Hightech-Ermittlung

10. Dezember 2018 21:51; Akt: 10.12.2018 21:51 Print

iPhone-Daten werden Mörder zum Verhängnis

In einem Mordprozess in England wurden aufgezeichnete Handy-Gesundheitsdaten als Beweis vorgelegt. Das Alibi des Täters wurde so widerlegt.

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Hercule Poirot, Sherlock Holmes und Columbo hätten bei Mordermittlungen wohl bald einen schweren Stand. Denn in einem aktuellen Fall, über den Telegraph.co.uk berichtet, wurde in England erstmals ein Verbrechen mithilfe von Daten, die auf einem iPhone aufgezeichnet worden waren, aufgeklärt. Und dies, obwohl sich der 37-jährige Täter eigentlich bemüht hatte, sich ein Alibi zu verschaffen.

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Doch zurück zum Anfang: Der 37-Jährige und seine Frau lebten in der Stadt Middlesborough im Nordosten Englands und betrieben zusammen eine erfolgreiche Apotheke. Ihre Ehe war jedoch unglücklich und der Mann suchte auf Grindr regelmässig nach Sex-Partnern. Zudem war er in einer heimlichen Beziehung mit seinem «Seelenverwandten» in Sydney.

Geplanter Mord

Sein Wunsch war es demnach, seine Frau loszuwerden und zu seinem Freund nach Australien zu ziehen. Im Mai dieses Jahres schritt er zur Tat: Zuerst injizierte er seiner 34-jährigen Frau Insulin und erdrosselte sie anschliessend mit einer Einkaufstüte. Danach fesselte er sie mit Klebeband und richtete in der Wohnung ein Chaos an, so dass es nach einem Einbruch aussah. Danach verliess er das Haus und holte sich in der Nähe eine Take-away-Pizza, was von einer Überwachungskamera festgehalten wurde.

Der Mann hatte der Polizei erzählt, dass er seine Frau tot aufgefunden hatte. Die Daten, die die Behörden von seinem beschlagnahmten iPhone untersuchen konnten, verrieten ihn jedoch. Denn diese zeigten, dass er sich zum Zeitpunkt der Tat im Haus befand und er danach mehrmals die Treppe benutzt und sich im Gebäude bewegt hatte.

Verräterische Suchbegriffe

Neben den iPhone-Daten wurden dem Gericht auch weitere Indizien präsentiert. So googelte der Apotheker schon lange vor dem Tag nach Begriffen wie «I need to kill my wife» (Ich muss meine Frau töten), «insulin overdose» (Insulin-Überdosis) und «hiring hitman» (Profikiller engagieren).

Zudem kam im Ermittlungsverfahren heraus, dass er vom Tod seiner Frau auch wegen einer Versicherungspolice über zwei Millionen Pfund finanziell profitieren wollte. Der 37-Jährige wurde vom Gericht schliesslich wegen Mordes an seiner Frau zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maler50 am 11.12.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeigt deutlich

    In diesem Fall waren die Smartphone-Daten nützlich um einen Mörder zu überführen dennoch zeigt es auch wie diese Daten von dritten eingelesen werden können y dein Leben wie ein offenes Buch ist.In vielen Bereichen kann dies zum Nachteil des Besitzers ausgenützt werden.Nicht erstrebenswert.

    einklappen einklappen
  • John 3/16 am 10.12.2018 22:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immer das liebe Geld

    Ein Apotheker der nach Insulin Überdosis googelt lol, bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Letzteres wohl eher nicht:-)

  • Zürcher am 10.12.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pech oder Glück?

    Wurde zum Verhängnis ist wohl eine etwas unglückliche Beschreibung. Handydaten führten zur Festnahme des Mörders wäre wohl angemessener, oder ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ernst Hugentobler am 11.12.2018 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kein High-Tech, eher Standard

    Die Strafverfolger sind nicht von gestern und verwenden die gleiche Technik auch privat. Entsprechend wissen sie auch, wo man Daten abgreifen kann. Auch Daten von Fitbit u.ä. finden regelmässig Verwendung, genau so wie Standortdaten etc.

  • David R. am 11.12.2018 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    nicht überraschend

    Ich sage schon lange, wenn ich einen Mord begehen würde, wäre mein Handy nicht dabei.

  • Zeitzeuge am 11.12.2018 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Daher ganz wichtig

    Bei einem Verbrechen vorher das Handy immer wo anders "parken", sodass es das Alibi stützt und nicht untergräbt.

  • Grüne Moraltante am 11.12.2018 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datenschutz!

    da wird sich der Glättli sicher für sein kleines Mörderlein einsetzen. Er ist ja vehement gegen Überwachung und Datenschutz

  • Dave am 11.12.2018 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naa ja..

    Sicherheit hin oder her, ich benutze Google Maps schon seit längerem, um meine Strecken in der Vergangenheit ansehen zu können. Ich habe auch nicht vor, in Zukunft irgendjemanden umzubringen, also stört mich das doch nicht, wenn Google weiß wo ich bin.