Bond und die Schweiz

01. Oktober 2011 15:24; Akt: 01.10.2012 15:42 Print

Banken, Berge, Bikini: James Bonds Swiss Connection

Mit den Schweizern Marc Forster als Regisseur und Anatole Taubman als Bösewicht im Bond-Abenteuer «Quantum of Solace» erreichte die intensive Beziehung von James Bond zur Schweiz einen neuen Höhepunkt. Begonnen hatte diese facettenreiche Verwicklung allerdings schon vor Jahrzehnten – mit Ursula Andress, alpinen Drehorten und Geldinstituten.

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1962 entstieg sie im ersten James-Bond-Film (Dr. No) den Fluten. Inbegriff der Bond-Gespielin: Die Schweizerin Ursula Andress in der Rolle der Honey Rider. So viel Landesschönheit hatte keine andere zu bieten. Ursula Andress wurde zum besten Bond-Girl aller Zeiten gewählt. Bonds ständiger Begleiter: Die Omega Seamaster mit Ortungsgerät, Laser-Schneider, Abseilkabel, Kamera und so weiter und so fort. Bond war Omega nicht immer treu. Er trägt zwischendurch eine Rolex Submariner. Ein Bond hat sich sogar in der Schweiz niedergelassen: Roger Moore hat lange in Gstaad gewohnt und residiert heute in Crans-Montana. Vier Bond-Streifen handeln zum Teil in der Schweiz: Golden Eye: Pierce Brosnans Bungy Jump im Verzascatal von der Staumauer des Lago di Vogorno. Goldfinger: Die Fabrik des Bösen «Auric Enterprises», besser bekannt als Pilatus-Werk in Stans. Goldfinger: Dorfausgang Realp Goldfinger: Galenstock Goldfinger: Hotel Belvedère Goldfinger: Tankstelle Aurora in Andermatt. Goldfinger: Hauptsrasse zwischen Realp und Andermatt. On Her Majesty's Secret Service: Bern, George Lazenby im Hotel Schweizerhof. On Her Majesty's Secret Service: Heliport auf dem Schilthorn. Den Landeplatz gab es nur im Film. On Her Majesty's Secret Service: Der Adlerhorst des Bösewichts Ernst Stavro Blofeld alias Telly Savalas: Das Schilthorn-Drehrestaurant. On Her Majesty's Secret Service: Sogar der schmiedeiserne Treppenaufgang hat die Jahre überstanden. A View to a Kill: Die Verfolgungs-Szene wurde im Bernina-Gebiet gedreht, nahe St. Moritz. Goldfinger: Der kleine Patrick Simmen aus Andermatt ist Statist und verkauft im Film Alpenrosen. Bond in Bern: On Her Majesty's Secret Service. Heuschober in Mürren: On Her Majesty's Secret Service Bahnhof Lauterbrunnen in «On Her Majesty's Secret Service»

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Die Schweiz: Schauplatz vieler Bond-Abenteuer

«Goldfinger» (1964)
Schon in Flemings Romanvorlage aus dem Jahr 1959 schlug Auric Goldfinger sein Hauptquartier für Goldschmuggel in der Schweiz auf. Für die Verfilmung von «Goldfinger» wurden das Gotthardgebiet und Andermatt gewählt. Die Verfolgungsjagd auf den Serpentinen der Furkapass­strasse machte den Aston Martin DB5 zum berühmtesten Auto der Filmgeschichte. Als Goldfingers Hauptquartier mussten die Stanser Flugzeugwerke herhalten.

«On Her Majesty’s Secret Service» (1969)
Hubert Fröhlich, der Location-Scout der Bond-Produktionsfirma Eon, war im Frühling 1968 der Verzweiflung nahe. Er hatte einen geeigneten Ort für Ernst Stavro Blofelds Alpenfestung Piz Gloria zu finden. Aber keine der alpinen Gipfelstationen in Europa schien ihm geeignet. Da hörte er von einem Drehrestaurant im Berner Oberland, das sich noch im Rohbau befand. Der Rest ist Filmgeschichte. Eon Productions nahm in einem für die Schweiz bis zum heutigen Tag einzigartigen Produk­tionsfeldzug das gesamte Berner Oberland in Beschlag und verwandelte die Region um Eiger, Mönch und Jungfrau in eine gigantische Filmkulisse für den sechsten Bond-Film.

