16. August 2007 13:53; Akt: 16.08.2007 15:54 Print

Wikipedia: CIA schreibt mit

Die Glaubwürdigkeit der Online-Enzyklopädie Wikipedia befindet sich im freien Fall. Jetzt hat ein Informatik-Student ein Programm entwickelt, mit dem sich die Autoren der Lexikon-Einträge zurückverfolgen lassen. Resultat: Firmen wie Microsoft oder Organisationen wie die CIA gehören zu den eifrigsten Autoren.

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Das Je-Ka-Mi-Lexikon Wikipedia ist offensichtlich bei aller basisdemokratischen Selbstkontrolle durch die kritischen User-Massen nicht vor Manipulationen gefeit. Nun hat ein Student namens Virgil Griffith ein Online-Tool entwickelt, das gemäss verschiedenen Kommentatoren den letzten Sargnagel für Wikipedias Glaubwürdigkeit darstellen könnte.

Griffith, inspiriert von der öffentlich gewordenen Tatsache, dass zahlreiche US-Kongressabgeordnete systematisch an ihrem Wikipedia-Eintrag feilen, wollte wissen, ob Firmen oder Organisationen systematisch und mit der gleichen Akribie am Web-Lexikon in ihrem Sinne mitschreiben.

Der Student an der CalTech-Universität für Computertechnologie entwickelte einen Wikipedia-Scanner http://wikiscanner.virgil.gr/. Die Benutzer können darauf auf eine
Datenbank zugreifen, welche Millionen von anonymen Veränderungen von Wikipedia-Einträgen zu den verantwortlichen Organisationen zurückverfolgt. Die Veränderungen werden anhand von Querverweisen mit Informationen darüber untersucht, wer die zugehörige Internet-IP-Adresse besitzt.

Firmen löschen unschmeichelhafte Beiträge

Griffiths erste Erkenntnisse, die jetzt im Magazin Wired veröffentlicht wurden, sind besorgniserregend, wie das Beispiel des umstrittenen US-Wahlmaschinenherstellers Diebold zeigt: «Am 17.November 2005 löschte ein anonymer Wikipedia-Benutzer 15 Paragraphen aus einem Artikel über den Wahlcomputer-Hersteller Diebold. Eine ganze Sektion über Kritik an den Maschinen des Konzerns wurde entfernt. In diesem Fall kamen die Änderungen von einer IP-Adresse, die reserviert ist für die Büros der Hersteller- Firma.»

Auch CIA und Microsoft schreiben fleissig mit

Dies ist gemäss dem Wired-Bericht bei weitem kein Einzelfall. Griffith hat eine Liste von verschiedenen Firmen und Zweigen der Regierung zusammengestellt, welche am Wikipedia-System fleissig mitschreiben. Das Resultat: Eine Datenbank von 5.3 Millionen Editierungen, durchgeführt von 2.6 Millionen Organisationen oder Individuen, die zu den Netz-Adressen von u.a. der CIA, von Microsoft oder von Kongressbüros zurückverfolgt wurden.

In US-Blogs werden Griffiths Erkenntnisse aufgeregt diskutiert. Grundtenor: Wenn Wikipedia-Gründer Jimmy Wales nicht sofort handelt, um Wikipedias gesamtes System zu restrukturieren, wird die Online-Enzyklopädie sehr bald zu einer einzigen Lachnummer werden.


voi