Grosse Ehre

28. Juni 2011 17:43; Akt: 29.06.2011 17:12 Print

Wikipedia-Gründer lässt Schweizer den Vortritt

Der europäische «Leonardo» geht dieses Jahr an Jimmy Wales. Anstelle des Gründers der Online-Enzyklopädie nimmt ein Berner Forscher den Preis entgegen.

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Jimmy Wales tourt als Botschafter der Online-Enzyklopädie Wikipedia um die Welt. Den «Leonardo» dürfen drei ehrenamtliche Mitarbeiter abholen. (Bild: Keystone)

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Nando Stöcklin, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Pädagogischen Hochschule (PH) Bern, wird am 21. September in Köln den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales vertreten. Der 36-jährige Schweizer erhält zusammen mit zwei weiteren Wikipedia-Bildungsvertretern aus den Niederlanden und Deutschland den «Leonardo - European Corporate Learning Award». Sie kommen zum Zug, weil der Wikipedia-Gründer nicht selber im Rampenlicht stehen will.

Sinnvolle Nutzung?

Wales habe viele Menschen inspiriert, ihre Kreativität aktiv einzubringen und damit in ihrem Land einen wichtigen Beitrag für Wikipedia zu leisten, heisst es. Wie die Online-Enzyklopädie selbst soll auch die Preisverleihung nicht ihn als Hauptperson in den Mittelpunkt stellen, sondern die vielen Akteure, die zum Erfolg von Wikipedia beitragen.

Nando Stöcklin tat dies, indem er sich seit 2006 zusammen mit Kollegen mit der Frage beschäftigte, wie Schulen sinnvoll mit Wikipedia umgehen. Das Fazit seiner Forschungsgruppe lautet: «Wikipedia ist eine der meistgenutzten Plattformen für Lernzwecke, weshalb es wichtig ist, den kompetenten Umgang mit der Online-Enzyklopädie zu fördern».

So hat er mit wikibu.ch einen Online-Dienst entwickelt, der diesem Zweck dient. Stöcklin ist auch Wikipedia-Autor und Verfasser eines Buchs über die sinnvolle Nutzung von Wikipedia. Er hält zudem zum Internet-Lexikon Referate und Kurse.

Kein Wikipedia-Eintrag

Der Leonardo - European Corporate Learning Award wird zum zweiten Mal verliehen. Erster Preisträger war 2010 der französische Politiker Jacques Delors, langjähriger Präsident der Europäischen Kommission und Vorsitzender der internationalen UNESCO-Bildungskommission.

Mit dem «Leonardo» werden Personen ausgezeichnet, die «Leuchtturm-Projekte» für die betriebliche Weiterbildung in Europa initiiert und umgesetzt haben. Die Anwärter können sich nicht selbst bewerben, sondern werden von einer international besetzten Jury bestimmt. Die Auszeichnung erhalten die Preisträger jeweils anlässlich der im Herbst stattfindenden Fachmesse «Zukunft Personal».

Einen Schönheitsfehler hat die Auszeichnung des Wikipedia-Gründers zurzeit noch. So fehlt bislang in der populären Online-Enzyklopädie ein Beitrag über den europäischen «Leonardo».

(dsc/sda)