«A View to a Kill» (1985)
Im Vorspann zu «A View to a Kill» erfindet James Bond das Snowboarden. Auf der Kufe eines in seine Einzel­teile zerlegten Snow-Jets entflieht er seinen Häschern über Gletscherspalten und Schneewechten. Gedreht wurde die Szene im Berninagebiet im Engadin. Der eigentliche Handlungsort der Story ist allerdings Sibirien.

«GoldenEye» (1995)
Für den ersten Film mit dem neuen James Bond Pierce Brosnan wurden zwei Dreh­orte in der Schweiz gewählt: nämlich die Verzasca-Staumauer für den spektakulären Bungee-Jump und der Tälistock für den Sturzflug des Pilatus Porters in der Pre-Title-Sequenz.

Ian Fleming: An Englishman in Switzerland

Ian Flemings Mutter sah für ihren Sohn eine Karriere im diplomatischen Dienst vor. Damit er sich auf die Prüfungen vorbereiten konnte, schickte sie ihn an die Genfer Universität. Aber statt fleissig Französisch zu büffeln, vergnügte sich Sohn Ian mit der Waadtländer Schönheit Monique Panchaud de Bottens, mit der er sich im Jahr 1931 verlobte. Seine Mutter verbot ihm aber die Heirat. Dies hinderte Fleming nicht daran, die Schweizerin im Roman «You Only Live Twice» (1964) zu James Bonds Mutter zu machen.

Der Bond-Schöpfer Fleming hatte zur Schweiz stets ein sehr ambivalentes Verhältnis. Einerseits liebte er die Berge und das Skifahren, andererseits hatte er wenig übrig für die Mentalität der Bevölkerung, und er verabscheute gar die Schweizer Banken und deren Geschäftspraktiken.

So wurden Schurken und dubiose Figuren von Fleming immer wieder mit dem roten Pass ausgestattet. So zum Beispiel der Banker Mendel in «Casino Royale». Und in zwei Filmen war die Schweiz die Operationsbasis von Bonds Erzfeinden.

Schweizer Söhne der Bond-Familie

Zahlreiche Schweizer haben über Bond-Filme den Einstieg ins Film-Business versucht. Nur wenige haben es geschafft – unter ihnen: Stefan Zürcher und Leonhard Gmür. Zürcher stieg schon im Jahr 1968 bei «On Her Majesty’s Secret Service» ein. Da er auf Grund eines Engagements als Skilehrer in den USA sehr gut Englisch sprach, konnte er auf dem Set bald zentrale Aufgaben übernehmen. Gmür stiess im Jahr 1982 für «Octopussy» hinzu. Heute ist er zusammen mit Zürcher weltweit die erste Anlaufstelle, wenns um Action-Szenen in Schnee und Eis geht. Gmür wählte auch die Schweizer Drehorte für «GoldenEye» aus. Die beiden Bond-Veteranen haben bei der neusten Produktion «Quantum of Solace» auf der Seebühne in Bregenz mitgewirkt.

Die Frau im beigefarbenen Bikini

Ihre illustren Freunde in Hollywood mussten die junge Bernerin Ursula Andress geradezu nötigen, die Rolle der Muscheltaucherin Honey Ryder im ersten Bond-Film «Dr. No» (1962) anzunehmen. Publikum und Presse waren nach der Premiere von ihrem Auftritt hingerissen. Mit Andress entstieg eine neue Spezies dem Meer: Sie war die Verkörperung der modernen Frau – die Überwindung des Schönheits­ideals der Fünfziger. In den darauffolgenden Jahren wurde sie mit Angeboten überhäuft. Aber die Schweizerin schaffte es nicht, aus dieser perfekten Ausgangslage Kapital zu schlagen. In den Siebzigern landete sie beim italienischen Soft-Porno. Erst die Geburt ihres Sohns beendete den Niedergang der «schönsten Frau der Welt».