sich verzockt! ;)

  • William am 27.07.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    big bro watching you

    habe mein Konto bei fb seit gut 6 Monaten gesperrt. big brother watching you. geschieht dem Zuckerbrot recht, jetzt darf er die peitsche spüren. Hat die Idee fb eh seinem damaligen Zimmer Kollegen geklaut. Darum hat er keine Ahnung von fb. fb ist eh überbewertet.

    • leser am 27.07.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      alles klar

      oh ja, weil Du Dein privates Konto bei facebook "gesperrt" hast, haben sie jetzt die Peitsche gespürt und einen Umsatzeinbruch erlebt. Soviel Selbstvertrauen habe ich lange nicht mehr erlebt.

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  • FG. am 26.07.2018 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Rückenschuss"

    Weil ich mich bei FB kritisch über Unkorrektheiten beschwerte, wurde mein Konto blockiert. Zu meinen Bildern die überall beliebt waren, hatte ich keinen Zugriff mehr. Vermutlich werden diese für Werbezwecke benutzt und daraus unerlaubt Kapital geschlagen.

    • Lol am 26.07.2018 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @FG.

      Was heisst hier unerlaubt? Hast du mal die AGBs gelesen? Alles auf Facebook gehört Facebook....oder dachtest du etwa die machen das einfach so gratis?

    • leser am 27.07.2018 08:34 Report Diesen Beitrag melden

      davon lebt das Internet

      @lol, und Fotos werden ja nicht nur von facebook genutzt. Wie häufig kommen auch hier diese Fotos, mit entsprechender Quellangabe. Wird daraus dann "Kapital geschlagen", wohl eher weniger, aber Leserschaft, die wiederum Werbeempfänger sind. Der Kreislauf der Wirtschaft.

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  • Mandrlo iz Splita am 26.07.2018 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    Zuckerberg? Eher Zuckerpfütze...

    Geschieht MZ und jedem Anhänger, Investor & Co. recht... denn jetzt kann ICH FB günstig kaufen...

    • frankyBoy am 26.07.2018 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mandrlo iz Splita

      Zucker.. unter.. dem Berg.

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