Poesie der Würfel

21. Dezember 2011 18:37; Akt: 06.07.2012 15:13 Print

Dieses Buch macht auch Sie zum Plappermaul

von Susanne Lüthi - 36 Würfel, 192 Symbole und einfache Regeln zwischen zwei Buchdeckeln: Drei Brüder haben ein amüsantes Spiel entwickelt, das selbst die wortkargsten Gäste in Plaudertaschen verwandelt.

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Die Gebrüder Frei, das sind Ueli, Andreas und Lukas. Die drei Schweizer sind zwar keine Buben mehr, doch das Spielen haben sie nicht vergessen. Mit ihrem Buch «Icon Poet» werden sie dafür sorgen, dass auch in Ihrer guten Stube wieder mehr gespielt und nicht immer nur gegamed wird.

Wie der Titel verrät, geht es im Buch um Symbole und Poesie. Obwohl Buch eigentlich nicht das richtige Wort ist, denn «Icon Poet» entpuppt sich beim Aufklappen als Spielbox, mit 36 Würfeln auf denen sich 192 Icons Befinden. Vom Regenschirm über den Pokal bis zum Huhn samt Ei.

Alle Geschichten dieser Welt

Und diese 192 Bilder reichen, so die Überzeugung der Freis, um alle Geschichten dieser Welt zu erzählen. Und so geht’s: Je nach Regel wird eine bestimmte Anzahl Würfel gerollt. Nach dem die Sanduhr gedreht ist, hat jeder Spieler genau drei Minuten Zeit, eine Kurzgeschichte aufzuschreiben, die – logo – die Wörter auf den gezeigten Würfeln behinhaltet.

Nur nicht auf stur schalten

Dabei kann beispielsweise der Stiefel ein solcher bleiben, aber genau so gut kann er als Italien herhalten (siehe Bildstrecke oben). Die Schere ihrerseits kann, je nach Verlauf der Story, als das gelten, was sie ist, oder sich mit einem anderen Symbol paaren und so zu einem Haarschnitt, Verschnitt oder der Crèmeschnitte verschmelzen. Aber auch als Verb kann sie dienen. Ob dieses ab-, auf-, an- oder beschneidet, ist dem Poet überlassen. Die beste Erzählung gewinnt.

Die vier Zusatzwürfel (die Schlauen unter Ihnen haben sicher bereits gemerkt, dass 36 Würfel 216 Icons ergeben würden) bestimmen, ob die Geschichte gut oder böse endet oder wo sie sich abspielen soll. Ein dritter bestimmt das Genre und den vierten, den goldenen Würfel, erhält der Sieger, der daraufhin eine Dankesrede halten darf. Natürlich wiederum nach gewürfelter Vorgabe.

Regeln brechen einfach gemacht

Die Regeln der Freis sind einfach und einfach zu brechen. Das Einhalten der drei Minuten kann unter Erwachsenen spannend sein, für Kinder, die sich erst auf Wörtersuche befindenden, aber eher stressig. Auch kann man mal mit mehr oder weniger Würfeln spielen. Oder aber man macht etwas ganz anderes mit den Kuben: Zum Beispiel, das Nachmittagsprogramm gestalten (Zelt aufbauen, ins Kino gehen oder Tee trinken), eine Fremdsprache üben oder sie einfach aufeinander stapeln. Der Möglichkeiten sind mindestens so viele, wie Ihnen «Icon Poet» an lustigen, überraschenden und zum Nachdenken anregenden Stunden bescheren wird.