Verhalten verrät uns

04. Dezember 2015 18:07; Akt: 04.12.2015 20:01 Print

Wie wir blinzeln, gehört zum Passwort der Zukunft

Zusätzlich zu Fingerabdruck oder Augenscan soll uns künftig unser Verhalten eindeutig identifizieren. Am Passwortersatz wird fleissig gearbeitet.

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Das iPhone per Fingerprint zu entsperren, ist bequem. Bei anderen Herstellern geht das gar mit dem Scan der Netzhaut. Auch gibt es den Login per Venen-Analyse. Mit entsprechendem Aufwand lassen sich aber so manch biomentrische Merkmale übertölpeln.

Deshalb arbeiten Hersteller bereits an der nächsten Stufe der Identifikation. Es ist eine Mischung aus menschlichem Verhalten und biometrischen Merkmalen – kurz Behaviometrics. Dabei meldet man sich einerseits mit einem biometrischen Merkmal an, etwa dem Fingerabdruck. Zusätzlich analysiert das System, wie wir damit interagieren.

Das Wischen verrät uns

Dabei wird beispielsweise erfasst, wie stark wir auf der Tastatur anschlagen, in welchem Winkel wir per Wisch den Touchscreen entsperren, was genau wir anklicken, wie sich der Mauszeiger auf dem Bildschirm bewegt, wie wir blinzeln oder auch in welchem Tonfall wir mit dem Computer sprechen. Daraus lässt sich ein komplexes Verhaltensmuster generieren.

Die Kombination gilt als sicher: «Es ist praktisch unmöglich, das gesamte Verhaltensmuster eines Menschen zu kopieren», schreibt Neil Costigan, CEO Bei Behaviosec. Das Unternehmen aus Schweden hat sich auf verhaltensgestützte Zutrittskontrolle spezialisiert. Auch sieht Costigan einen weiteren Vorteil für die Nutzer selbst. «Unser Verhalten ist das einzige Passwort, das wir niemals vergessen», so der CEO.

Auch das Militär forscht

Anwenden lässt sich die kombinierte Art der Identifikation bei PCs, aber auch bei mobilen Geräten. Im Kleinen sind sie schon da. Bei Googles ReCaptcha-Methode etwa. Diese analysiert sowohl Mauszeiger wie auch Tastatureingabe und kann so Bots von menschlichen Nutzern unterscheiden.

Interesse an Behaviometrics zeigten bisher vor allem Banken, aber auch Google und das amerikanische Verteidigungsministerium, schreibt das «Wall Street Journal». Alle Unternehmen würden darin grosses Potenzial sehen. So soll der Mensch vom Problemfaktor, der schlechte Passwörter wählt, zur Lösung der Sicherheitsfrage werden.

(tob)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani B. am 04.12.2015 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Supercookie

    Sicherheitsfrage? So ist niemand mehr anonym im Net. Daher das Interesse. Es gibt nur 7,4 Milliarden mögliche User.

    einklappen einklappen
  • Trin am 04.12.2015 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten ändert stetig

    Doch wenn ich getrunken habe verhalte ich mich anders ... Und kann das Smartphone dann nicht entsperren. Bei viel Stress ist mein Verhalten auch Total anders. Bin doch keine Maschine die sich immer gleich Verält.

  • Unwichtig am 04.12.2015 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Roboternation

    Der beste weg eine drohne zu werden und von überall kontrolliert zu sein. Ein eigenes leben zu haben und selbst zu steuern ist unwichtig...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland der Mensch am 07.12.2015 19:28 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Programmierer und Werbeheini

    die nehmen immer an, dass ein Mensch sich immer gleich verhält, wie eine Maschine. Eine ziemlich plumpe Betrachtungsweise unserer Programmier "Elite". Die glauben einfach, wenn ich mal im Winkel von 32,14 Grad über das Display wische, dass ich das dann immer genau so mache. Es wird weder die Stimmung, noch die gesundheitliche Verfassung noch sonst etwas berücksichtigt. Vielleicht hat ja jemand einen Unfall gehabt und ist deswegen im Stress - dann kann er wegen so einem High Tech Mist nicht mal Hilfe holen...

  • Toni Zuber am 05.12.2015 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schutz oder Gefahr ?

    Der Passwortersatz ist in Geheimdienstkreisen schon lange Standard. Dazu zählen die Einzigartigkeit der Stimme, der Fingerabdrücke und das Gesicht. Die NSA erkennt dich im Gespräch am Telefon wie auch bei der Internet Nutzung. Dagegen hilft nur verschlüsselt telefonieren , Handschuhe und Gesichtsmasken. Im Winter funktionieren Alle. Das ganze Jahr hindurch nur verschlüsselte Telefon Apps aus der Schweiz.

  • F.K. am 05.12.2015 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Àugen raus und Finger ab

    Was passiert, wenn man das Auge aussticht (das Blinzeln simuliert) und den Finger abhackt? Und beides gebraucht

  • Silvia Nehmer am 05.12.2015 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Blinzeln als Passwort

    Nach einer Operation beider Augen benötige ich während langer Zeit mindestens 4 - 6 mal täglich befeuchtende Augentropfen. Mit trockenen Augen, wenn ich die Tropfen zu spät appliziere, blinzle ich extrem. Kann ich dann mein Smartphone nicht nutzen ohne meine Augentropfen ? ?

  • Trin am 04.12.2015 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verhalten ändert stetig

    Doch wenn ich getrunken habe verhalte ich mich anders ... Und kann das Smartphone dann nicht entsperren. Bei viel Stress ist mein Verhalten auch Total anders. Bin doch keine Maschine die sich immer gleich Verält.